Knorr-Bremse verlagert die Software-Prüfung für seine Bremssteuerungen auf KI-Agenten und rechnet mit bis zu 30 Prozent mehr Produktivität. Für den Umbau der gesamten Konzern-IT holt der Münchner Zulieferer jetzt den Dienstleister Infosys an Bord. Ein Pilot in Indien zeigt, wo der größte Hebel liegt.

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In einem Werk in Indien prüfen KI-Agenten seit Monaten den Code für Bremssteuerungen und übernehmen dabei automatisierte Qualitätskontrollen. Knorr-Bremse macht aus diesem Pilotversuch jetzt Konzernstrategie und benennt mit Infosys einen Partner für den gesamten Anwendungsbestand. Agentische KI rückt so aus der Laborumgebung mitten in die sicherheitskritische Produktentwicklung eines Industriekonzerns.

Das Wichtigste in Kürze

  • Knorr-Bremse übergibt seinen kompletten Anwendungsbestand an Infosys, eingebettet in das IT-Programm Tech4Value.
  • Generative und agentische KI modernisieren ERP-, Daten- und Engineering-Systeme in beiden Sparten, bei den Schienen- wie bei den Nutzfahrzeugen.
  • Aus einem indischen Pilotprojekt erwartet der Konzern bis zu 30 Prozent mehr Produktivität durch KI-Agenten.
  • Rund 4.000 Beschäftigte sollen für die Arbeit mit KI-Werkzeugen qualifiziert werden.

Was übernimmt Infosys für Knorr-Bremse?

Bremsscheibe mit angehängtem „KI-geprüft“-Schildchen auf weißem Grund
Infosys übernimmt IT-Betrieb von Knorr-Bremse: ERP, Datenplattformen und Engineering-Systeme unter einem Managed-Service-Vertrag im Rahmen von Tech4Value

Infosys betreibt künftig das gesamte Anwendungs-Ökosystem von Knorr-Bremse und bündelt die Verantwortung in einem einzigen Managed-Service-Vertrag.[2] Der Auftrag steckt im konzernweiten IT-Programm Tech4Value und reicht von den zentralen ERP- und Datenplattformen bis zu den Engineering- und PLM-Systemen der Produktentwicklung. Für die Modernisierung nutzt der Dienstleister generative und agentische KI aus seiner Plattform Topaz, und zwar in beiden Geschäftsfeldern, bei den Schienenfahrzeugen wie bei den Nutzfahrzeugen.

Sathees Navaratnam, Chief Digital Officer bei Knorr-Bremse, nennt als Ziel eine agilere und effizientere IT über den ganzen Konzern hinweg. Bekannt gab der Zulieferer die Zusammenarbeit am 18. August 2026, gut ein halbes Jahr nach dem Start seiner KI-Offensive mit Amazon Web Services.

Warum bringen KI-Agenten gerade bei der Bremssoftware 30 Prozent?

Den größten Hebel finden KI-Agenten dort, wo in der Entwicklung sicherheitskritischer Software die meiste Arbeit liegt, beim Prüfen und Testen.[1] Bremssteuerungen für Züge und Lkw müssen strenge Normen erfüllen, von der ISO 26262 im Nutzfahrzeug bis zur EN 50128 im Bahnbereich, und der Nachweis frisst einen großen Teil der Entwicklungszeit.

Genau diese automatisierten Qualitätsprüfungen übernimmt im indischen Pilotprojekt ein Agent, der Testfälle erzeugt und Code gegenprüft. Auf dieser Rechnung beruht die erwartete Produktivitätssteigerung von bis zu 30 Prozent, die der Konzern auf Lieferkette, Engineering und Produktion übertragen will.[1] Was solche agentischen Sprachmodelle im Betrieb leisten und wo ihre Grenzen liegen, ordnet unser LLMs-Ratgeber ein.

Knorr-Bremse: der KI-Umbau in Zahlen

Kennzahlen zur KI-Transformation des Münchner Bremsenherstellers

7,9 Mrd. €
Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2024
30.000+
Beschäftigte weltweit
bis zu 30 %
erwartete Produktivität durch KI-Agenten im Pilotprojekt
4.000
Beschäftigte werden für KI-Werkzeuge qualifiziert

Wo der Pilot läuft

In Indien prüfen KI-Agenten die Software für Bremssteuerungen und übernehmen automatisierte Qualitätskontrollen. Infosys betreibt das gesamte Anwendungs-Ökosystem im Programm Tech4Value.

