Nordex fuhr im zweiten Quartal 2026 einen Konzerngewinn von 111,5 Millionen Euro ein, mehr als dreimal so viel wie ein Jahr zuvor.[1] Der Hamburger Windturbinenbauer knackte zugleich erstmals die Marke von zehn Prozent operativer Marge. Damit rückt der Konzern von den Verlustjahren ab, die eine ganze Branche zermürbten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Die EBITDA-Marge erreichte 10,3 Prozent nach 5,8 Prozent im Vorjahr, erstmals ein zweistelliger Wert.
- Der Konzerngewinn stieg auf 111,5 Millionen Euro, von 31,0 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
- Der Auftragseingang legte um 32 Prozent auf 3.054 Megawatt zu, der Auftragsbestand im Projektgeschäft auf 11,6 Milliarden Euro.
- Die Jahresprognose von 8,2 bis 9,0 Milliarden Euro Umsatz bestätigte der Vorstand.
Was steckt hinter dem Gewinnsprung?

Höhere Preise stecken hinter dem Ergebnis. Der Umsatz legte um 16,3 Prozent auf 2,18 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis (EBITDA) stieg von 108 auf 224 Millionen Euro. Die Marge erreichte 10,3 Prozent nach 5,8 Prozent im Vorjahr.
Abgearbeitete Altlasten erklären die Wende. Die Aufträge, die Nordex heute abrechnet, stammen aus Jahren mit auskömmlichen Verkaufspreisen. Die teuren Festpreisverträge aus der Inflationskrise von 2022 und 2023 sind weitgehend abgearbeitet, der Durchschnittspreis blieb mit 0,97 Millionen Euro je Megawatt stabil.
Volle Bücher sichern die Fortsetzung. Der Auftragsbestand im Projektgeschäft wuchs um 31 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro, der freie Cashflow lag mit 164,6 Millionen Euro klar im Plus.
Warum dreht die halbe Windbranche gerade?
Ein Muster zeichnet sich ab. Der dänische Marktführer Vestas kehrte bereits in die Gewinnzone zurück, kämpft aber weiter mit dünnen Margen. Siemens Gamesa, die Windsparte von Siemens Energy, arbeitet noch immer Qualitätsmängel im Onshore-Geschäft ab und peilt erst für dieses Jahr die Gewinnschwelle an.
Dieselbe Ursache wirkt bei allen Herstellern. Die Kombination aus Festpreisverträgen und explodierenden Material- und Logistikkosten trieb die westlichen Anbieter ab 2022 tief in die Verlustzone. Sobald ein Hersteller die Altverträge abgearbeitet und die Preise neu kalkuliert hat, verdient er wieder. Nordex ist der Konkurrenz damit ein Stück voraus.
Neuer Druck kommt aus China. Chinesische Anbieter drängen mit aggressiven Preisen nach Europa und fordern die Rendite der etablierten Hersteller heraus. Der jüngste Aufschwung steht damit unter Vorbehalt.
Nordex verkauft seine Turbinen nicht billiger, sondern teurer, und füllt trotzdem die Auftragsbücher. Genau diese Preisdisziplin trennt den Gewinner der Windwende vom Sanierungsfall.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Vom Verlustbringer zum Gewinner
Stabile Verkaufspreise von 0,97 Millionen Euro je Megawatt, abgearbeitete Krisenverträge und rund 800 Megawatt Neuaufträge in den USA hoben die Marge über die Zehn-Prozent-Schwelle. Die Jahresprognose bleibt bei 8,2 bis 9,0 Milliarden Euro Umsatz.
Was bedeutet das für deutsche Projekte?
Der Heimatmarkt zieht an. Deutschland zählte im Quartal zu den stärksten Einzelmärkten, getrieben vom Wind-an-Land-Gesetz, das die Länder zu zwei Prozent Flächenausweisung verpflichtet. Wie kräftig der Zubau anspringt, zeigte zuletzt ein Nordex-Großauftrag über 700 Megawatt für den Projektierer UKA.
Der eigentliche Engpass liegt nicht mehr beim Genehmigen, sondern beim Bauen. Nach der beschleunigten Genehmigung stocken viele Projekte an Netzanschluss und Bauzeit, ein Muster, das andere Projektierer längst kennen.
Für Projektierer und Energieeinkäufer zählt der Preistrend. Die Zeit der Schnäppchen-Turbinen ist vorbei, langfristige Stromabnahmeverträge und Budgets sollten den festeren Preistrend einplanen. Dass Nordex trotz des politischen Gegenwinds rund 800 Megawatt neue Aufträge in den USA gewann, zeigt zugleich, wie robust die weltweite Nachfrage bleibt.
Quelle
[1] Nordex SE: „Nordex Group erreicht im zweiten Quartal 2026 eine zweistellige EBITDA-Marge, steigert den Auftragseingang deutlich und erzielt einen positiven Freien Cashflow“ (29. Juli 2026)
Mehr Newshunger?
- 700 Megawatt für UKA: Wie Nordex vom deutschen Windkraft-Boom profitiert
- 188 Megawatt in fünf Genehmigungen: Der Engpass des Windausbaus liegt längst hinter dem Amt
- RWE baut im Tagebau Hambach einen Batteriespeicher mit 470 MWh
- 300 Megawatt aus Ferrara: EnBW mietet Italiens größte Batterie, statt in Deutschland zu bauen
- Gaskraftwerke ab 2031, Kohleausstieg 2030: Die Lücke, vor der Evonik warnt
- 800 Millionen Euro weniger: Warum BayWa die Sanierung bis 2030 strecken muss