tk accelis, bis vor Kurzem als thyssenkrupp Materials Services bekannt, verlässt den Konzern. Die Materialsparte mit 11,4 Milliarden Euro Umsatz und rund 15.500 Beschäftigten soll noch 2026 an die Frankfurter Börse gehen. Über die Abspaltung stimmt eine außerordentliche Hauptversammlung am 7. August ab.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMit tk accelis trennt sich thyssenkrupp vom nächsten Baustein seines Konzerns. Nach der Marinesparte und dem Wasserstoff-Spezialisten nucera verlässt nun der Werkstoffhandel das Dach der Essener Holding. Für Anleger und für die Industriekunden der Sparte ändert sich mehr als der Firmenname.
Das Wichtigste in Kürze
- tk accelis, ehemals thyssenkrupp Materials Services, wird als eigenständige Aktie an der Frankfurter Börse notiert.
- Die Sparte kommt auf 11,4 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2024/25 und rund 15.500 Beschäftigte.
- thyssenkrupp behält 51 Prozent, 49 Prozent gehen anteilig an die eigenen Aktionäre.
- Über die Abspaltung entscheidet die außerordentliche Hauptversammlung am 7. August 2026.
tk accelis: vom Konzernbereich zur eigenen Aktie

Der Werkstoffhändler tk accelis beschafft Stahl, Nichteisenmetalle und Kunststoffe, verarbeitet sie und liefert sie an die Industrie. Zu den Kunden zählen Hersteller aus Automobilbau, Maschinenbau, Luftfahrt und Energiewirtschaft. In Europa ist tk accelis Marktführer, in Nordamerika die Nummer drei. Im Geschäftsjahr 2024/25 setzte die Sparte 11,4 Milliarden Euro um.[1] Bei der Abspaltung reicht thyssenkrupp 49 Prozent der Anteile anteilig an die eigenen Aktionäre weiter und lässt sie in Frankfurt notieren, die Mehrheit von 51 Prozent bleibt beim Konzern. Die Zustimmung soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 7. August 2026 fallen.
Warum spaltet thyssenkrupp tk accelis ab?
Hinter der Abspaltung steckt der Konzernumbau, den thyssenkrupp seit Jahren betreibt. Der Essener Mischkonzern wandelt sich zur Holding, unter der jede Sparte möglichst eigenständig am Kapitalmarkt agiert. Der Gedanke dahinter: Ein reiner Werkstoffhändler wird an der Börse anders bewertet als ein Stahl-, Rüstungs- und Wasserstoffkonglomerat, in dem seine Zahlen untergehen. Mit eigener Aktie bekommt tk accelis direkten Zugang zu Kapital für Zukäufe, vor allem in Nordamerika. Dass der Schritt gerade jetzt kommt, hat einen Grund: Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stieg das bereinigte Ergebnis der Sparte auf 81 Millionen Euro, ein Plus von 179 Prozent.[1]
Den Weg geht thyssenkrupp nicht zum ersten Mal. Die Marinesparte fährt als eigenständige TKMS bereits Milliardenaufträge ein, nucera notiert seit 2023 an der Börse. Auch anderswo in der deutschen Industrie zerlegen sich die Konglomerate. Salzgitter trennt sich von Randgeschäften. Dem Materialgeschäft von tk accelis steht der Chemiehändler Brenntag strukturell am nächsten.
Der Umbau bei thyssenkrupp folgt einer klaren Logik: Jede Sparte, die am Kapitalmarkt allein tragfähig ist, bekommt ihre eigene Aktie. Bei tk accelis wettet der Vorstand darauf, dass die Materialsparte eigenständig höher bewertet wird als im Konzernverbund.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wem tk accelis nach der Abspaltung gehört
Was die tk-accelis-Abspaltung für Anleger bedeutet
Für Aktionäre von thyssenkrupp landet die neue tk-accelis-Aktie automatisch im Depot, ohne dass sie etwas tun müssen. Ob die eigenständige Aktie den erhofften Kursaufschlag bringt, hängt davon ab, ob tk accelis die höhere Marge aus dem zweiten Quartal hält. Für Industriekunden, die Stahl oder Kunststoffe über tk accelis beziehen, steht künftig ein eigenständiger, digital aufgestellter Lieferant im Vertrag, der über Zukäufe selbst entscheidet. Wie schon bei der Deutz-Übernahme von FFG fällt auch hier die Entscheidung über den weiteren Weg auf der Hauptversammlung.
Aktionäre von thyssenkrupp sollten die Einladung zur außerordentlichen Hauptversammlung im Blick behalten und die Bedingungen der Abspaltung prüfen. Für alle anderen zeigt der Fall, wie schnell aus einem Konzernbereich ein eigenes börsennotiertes Unternehmen wird.
Quelle
[1] thyssenkrupp AG: „Supervisory Board of thyssenkrupp AG approves plans to spin off tk accelis“
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