Kanada und Indien wollen zusammen bis zu 18 U-Boote bauen lassen. Beide Male steht die thyssenkrupp-Tochter TKMS auf der kurzen Auswahlliste. Der Neunmonatsbericht meldet dazu 20,1 Milliarden Euro Auftragsbestand und ein Umsatzplus von 19 Prozent. An diesen zwei Verträgen hängt mehr als eine Quartalszahl.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie U-Boot-Aufträge, um die TKMS gerade wirbt, summieren sich auf einen zweistelligen Milliardenbetrag. Am 26. August bestätigte der kanadische Premierminister Mark Carney beim Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin, dass der Marineschiffbauer beim Kauf von bis zu zwölf Patrouillen-U-Booten unter den letzten beiden Bietern steht. Fast zeitgleich nähert sich in Indien ein Auftrag über sechs Boote der finalen Freigabe.
Das Wichtigste in Kürze
- Kanada nannte TKMS mit dem Typ 212CD am 26. August als einen von zwei Finalisten für bis zu zwölf Patrouillen-U-Boote.
- In Indien steht der Vertrag über sechs Boote (Projekt P-75I, rund 6,4 Milliarden Euro) vor der Freigabe durch den Sicherheitsausschuss.
- Der Neunmonatsbericht zeigt 1,9 Milliarden Euro Umsatz (plus 19 Prozent) und einen Rekord-Auftragsbestand von 20,1 Milliarden Euro.
- Vorstandschef Oliver Burkhard hob die Jahresprognose auf 10 bis 12 Prozent Wachstum an; Engpass bleibt die Werftkapazität.
Warum wirbt TKMS um zwei Aufträge zugleich?

Der Rückenwind kommt aus der Zeitenwende und einem seltenen Technikvorsprung. Seit 2022 füllen die NATO-Staaten ihre Marinebudgets, und konventionelle U-Boote mit außenluftunabhängigem Antrieb sind so gefragt wie lange nicht. Genau dieses Segment beherrscht der Konzern: Der Typ 212CD bleibt dank Brennstoffzellen wochenlang getaucht, ohne aufzutauchen.
Kanada bestätigte den Finalisten-Status auf höchster politischer Ebene. Neben TKMS bleibt nur die südkoreanische Hanwha Ocean im Rennen; die Entscheidung über bis zu zwölf Boote soll bis Ende 2026 fallen. In Indien wiederum baut die Werft Mazagon Dock die sechs Boote des Projekts P-75I, der Anteil heimischer Fertigung steigt dabei von 45 auf 60 Prozent.
Ein Auftragsbestand von 20 Milliarden Euro macht TKMS über Nacht zum sichtbarsten Testfall deutscher Rüstungsexportpolitik. Wie Berlin über die Ausfuhrgenehmigungen entscheidet, prägt das Ergebnis am Ende stärker als jede Werftkapazität.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was steht in den Zahlen der thyssenkrupp-Tochter?
Das Wachstum kommt inzwischen nicht mehr nur aus der U-Boot-Sparte. Im Neunmonatszeitraum bis Juni 2026 stieg der Umsatz um 19 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro.[1] Der Auftragsbestand erreichte mit 20,1 Milliarden Euro einen Höchststand.
Den kräftigsten Sprung machte die Elektroniktochter Atlas Elektronik, die Sonar-, Führungs- und Minenabwehrsysteme baut. Damit rückt die Software an Bord näher an den Kern der Wertschöpfung, nicht allein der Stahl der Rümpfe.
Vorstandschef Oliver Burkhard hob die Jahresprognose an, auf 10 bis 12 Prozent Umsatzwachstum statt zuvor 2 bis 5. Volle Auftragsbücher nützen aber wenig, solange Docks und Fachkräfte fehlen; über eine Kooperation mit der spanischen Werft Navantia denkt der Konzern deshalb bereits nach.
Zwei U-Boot-Programme im Rennen
Bis zu 12 U-Boote vom Typ 212CD. TKMS ist einer von zwei Finalisten, die Entscheidung soll bis Ende 2026 fallen.
6 U-Boote im Projekt P-75I, rund 6,4 Mrd. €. Bau bei der Werft Mazagon Dock, die finale Freigabe steht bevor.
Was bedeutet der Doppelschlag für den Standort?
Für den Standort Deutschland hängt an den Verträgen mehr als Umsatz. Jeder Export braucht die Freigabe des Bundessicherheitsrats, und U-Boote zählen zu den sensibelsten Rüstungsgütern überhaupt. Genehmigt Berlin die Ausfuhr nicht, kippt der schönste Auftrag.
Das Muster reicht über TKMS hinaus. Rheinmetall drängt mit der Fregatte GMF140 in den Marineschiffbau, thyssenkrupp gliederte parallel die Materialsparte aus, und auch Deutz stieg mit dem Kauf des Panzerbauers FFG ins Rüstungsgeschäft ein.
Für Zulieferer und Anleger lohnt der Blick weniger auf die Auftragssumme als auf die Werftkapazität und die Genehmigungsrisiken der Zielländer. Beides entscheidet, wie viel von den 20 Milliarden Euro tatsächlich in Umsatz mündet.
FAQ: TKMS vor zwei U-Boot-Großaufträgen
Was ist TKMS?
TKMS (thyssenkrupp Marine Systems) ist Deutschlands größter Marineschiffbauer und seit dem Börsengang 2025 eine eigenständige, börsennotierte Gesellschaft. Der Konzern baut vor allem konventionelle U-Boote und Überwasserschiffe und hält über die Tochter Atlas Elektronik auch Marineelektronik im Portfolio.
Welche U-Boote will Kanada kaufen?
Kanada plant im Canadian Patrol Submarine Project den Kauf von bis zu zwölf konventionellen U-Booten. Als Finalisten stehen TKMS mit dem Typ 212CD und die südkoreanische Hanwha Ocean fest. Die Auswahlentscheidung soll bis Ende 2026 fallen.
Worum geht es beim indischen Projekt P-75I?
Beim Projekt P-75I lässt Indien sechs konventionelle U-Boote mit außenluftunabhängigem Antrieb bauen, das geschätzte Volumen liegt bei rund 6,4 Milliarden Euro. TKMS liefert die Konstruktion, die Werft Mazagon Dock übernimmt den Bau in Indien. Der Vertrag steht vor der finalen Freigabe durch den Sicherheitsausschuss.
Was ist ein außenluftunabhängiger Antrieb?
Ein außenluftunabhängiger Antrieb erlaubt konventionellen U-Booten, wochenlang getaucht zu bleiben, ohne zum Luftholen aufzutauchen. TKMS setzt dafür auf Brennstoffzellen. Das macht die Boote leiser und schwerer zu orten als Diesel-U-Boote ohne diese Technik.
Wie hat TKMS zuletzt abgeschnitten?
Im Neunmonatszeitraum bis Juni 2026 steigerte TKMS den Umsatz um 19 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro und das bereinigte EBIT um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte mit 20,1 Milliarden Euro einen Höchststand. Die Jahresprognose wurde auf 10 bis 12 Prozent Wachstum angehoben.
Quelle
[1] TKMS AG & Co. KGaA: Quartalsmitteilung Q3 2025/26 (Neunmonatsbericht, 12. August 2026)
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