Rund 120 Megawatt Windkraft samt Projektpipeline umfasst das schwedische Ökostromgeschäft, das EnBW jetzt abgibt. Käufer ist der dänische Entwickler Eurowind Energy, der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet[1]. Den Kaufpreis halten beide Seiten geheim.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- EnBW verkauft die Tochter EnBW Sverige mit rund 120 MW Onshore-Windkraft und einer Wind- und Solarpipeline an Eurowind Energy.
- Der Karlsruher Versorger zieht sich vollständig aus dem nordischen Markt zurück und bündelt sein Kapital in Deutschland.
- Schon zuvor hat EnBW sein dänisches Geschäft an denselben Käufer abgegeben, auch RWE hat sich Anfang 2026 von schwedischen Projekten getrennt.
- Der Abschluss steht unter Regulierungsvorbehalt und wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.
Warum verkauft EnBW ausgerechnet den Norden?

Nordische Windparks verkaufen ihren Strom zu niedrigen, schwankenden Börsenpreisen. Je mehr Wind einspeist, desto stärker drückt er in den eigenen Ertragsstunden den Preis. Im regulierten deutschen Netz- und Erzeugungsgeschäft rechnet sich das Kapital für EnBW verlässlicher.
Die nordischen Strompreise liegen in den windreichen Gebotszonen Schwedens strukturell niedrig. Wasserkraft und Windkraft erzeugen dort regelmäßig einen Überschuss, während die Leitungen in den Süden zu schwach bleiben, um ihn abzutransportieren. Neue Anlagen verdienen so an vielen Stunden kaum etwas.
Dazu kommt der Kannibalisierungseffekt: Jede zusätzliche Windkraftanlage senkt den Preis genau dann, wenn alle gleichzeitig einspeisen. Der Ertrag pro Megawattstunde sinkt mit jedem Ausbauschritt, während der deutsche Windmarkt gerade Rekordaufträge verbucht.
Steckt hinter dem Rückzug ein Muster?
Ein Einzelfall ist der Verkauf nicht. EnBW hat bereits sein dänisches Geschäft an Eurowind abgegeben, auch RWE hat sich Anfang 2026 von schwedischen Projekten getrennt. Die großen deutschen Versorger ordnen ihre Auslandsportfolios neu und setzen aufs Inland.
Mit dem schwedischen Verkauf verlässt EnBW den nordischen Markt nun ganz, nachdem der Konzern sein dänisches Wind- und Solargeschäft schon früher im Jahr an denselben Käufer abgegeben hat.
Der Trend reicht über einen einzelnen Konzern hinaus. Beim Offshore-Wind hat EnBW seinen Fokus bereits auf Europa und das Inland verschoben. Das Prinzip bleibt überall gleich: raus aus dem margenschwachen Auslandsgeschäft, rein ins planbare, regulierte Netz- und Erzeugungsgeschäft daheim.
Ökostrom im Ausland zu bauen ist das eine, damit verlässlich Geld zu verdienen das andere. EnBW zieht das Kapital genau dorthin, wo die deutsche Energiewende die nächsten Milliarden ohnehin verschlingt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Verkauf des schwedischen Wind- und Solargeschäfts an Eurowind Energy, 2026
Ein Muster, nicht ein Einzelfall
Was bedeutet der Rückzug für die deutsche Energiewende?
Das Kapital der großen Versorger fließt zunehmend in deutsche Netze und Kraftwerke statt in ausländische Ökostromparks. Für die Energiewende bedeutet das mehr Investitionskraft im Inland, aber weniger deutsches Engagement beim Ausbau in Nachbarmärkten.
Zur Begründung verweist EnBW auf den Umbau des deutschen Energiesystems, in den der Konzern nach eigener Ankündigung Rekordsummen steckt[2]. Netzausbau und flexible Kraftwerke binden dort auf Jahre Kapital.
Für Entscheider im deutschsprachigen Raum lohnt der genaue Blick. Grüne Strommengen aus dem Norden stammen künftig seltener von deutschen Versorgern, was Stromlieferverträge und Herkunftsnachweise verteuern kann. Denselben Weg ins Kerngeschäft geht die Branche auch bei Industriekunden, wo E.ON und Leadec Fabriken ohne Eigenkapital dekarbonisieren.
Für die eigene Beschaffung heißt das konkret: Prüfen Sie bei neuen Ökostromverträgen, wer die Anlagen künftig betreibt, und kalkulieren Sie steigende Preise für nordische Herkunftsnachweise ein.
Quellen
[1] EnBW: Newsroom mit der Mitteilung zum Verkauf des schwedischen Wind- und Solargeschäfts ↩
[2] EnBW: „EnBW Annual General Meeting 2026: Record investment and clear forward strategy for transformation of the energy system“ ↩
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