Tencent legt mit Hunyuan Hy4 sein bislang größtes KI-Modell offen und weicht dabei von der eigenen Linie ab: Der Vorgänger beherrschte nur Text, das neue Modell verarbeitet auch Bilder. 770 Milliarden Parameter klingen nach großem Rechenzentrum, doch pro Anfrage arbeitet nur ein kleiner Teil davon. Für europäische Firmen wird damit Spitzen-KI zum Selbstbetrieb interessant.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenHunyuan Hy4 steht ab sofort als offenes Modell bereit, keine zwei Monate nach dem Vorgänger Hy3. Tencent mischt damit im Wettlauf der chinesischen KI-Labore um die stärksten frei verfügbaren Gewichte mit. Für Entscheider zählt weniger der Benchmark-Platz als die Frage, was ein solches Modell im eigenen Betrieb leisten kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Tencent hat Hunyuan Hy4 als Preview veröffentlicht und die Modellgewichte offengelegt.
- Das Modell bringt 770 Milliarden Parameter mit, von denen pro Anfrage rund 49 Milliarden aktiv sind.
- Erstmals in der Hunyuan-Reihe verarbeitet ein offenes Tencent-Modell auch Bilder, nicht nur Text.
- Für EU-Unternehmen rückt der Eigenbetrieb starker KI näher, samt der Pflichten aus dem AI Act.
Was steckt in Hunyuan Hy4?

Tencent hat das Modell am 28. August 2026 als Preview freigegeben und die Gewichte zum Download bereitgestellt.[1] Technisch setzt Hy4 auf eine Mixture-of-Experts-Architektur: 770 Milliarden Parameter bilden das Gesamtsystem, doch für jede einzelne Anfrage rechnet das Modell nur mit rund 49 Milliarden davon. In Tencents eigener Yuanbao-App steht Hy4 bereits als Experten-Stufe über dem Vorgänger Hy3 und über DeepSeek.
Warum läuft ein 770-Milliarden-Modell auf überschaubarer Hardware?
Der Hebel ist die spärliche Aktivierung. Weil pro Rechenschritt nur ein Bruchteil der Experten anspringt, entspricht der Aufwand eher einem 50-Milliarden-Modell als einem dichten Riesen. Genau dieser Ansatz macht die aktuelle Welle chinesischer Open-Weight-Modelle praktikabel, von Zhipus multimodalem GLM-5.3-Flash bis zu Alibabas Qwen, das schon auf einer Heim-Grafikkarte läuft. Tencent reiht sich hier ein und steckt parallel Milliardenbeträge in eigene KI-Infrastruktur.
Was der EU AI Act verlangt
Für offene Modelle gelten zunächst milde Pflichten: eine Urheberrechts-Leitlinie und eine Zusammenfassung der Trainingsdaten. Ab der Schwelle zum systemischen Risiko greifen die vollen Vorgaben auch für quelloffene Anbieter. Durchsetzbar sind diese Vorgaben seit dem 2. August 2026.
Was bedeutet Hunyuan Hy4 für Entscheider in der EU?
Ein offenes Modell dieser Größe verschiebt die Machtfrage vom Ob zum Wo. Unternehmen, die ihre Daten nicht in fremde Clouds geben wollen, betreiben Spitzen-KI bald im eigenen Rechenzentrum.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Offene Gewichte laufen im eigenen Rechenzentrum, ohne dass ein einziger Prompt an einen US- oder China-Cloud-Dienst wandert. Dieser lokale Betrieb ist ein starkes Datenschutz-Argument, denn sensible Inhalte bleiben im Unternehmen. Der EU AI Act behandelt quelloffene Modelle grundsätzlich milder und verlangt vor allem eine Urheberrechts-Leitlinie und eine Zusammenfassung der Trainingsdaten.[2] Ein Modell dieser Größe dürfte allerdings die Schwelle zum systemischen Risiko überschreiten, ab der auch offene Anbieter die vollen Pflichten treffen. Seit dem 2. August 2026 kann die EU-Kommission diese Vorgaben durchsetzen.
Vor dem produktiven Einsatz von Hy4 lohnt sich ein Blick auf zwei Punkte: die Herkunft der Trainingsdaten und die eigene Rolle als Betreiber unter dem AI Act. Weitere Analysen zu offenen KI-Modellen bündelt die KI-Rubrik von Dr. Web.
Quellen
[1] Tencent Hunyuan: Hunyuan Hy4 (Preview)
[2] Europäische Kommission: Leitlinien zu Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck (EU AI Act)
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