Knorr-Bremse hebt nach einem starken zweiten Quartal die Jahresprognose an und legt erstmals ein Ziel für 2030 vor: rund 10 Milliarden Euro Umsatz und etwa 16 Prozent operative Marge. Getragen wird das Versprechen weniger vom Verkauf neuer Bremsen als vom Geschäft danach, von der Wartung bis zur Software. Für Flottenbetreiber und Bahnen verschiebt sich damit, wofür sie künftig bezahlen.

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Am 29. Juli meldete Knorr-Bremse ein Rekord-Auftragsbuch von 7,9 Milliarden Euro und hob prompt den Ausblick für 2026 an. Spannender als die Quartalszahlen ist die Ansage dahinter: Der Münchener Konzern definiert unter dem Namen „Growth Beyond“ zum ersten Mal feste Mittelfristziele.

Das Wichtigste in Kürze

  • Knorr-Bremse hebt die Umsatzprognose 2026 auf 8,1 bis 8,3 Milliarden Euro an, die operative Marge auf 14,0 bis 14,5 Prozent.
  • Die neue Strategie „Growth Beyond“ nennt erstmals ein 2030-Ziel: rund 10 Milliarden Euro Umsatz und etwa 16 Prozent operative Marge.
  • Den Margensprung trägt das Geschäft nach dem Verkauf: Wartung, Ersatzteile und digitale Dienste über RailServices und TruckServices.
  • Das Auftragsbuch erreicht mit 7,9 Milliarden Euro einen Rekord, der freie Mittelzufluss steigt im Halbjahr um fast 83 Prozent.

Was steckt hinter dem 10-Milliarden-Ziel?

Eine Bremsscheibe mit angehängtem Preisschild „Wartung inklusive bis 2030“
Knorr-Bremse steigert Q2-Umsatz um 7,2 Prozent auf 2,143 Milliarden Euro, operative Marge erreicht 14,2 Prozent. Jahresprognose angehoben

Im zweiten Quartal steigerte Knorr-Bremse den Umsatz um 7,2 Prozent auf 2,143 Milliarden Euro, die operative Marge kletterte auf 14,2 Prozent.[1] Für das Gesamtjahr hebt der Vorstand die Umsatzspanne auf 8,1 bis 8,3 Milliarden Euro und die Marge auf 14,0 bis 14,5 Prozent an.

Wirklich neu ist der Blick bis 2030. „Growth Beyond“ nennt vier feste Ziele: rund 10 Milliarden Euro Umsatz, etwa 16 Prozent operative Marge, eine Cash-Quote über 90 Prozent und eine Kapitalrendite jenseits von 25 Prozent.

Warum die Marge vom Geschäft nach dem Verkauf lebt

Die zusätzlichen Prozentpunkte kommen nicht aus dem Verkauf neuer Bremsen. Der Zuwachs stammt aus dem Wartungs- und Ersatzteilgeschäft, das der Konzern unter RailServices und TruckServices bündelt. Millionen verbaute Bremssysteme in Zügen und Lastwagen erzeugen über ihre Lebensdauer wiederkehrende Service-Umsätze mit deutlich höheren Margen als die Erstausrüstung.

Parallel trennt sich Knorr-Bremse von Randbereichen, zuletzt vom Zug-Klimageschäft Merak. „Nach der Abgabe mehrerer Randgeschäfte läuft jetzt die nächste Wachstumsoffensive“, sagt Vorstandschef Marc Llistosella.[1] Der Verkauf schärft das Portfolio auf die margenstarke Verbindung aus Kerntechnik und digitalen Diensten, von der vorausschauenden Wartung bis zur Ferndiagnose.

Knorr-Bremse verkauft künftig nicht mehr die Bremse, sondern die Betriebszeit dahinter. Ob aus soliden 14 Prozent Marge die angepeilten 16 werden, entscheidet genau dieser Wechsel vom Bauteil zum Service.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Knorr-Bremse: die Ziele der „Growth Beyond“-Strategie

Halbjahr 2026 und die Mittelfristziele für 2030 im Überblick.

~10 Mrd. €
Umsatzziel 2030 (2026 erwartet: 8,1 bis 8,3 Mrd. €)
~16 %
operative Marge 2030 (Q2 2026: 14,2 %)
7,9 Mrd. €
Auftragsbuch zum 30.06.2026, ein Rekord (+7,7 %)
+82,9 %
freier Mittelzufluss im Halbjahr auf 294 Mio. €
> 25 %
angestrebte Kapitalrendite (ROCE) bis 2030

Was Automatisierung für Flotten und Bahnen bedeutet

Das zweite Wachstumsfeld ist die Automatisierung. Für den fahrerlosen Lkw hat Knorr-Bremse ein redundantes Bremssystem entwickelt, das 2027 in Serie geht; dazu kommen aktive Sicherheitssysteme, die durch die neue EU-Sicherheitsverordnung faktisch zur Pflicht werden.

Auf der Schiene zielt der Konzern auf automatisierten Zugbetrieb und die digitale Aufrüstung bestehender Strecken, wie zuletzt bei der Erzbahn von Fortescue. Am Ende zählt für Betreiber weniger der Kaufpreis eines Bauteils als die garantierte Betriebszeit dahinter.

Für Anleger ist das 2030-Ziel ein Versprechen, für Betreiber schon heute eine Ansage. Planen Sie neue Züge oder Lkw-Flotten, verhandeln Sie Wartungs- und Software-Verträge künftig so hart wie den Anschaffungspreis. Die nächste Probe folgt mit den Quartalszahlen, wenn sich zeigt, ob das Servicegeschäft die Marge wirklich Richtung 16 Prozent zieht.

Quelle

[1] Knorr-Bremse: „Knorr-Bremse delivers strong second-quarter results and launches ‚Growth Beyond’ strategy“

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