Die PNE-Gruppe hat im ersten Halbjahr 2026 fünf Windenergieprojekte mit rund 188 Megawatt durch das Genehmigungsverfahren gebracht. Bemerkenswert ist weniger die Zahl als das, was danach kommt. Genehmigungen sind in Deutschland kein knappes Gut mehr, Netzanschlüsse dagegen schon.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Nadelöhr des deutschen Windausbaus hat sich verschoben. Fünf Bundesländer haben der PNE-Gruppe Genehmigungen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz erteilt, zusammen rund 188 Megawatt.[1] Der Weg von der behördlichen Unterschrift bis zum eingespeisten Strom ist inzwischen der längere Teil der Strecke.
Das Wichtigste in Kürze
- Fünf genehmigte Projekte in Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, zusammen rund 188 Megawatt.
- In Gardelegen ersetzen vier neue Anlagen sechs alte und kommen trotzdem auf rund 24 Megawatt.
- Deutschlandweit haben Behörden 2025 rund 3.310 Windenergieanlagen mit 20.765 Megawatt genehmigt.
- Das Tempo bestimmt inzwischen der Netzanschluss, nicht mehr das Genehmigungsverfahren.
Was hat PNE genehmigt bekommen?

Fünf Standorte. Das größte Vorhaben ist Beerfelde in Brandenburg mit 14 Anlagen und rund 100 Megawatt. Dazu kommen Ehren in Niedersachsen mit vier Anlagen und rund 29 Megawatt sowie Balver Wald in Nordrhein-Westfalen mit drei Anlagen und rund 21 Megawatt.[1]
Partner statt Alleingang. In Ehren entsteht das Projekt gemeinsam mit einer Volksbank, in Thüringen erweitert PNE den Standort Gebstedt/Willerstedt zusammen mit EDF power solutions um zwei Anlagen und rund 14 Megawatt. Solche Konstruktionen verteilen Kapitalbedarf und Genehmigungsrisiko.
„Die hohe Anzahl an Genehmigungen im ersten Halbjahr 2026 ist für uns natürlich sehr erfreulich. Nun können wir die nächsten Schritte in Richtung Umsetzung gehen“, sagt Roland Stanze, COO der PNE AG.[1]
Warum liefern vier Anlagen mehr als sechs?
Moderne Anlagen stehen höher, drehen größere Rotoren und erreichen pro Standort deutlich mehr Volllaststunden. In Gardelegen ersetzt PNE deshalb sechs Altanlagen durch vier neue und kommt trotzdem auf rund 24 Megawatt bei spürbar höherem Stromertrag.
Fläche bleibt der Engpass. Das Windenergieflächenbedarfsgesetz verlangt bis Ende 2027 rund 1,4 Prozent und bis Ende 2032 zwei Prozent der Bundesfläche für Windenergie. Repowering erhöht die Leistung ohne zusätzliche Fläche und wird damit vom Randthema zum eigentlichen Wachstumspfad.
Projektierer unter Druck. Einfach ist dieses Geschäft nicht: BayWa muss die Sanierung ihres Projektgeschäfts bis 2030 strecken, während SMA Solar die Prognose für 2026 wieder anhebt.
Was die PNE-Gruppe im ersten Halbjahr 2026 genehmigt bekommen hat, und wie klein das im deutschen Gesamtbild ist.
Repowering Gardelegen: weniger Anlagen, mehr Strom
Deutschland hat sein Genehmigungsproblem gelöst und sich dabei ein Umsetzungsproblem eingehandelt. Megawatt auf dem Bescheid sind noch keine Kilowattstunden im Netz.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Ist die Genehmigung noch der Engpass?
Nein. 2025 haben die Behörden rund 3.310 Windenergieanlagen mit 20.765 Megawatt genehmigt, das stärkste Genehmigungsjahr der deutschen Windgeschichte. Der Stau hat sich hinter das Verfahren verschoben, in Netzanschluss, Speicher und Bauausführung.
Beschleunigung wirkt. Seit August 2025 gilt die deutsche Umsetzung der EU-Richtlinie RED III. Das Gesetzespaket ändert unter anderem Bundes-Immissionsschutzgesetz und Baugesetzbuch, führt Beschleunigungsgebiete ein und schreibt seit November 2025 elektronische Genehmigungsverfahren vor. Militär- und Luftfahrtbehörden müssen inzwischen binnen weniger Werktage beteiligt werden.
Der Stau danach. Genau dort, wo der Strom ankommen soll, wird es eng: Siemens investiert 300 Millionen Euro in Schaltanlagen, weil der Netzanschluss zum Engpass des Strombooms geworden ist. EnBW wiederum mietet lieber Italiens größten Batteriespeicher, statt in Deutschland zu bauen. Wie schnell Ökostromportfolios den Besitzer wechseln, zeigt der Verkauf des schwedischen Geschäfts.
Lücke im Fahrplan. Gleichzeitig fehlt gesicherte Leistung: Evonik warnt vor der Lücke zwischen Kohleausstieg 2030 und neuen Gaskraftwerken ab 2031. Daran entscheidet sich für Industriekunden, ob Strompreise planbar bleiben.
Für Unternehmen mit eigenem Strombedarf heißt das: Langfristverträge an Projekte binden, die die Genehmigung schon in der Hand haben, und den Netzverknüpfungspunkt vor der Preisverhandlung prüfen. Bei geplanter Eigenerzeugung gehört der Speicherbedarf in dieselbe Kalkulation, weil Contracting-Modelle wie das von E.ON und Leadec die Investition ohne eigenes Kapital ermöglichen.
Quelle
[1] PNE AG: „PNE-Gruppe erhält Genehmigungen für Windenergieprojekte von rund 188 MW“, 20. Juli 2026
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