Kingsoft Cloud hat im zweiten Quartal 2026 einen Rekordumsatz von rund 369 Millionen Euro erzielt und zum ersten Mal operativ schwarze Zahlen geschrieben. Getragen hat den Sprung die KI-Cloud, deren Abrechnungen um 82 Prozent zulegten und inzwischen mehr als die Hälfte des Public-Cloud-Geschäfts ausmachen. Für europäische Anbieter zeigt der Fall aus dem Xiaomi-Umfeld, wie sich Rechenleistung und Modelle zu Geld machen lassen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKingsoft Cloud galt lange als der ewige Verlustbringer unter Chinas Cloud-Anbietern. Im zweiten Quartal 2026 drehte der Konzern aus dem Umfeld von Xiaomi und Kingsoft erstmals eine positive operative Marge, während der Umsatz auf einen Rekordwert kletterte. Den Ausschlag gab ein Geschäft, das noch vor zwei Jahren kaum existierte: die Vermietung von KI-Rechenleistung und ganzen Modellen.
Das Wichtigste in Kürze
- Quartalsumsatz rund 369 Millionen Euro, ein Rekord und ein Plus von 30,8 Prozent.
- Die KI-Cloud-Abrechnungen legten um 82 Prozent zu und stehen für 56 Prozent des Public-Cloud-Umsatzes.
- Erstmals positive operative Marge, unterm Strich bleibt aber ein Nettoverlust von rund 11 Millionen Euro.
- Das Modell Model-as-a-Service vermietet fertige KI-Modelle wie DeepSeek oder Kimi je nach Nutzung.
Woher kommt der Rekordumsatz von Kingsoft Cloud?

Kingsoft Cloud setzte im zweiten Quartal rund 369 Millionen Euro um, ein Plus von 30,8 Prozent und der höchste Wert der Firmengeschichte.[1] Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sprang auf etwa 132 Millionen Euro, die zugehörige Marge auf 35,8 Prozent nach 17,3 Prozent ein Jahr zuvor. Unter dem Strich blieb ein Nettoverlust von rund 11 Millionen Euro, deutlich kleiner als zuvor.
Warum wird die KI-Cloud zum Gewinnhebel?
Der Umschwung kommt aus zwei KI-Geschäften. Kingsoft Cloud vermietet zum einen GPU-Rechenleistung für das Training und den Betrieb großer Modelle, zum anderen bietet es unter dem Namen Model-as-a-Service fertige KI-Modelle zur Nutzung nach Verbrauch an. Die Abrechnungen dieser KI-Cloud wuchsen um 82 Prozent und liefern inzwischen 56 Prozent des Public-Cloud-Umsatzes.
Die Bruttomarge bleibt mit gut 15 Prozent dünn, weil Grafikchips teuer sind und der Wettbewerb die Preise drückt. Den ersten operativen Gewinn bringt daher nicht die Marge, sondern die schiere Menge, kombiniert mit strafferen Kosten. Denselben Kampf um die Kosten der KI-Rechenleistung führt Moore Threads mit günstigerer Inferenz auf heimischen GPUs, während bei Alibaba das Cloud-Geschäft boomt, der Gewinn aber einbricht.
Nicht das Betriebssystem verdient in der KI-Wirtschaft das Geld, sondern die Rechenleistung darunter und die Modelle darüber. Kingsoft Cloud führt vor, dass sich Rechenleistung und Modelle bündeln lassen. Europas Cloud-Anbieter müssen sich dieselbe Frage nach ihrem eigenen Modellgeschäft stellen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der MaaS-Boom für Europa?
Model-as-a-Service ist die Schicht, auf der die chinesischen Anbieter ihre KI-Modelle zu Geld machen. Kingsoft Cloud verkauft darüber fertige Modelle nach Verbrauch, ähnlich wie DeepSeek seine offenen Gewichte über Cloud-Anbieter monetarisiert oder Moonshot sein Kimi-Modell ins Firmengeschäft trägt. Für europäische Häuser wie Mistral oder Aleph Alpha stellt sich dieselbe Frage, nur ohne einen heimischen Hyperscaler im Rücken.
In Europa läuft die Debatte unter dem Stichwort Cloud-Souveränität. Der EU Data Act stärkt seit 2025 das Recht, den Cloud-Anbieter zu wechseln. Projekte wie das Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe bei Rostock sollen die Abhängigkeit von US-Hyperscalern verringern. Ein Betreiber, der in einem der zehn größten deutschen Rechenzentren KI-Modelle laufen lässt, konkurriert am Ende mit genau der Preis- und MaaS-Logik, die Kingsoft Cloud gerade vorführt.
Für deutsche Entscheider lohnt der nüchterne Blick auf die eigene KI-Beschaffung: Welche Modelle laufen bei welchem Anbieter, zu welchem Preis je Token, wie leicht ließe sich der Anbieter wechseln? Die dünnen Margen bei Kingsoft Cloud sind dabei eine Warnung, dass günstige KI-Rechenleistung selten günstig produziert wird.
FAQ: Kingsoft Cloud und die KI-Cloud
Wie viel hat Kingsoft Cloud im zweiten Quartal 2026 umgesetzt?
Kingsoft Cloud meldet für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von rund 369 Millionen Euro, ein Plus von 30,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum ersten Mal fiel die operative Marge positiv aus. Unter dem Strich bleibt allerdings noch ein kleiner Nettoverlust von etwa 11 Millionen Euro.
Was ist die KI-Cloud von Kingsoft Cloud?
Die KI-Cloud bündelt zwei Geschäfte: die Vermietung von GPU-Rechenleistung für das Training und den Betrieb großer Modelle sowie Model-as-a-Service, also fertige KI-Modelle zur Nutzung nach Verbrauch. Die Abrechnungen dieses Bereichs wuchsen um 82 Prozent und stehen inzwischen für 56 Prozent des Public-Cloud-Umsatzes.
Was bedeutet Model-as-a-Service (MaaS)?
Model-as-a-Service stellt fertig trainierte KI-Modelle über die Cloud bereit, abgerechnet nach Nutzung statt als Kauf. Firmen greifen per Schnittstelle auf Modelle wie DeepSeek oder Kimi zu, ohne eigene Hardware zu betreiben. MaaS ist die Schicht, auf der Cloud-Anbieter die KI-Modelle zu Geld machen.
Warum ist der Fall für europäische Anbieter relevant?
In Europa läuft die Debatte unter dem Stichwort Cloud-Souveränität. Der EU Data Act stärkt seit 2025 das Recht, den Cloud-Anbieter zu wechseln. Anbieter wie Mistral oder Aleph Alpha stehen vor derselben Aufgabe wie Kingsoft Cloud, ihre Modelle profitabel über eine Cloud zu vermarkten, allerdings ohne einen heimischen Hyperscaler im Rücken.
Quelle
[1] Kingsoft Cloud: „Kingsoft Cloud Announces Unaudited Second Quarter 2026 Financial Results“
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