SMA Solar meldet für das zweite Quartal 2026 ein EBITDA von 64,7 Millionen Euro, nach 15,5 Millionen Euro Verlust im Vorjahresquartal. Der Wechselrichterhersteller hebt deshalb die Jahresprognose kräftig an. Die eigentliche Geschichte steckt in der Zusammensetzung des Sprungs.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Gewinnsprung von SMA Solar kommt nur zum Teil aus dem Solargeschäft. Der wichtigste Rückenwind hat mit Photovoltaik nichts zu tun: Der US-Supreme-Court hat Trumps IEEPA-Zölle gekippt, und die amerikanische Zollbehörde zahlt bereits zurück.
Das Wichtigste in Kürze
- Q2 2026: 64,7 Millionen Euro EBITDA nach 15,5 Millionen Euro Verlust im Vorjahresquartal
- Neue Prognose: 1,625 bis 1,725 Milliarden Euro Umsatz und 180 bis 230 Millionen Euro EBITDA für 2026
- Sondereffekte: zurückerstattete US-Zölle und 21,7 Millionen Euro Wertaufholung auf Vorräte
- Operativ bereinigt wächst der Umsatz um 3 %, das EBITDA um 29 %
Woher kommt der plötzliche Gewinnsprung?

SMA Solar profitiert im zweiten Quartal 2026 von der Rückerstattung der gekippten US-Zölle und einer Wertaufholung von 21,7 Millionen Euro. Operativ bereinigt wächst der Umsatz um 3 % auf 368 Millionen Euro, das EBITDA steigt um 29 % auf 40,9 Millionen Euro.
Der US-Supreme-Court hat die IEEPA-Zölle am 20. Februar 2026 mit sechs zu drei Stimmen für rechtswidrig erklärt[2]. Die Zollbehörde CBP erstattet die Abgaben seit dem Frühjahr über das neue Verfahren CAPE. SMA hat die gezahlten Beträge schon im zweiten Quartal nahezu vollständig zurückerhalten, früher als geplant[1].
Dazu kommt eine Wertaufholung von 21,7 Millionen Euro, weil zuvor abgeschriebene Lagerbestände des Heimsegments wieder werthaltig sind. Rund ein Drittel des ausgewiesenen Quartalsergebnisses stammt damit aus Sondereffekten.
Trägt das Speichergeschäft jetzt den Konzern?
Ja. Das Segment Large Scale & Project Solutions erwirtschaftet mit 44,6 Millionen Euro fast das gesamte Quartals-EBIT. Das Heimsegment Home & Business Solutions erreicht mit 0,5 Millionen Euro wieder eine schwarze Null, nach 83,2 Millionen Euro Verlust im Vorjahresquartal.
Das Geschäft mit Solarparks und Großspeichern liefert 262,1 Millionen Euro Umsatz und trägt den Konzern durch die Krise des Privatkundenmarkts. Die Nachfrage kommt längst nicht mehr nur von Versorgern: Wann sich ein Gewerbespeicher wirklich lohnt, rechnen inzwischen auch Mittelständler durch.
Das Heimsegment leidet dagegen seit Jahren unter dem Preisdruck chinesischer Anbieter wie Huawei und Sungrow. SMA hat darauf mit einem harten Sparprogramm reagiert: zunächst 1.100 Stellen, später weitere 350[3]. Wie unerbittlich dieser Markt geworden ist, zeigt der Heimspeicher-Pionier Senec, dessen Neukundengeschäft EnBW im Juli gestoppt hat.
Ein Drittel des Quartalsgewinns stammt aus Washington, nicht aus Niestetal. Entscheidend ist der Rest: SMA verdient wieder Geld mit Technik, die Europas Stromnetz dringend braucht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das Comeback für den deutschen Solarmarkt?
SMA bleibt der größte europäische Wechselrichterhersteller und damit strategisch wichtig für ein Stromnetz, das immer stärker auf steuerbare Speicher angewiesen ist. Importeure sollten zudem prüfen, ob sie zu Unrecht gezahlte US-Zölle über das CBP-Verfahren CAPE zurückholen können.
Die Photovoltaik hat in Deutschland zuletzt einen Rekordanteil von 9,1 % erreicht. Je mehr Solarstrom ins Netz drängt, desto wichtiger werden Speicher und intelligente Wechselrichter, die Einspeisung drosseln oder zeitlich verschieben. Genau diese Steuerungstechnik ist das Kerngeschäft von SMA.
Die Abhängigkeit hat eine Kehrseite: Wechselrichter sind kritische Infrastruktur. BSI und Verfassungsschutz haben erst im Juni davor gewarnt, dass russische Hacker deutsche Solaranlagen ausspähen. Ein europäischer Hersteller mit schwarzen Zahlen ist deshalb auch sicherheitspolitisch relevant.
Für Unternehmen mit US-Importen lohnt sich der Blick auf die eigene Zollbilanz: Erstattungsanträge für IEEPA-Abgaben laufen über das CAPE-Verfahren der CBP, seit Ende Juni auch für Fälle mit offener Nachmeldung. Betreiber von Gewerbedächern sollten die Speicherfrage 2026 neu durchrechnen, bevor die nächste Runde negativer Mittagspreise ansteht.
Quellen
[1] SMA Solar Technology AG: „SMA veröffentlicht vorläufige Zahlen für das zweite Quartal 2026 und hebt Prognose für das Gesamtjahr 2026 an“ ↩
[2] Germany Trade & Invest: „Update: Supreme Court kippt IEEPA-Zölle“ ↩
[3] SMA Solar Technology AG: „SMA expands restructuring and transformation program“ ↩
Mehr Newshunger?
- Die Heizung als Kraftwerk: Viessmann macht Wärmepumpen und Heimspeicher am Strommarkt vermarktbar
- 68,3 Millionen Euro Halbjahresumsatz: Warum Shelly vom Zwang zum dynamischen Stromtarif profitiert
- Australiens Stromanbieter müssen drei Stunden Gratisstrom am Mittag liefern
- Bidirektionales Laden: BMW und E.ON lassen das E-Auto Strom ins Netz zurückspeisen
- 83 Prozent wollen Smart Meter, Deutschland bleibt EU-Schlusslicht
- 55 statt 70 Gigawatt: EnBW fordert eine Korrektur beim Offshore-Windausbau