Jungheinrich holt sich seinen chinesischen Konkurrenten ins eigene Haus. Der Hamburger Intralogistik-Konzern vertieft die 2025 gestartete Mid-Tech-Partnerschaft mit EP Equipment und beteiligt sich an dem Lithium-Ionen-Spezialisten, wie Branchenmedien am 29. Juli berichten.

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Vor sechs Tagen hat Jungheinrich die Gewinnprognose gesenkt und den Preisdruck aus China als Grund genannt. Jetzt vertieft der Konzern ausgerechnet die Verbindung zum chinesischen Hersteller EP Equipment und beteiligt sich an ihm.

Das Wichtigste in Kürze

  • Jungheinrich beteiligt sich an EP Equipment und baut die 2025 gestartete Mid-Tech-Partnerschaft aus (laut Branchenmedien, 29. Juli 2026).
  • Gemeinsame Marke ist „AntOn by Jungheinrich“, eine günstigere Lithium-Ionen-Baureihe neben dem Premiumgeschäft.
  • Der Schritt folgt auf die gesenkte Gewinnprognose, die der chinesische Preisdruck bei Gabelstaplern ausgelöst hat.
  • Für den Mittelstand entsteht eine deutsche Marke mit chinesischer Kostenbasis im wachsenden Einstiegssegment.

Warum verbündet sich ein Premiumhersteller mit dem Angreifer?

Modellstapler transportiert kleineren Stapler auf Palette mit „Mid-Tech“-Anhänger
Chinesische Hersteller wie EP Equipment und Hangcha verdrängen deutsche Premiumanbieter mit günstigen Lithium-Ionen-Staplern aus dem Einstiegssegment

Den chinesischen Preisvorteil bei einfachen Elektrostaplern holt deutsche Premiumfertigung nicht mehr ein. Wettbewerber wie EP Equipment, Hangcha oder Heli drängen mit günstigen Lithium-Ionen-Geräten ins Einstiegssegment und haben zuletzt die Margen der etablierten Anbieter gedrückt, was Jungheinrich gerade erst die Gewinnprognose gekostet hat.

Jungheinrich beantwortet das nicht allein mit Abwehr, sondern mit Einverleibung. EP liefert die Lithium-Ionen-Technik und die Kostenbasis, Jungheinrich die Marke, das Servicenetz und den Zugang zum europäischen Markt.

Aus der Liefer-Partnerschaft wird mit der Beteiligung eine geteilte Rechnung. „Gemeinsam werden wir unsere Skaleneffekte in der Produktion weiter ausbauen, voneinander lernen und unsere Position stärken“, hatte EP-Chef John He schon zum Start der Kooperation gesagt.[1]

Was ist Mid-Tech, und warum entscheidet es über die Marge?

Mid-Tech meint die Klasse zwischen namenloser Billigware und dem Premiumsegment: solide Lithium-Ionen-Stapler zu einem deutlich niedrigeren Preis. Genau dort wächst der Markt am schnellsten, weil kostenbewusste Lager auf Elektroantrieb umsteigen.

Für Jungheinrich ist AntOn deshalb kein Nebenprodukt, sondern Teil der „Strategy 2030+“. „Die Portfolio-Erweiterung stärkt unsere Position im boomenden Mid-Tech-Markt“, hat Vorstandschef Lars Brzoska zum Start der Marke betont.

Der Zukauf von Fähigkeiten zieht sich durch die Branche. Jungheinrich hat sich zuvor am Laderampen-Roboterbauer Navflex beteiligt, und Konkurrent Kion hat den Fahrroboter-Entwickler von Colruyt übernommen, statt selbst zu entwickeln.

Den Preiskampf gegen China gewinnt Jungheinrich nicht mit deutscher Fertigung, sondern mit einer Beteiligung am Gegner. Aus der Bedrohung wird eine eigene Baureihe.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zwei Klassen, ein Konzern: Jungheinrichs Mid-Tech-Strategie
Wie sich Jungheinrich mit EP Equipment gegen den Preisdruck aus China aufstellt
Premium
Jungheinrich
  • Eigene Fertigung in Europa
  • Automatisierung und Servicenetz
  • Höhere Marge, höherer Preis
Mid-Tech
AntOn by Jungheinrich
  • Lithium-Ionen-Technik von EP Equipment
  • Günstiger Einstiegspreis
  • Am schnellsten wachsendes Segment

Vom Liefervertrag zur Beteiligung

2025
Strategische Partnerschaft, Start der Mid-Tech-Marke AntOn
2026
China-Preisdruck drückt die Marge, Jungheinrich senkt die Prognose
Jetzt
Jungheinrich beteiligt sich an EP Equipment (laut Branchenmedien)

Statt allein gegen den Preisdruck aus China anzukämpfen, holt Jungheinrich einen Lithium-Ionen-Spezialisten als Kostenbasis an Bord.

Was bedeutet der Einstieg für Lager und Logistik im Mittelstand?

Für Betreiber von Lagern und Fuhrparks im deutschsprachigen Raum ändert sich die Auswahl. Eine günstigere Lithium-Ionen-Baureihe kommt künftig von einer deutschen Marke mit gewohntem Servicenetz, nicht mehr nur vom anonymen Direktimport. Im Premiumsegment rüstet Jungheinrich derweil weiter auf, wo die neuen Stapler Menschen per Kamera erkennen.

Politisch bleibt das Vorhaben heikel. Zwischen der EU und China schwelt der Streit um Zölle auf Industriegüter, und eine Kostenbasis in Fernost verlagert einen Teil des Lieferkettenrisikos mit. Wie stark Automatisierung den Markt ohnehin umbaut, zeigt unser Überblick zur Robotik 2026.

Vor der nächsten Flottenentscheidung lohnt der Blick auf die Gesamtkosten über die Lebensdauer, nicht nur auf den Anschaffungspreis: Wartung, Batterietausch und Restwert entscheiden bei Lithium-Ionen-Staplern über die Rechnung. Beim breiten Vergleich gehören die Mid-Tech-Angebote der Premiumhersteller künftig neben den reinen China-Import.

Quelle

[1] Jungheinrich: „Shaping the future of material handling together“ (Pressemitteilung zur Partnerschaft mit EP Equipment)

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