Knorr-Bremse automatisiert nicht das Marketing, sondern die Prüfung seiner Bremssteuerungen, und genau dort trennt sich KI-Show von KI-Substanz. Der eigentliche Gewinn steckt in den Freigabezyklen, die ein Agent im Hintergrund verkürzt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der KI-Umbau für die DACH-Industrie?

Für Entscheider im deutschsprachigen Raum markiert der Schritt ein Muster, das über Knorr-Bremse hinausreicht: Industriekonzerne holen agentische KI von der Präsentationsfolie in den Maschinenraum ihrer Produktentwicklung. Siemens lässt einen KI-Agenten Automatisierungscode schreiben, Schaeffler bringt KI direkt auf das Steuergerät, und in der Finanzbranche hat die Deutsche Bank ihre Kernbankenmodernisierung an einen externen Dienstleister vergeben.

Der Umbau verlagert allerdings auch Kontrolle. Der EU AI Act stuft Software in sicherheitskritischen Fahrzeug- und Bahnsystemen als Hochrisiko ein, und die Verantwortung für Nachweis und Dokumentation bleibt beim Hersteller, nicht beim KI-Dienstleister. Für den eigenen Betrieb heißt das, ein KI-Betriebsmodell mit klaren Regeln für Daten, Haftung und menschliche Kontrolle aufzusetzen, bevor die Agenten in die Freigabe eingreifen.

Der Fall Knorr-Bremse zeigt, wo agentische KI im Mittelstand ansetzt, an der teuersten und am schwersten zu automatisierenden Stelle. Prüfen Sie, welcher Prüf- oder Freigabeschritt in Ihrem Betrieb die meiste Zeit bindet, und starten Sie dort mit einem eng abgegrenzten Piloten statt mit einem Konzernprogramm.

FAQ: Knorr-Bremse modernisiert seine Konzern-IT mit Infosys und KI-Agenten

Was ist das Tech4Value-Programm von Knorr-Bremse?

Tech4Value (T4V) ist das konzernweite IT-Transformationsprogramm von Knorr-Bremse. Das Programm modernisiert die zentralen ERP-, Daten-, Engineering- und PLM-Systeme in beiden Sparten und stützt sich dabei auf generative und agentische KI. Den Betrieb des gesamten Anwendungs-Ökosystems übernimmt der Dienstleister Infosys.

Wie viel Produktivität erwartet Knorr-Bremse durch KI-Agenten?

Knorr-Bremse rechnet mit bis zu 30 Prozent höherer Produktivität durch KI-Agenten. Die Zahl stammt aus einem Pilotprojekt in Indien, in dem Agenten automatisierte Qualitätsprüfungen in der Software für Bremssteuerungen übernehmen. Den Effekt will der Konzern auf Lieferkette, Engineering und Produktion übertragen.

Welche Rolle spielt Infosys bei Knorr-Bremse?

Infosys erbringt Managed Services für das gesamte Anwendungs-Ökosystem von Knorr-Bremse und setzt zur Modernisierung generative und agentische KI aus seiner Plattform Topaz ein. Die Zusammenarbeit wurde am 18. August 2026 bekannt gegeben und deckt Schienen- wie Nutzfahrzeuge ab.

Fällt KI in sicherheitskritischen Fahrzeugsystemen unter den EU AI Act?

Ja. Der EU AI Act ordnet KI in sicherheitskritischen Fahrzeug- und Bahnsystemen dem Hochrisiko-Bereich zu. Die Verantwortung für Sicherheitsnachweis, Dokumentation und menschliche Aufsicht bleibt beim Hersteller, auch wenn ein externer Dienstleister die KI-Werkzeuge betreibt.

Quellen

[1] Knorr-Bremse: „Knorr-Bremse drives AI transformation with Amazon Web Services“

[2] Infosys und Knorr-Bremse: „Infosys und Knorr-Bremse kooperieren mit dem Ziel, die KI-gestützte Unternehmenstransformation zu realisieren“

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