Salzgitter trennt sich mit Klöckner DESMA Elastomertechnik von einem profitablen Weltmarktführer für Spritzgießmaschinen und schärft so das Profil des Stahlkonzerns. Hinter dem Verkauf steht eine Strategie, die das Kapital ganz auf den grünen Stahl lenkt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenÜber 500 Beschäftigte wechseln mit dem Maschinenbauer aus Fridingen an der Donau den Eigentümer. Käufer ist die deutsch-französische Industriegruppe NAME & MAWI Partners, die im Vorjahr bereits die Schwestergesellschaft DESMA Schuhmaschinen übernommen hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Salzgitter verkauft Klöckner DESMA Elastomertechnik, einen Hersteller von Spritzgießmaschinen für Gummi und Silikon mit über 500 Beschäftigten, an die deutsch-französische NAME & MAWI Partners. Der Abschluss wird für Herbst 2026 erwartet.
- Über den Preis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Der Schritt läuft unter der Konzernstrategie „Salzgitter AG 2030“ und dem Best-Owner-Prinzip.
- Der Konzern bündelt seine Kräfte auf das Kerngeschäft Stahl, während die grüne Transformation SALCOS allein in der ersten Stufe rund 2,7 Milliarden Euro kostet.
- Für spezialisierte Maschinenbauer aus dem Mittelstand zeigt der Fall, wie Industrieholdings und Finanzinvestoren zu neuen Eigentümern werden.
Ein Weltmarktführer wechselt den Eigentümer

Spritzgießmaschinen für Gummi und Silikon sind das Geschäft von Klöckner DESMA Elastomertechnik, und in dieser Nische zählt das Unternehmen aus Fridingen zu den Weltmarktführern.[1]
Herbst 2026 soll der Verkauf an NAME & MAWI Partners abgeschlossen sein, einen Industrieverbund mit Sitz in Weil der Stadt und Straßburg. Über den Preis schweigen beide Seiten.
Portfolio lautet das Stichwort dahinter. Mit dem Deal vollendet Salzgitter den Rückzug aus der DESMA-Gruppe, nachdem derselbe Käufer schon 2025 die auf Schuhmaschinen spezialisierte Schwester übernommen hatte.
Warum stößt ein Stahlkonzern seinen Maschinenbau ab?
Fokus schlägt Gemischtwarenladen. Salzgitter ordnet unter der Strategie „Salzgitter AG 2030“ jedes Randgeschäft danach, ob der Konzern der beste Eigentümer ist. Für einen Spezialmaschinenbau lautet die Antwort Nein.
Frei werdendes Management und Kapital fließen ins Kerngeschäft Stahl, das gerade den teuersten Umbau seiner Geschichte durchläuft. Allein die erste Stufe des Salzgitter Programms SALCOS am Stammsitz kostet rund 2,7 Milliarden Euro, mehr als eine Milliarde davon tragen Bund und Land Niedersachsen.[2]
Der Weg führt vom Hochofen zur Direktreduktion mit Wasserstoff, die den CO2-Ausstoß um bis zu 95 Prozent senken soll. Parallel baut der Konzern im Duisburger Werk HKM Deutschlands größten Elektrolichtbogenofen.
Ein Stahlkonzern, der nebenbei Spritzgießmaschinen baut, verzettelt sich. Salzgitter verkauft nicht aus Schwäche, sondern damit die Milliarden für den grünen Stahl nicht verstreut werden.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Best-Owner-Prinzip
Salzgitter trennt sich von profitablen Randgeschäften wie DESMA, um Kapital und Führung auf das Kerngeschäft grüner Stahl zu bündeln.
Was der Verkauf für die deutsche Industrie bedeutet
Der Fall steht für ein Muster. Deutsche Industriekonglomerate zerlegen sich unter dem Druck der Transformation in fokussierte Einheiten, so wie Thyssenkrupp den Börsengang seiner Stahlsparte vorbereitet. Zugleich ringt die Branche um Größe, wie Salzgitters eigene geplatzte Übernahme und die Debatte um eine Deutsche Stahl AG zeigten.
Treiber ist die Regulatorik. Der EU-Emissionshandel entzieht der Branche die kostenlosen Zertifikate, und der CO2-Grenzausgleich CBAM verteuert schmutzigen Importstahl, weshalb am Ende der Strompreis über die Wettbewerbsfähigkeit entscheidet. Vom Umbau profitieren auch Recycler wie Befesa.
Für spezialisierte Maschinenbauer aus dem Mittelstand verschiebt sich damit die Eigentümerfrage, denn Industrieholdings und Finanzinvestoren treten an die Stelle der Konzernmütter. Zulieferer, die an einem solchen Randgeschäft hängen, prüfen jetzt am besten Lieferverträge und Standortzusagen des neuen Eigentümers.
Für Beobachter der deutschen Industrie ist der DESMA-Verkauf mehr als eine Randnotiz, denn er zeigt, wie konsequent Salzgitter alles dem grünen Stahl unterordnet. Anleger und Lieferanten sollten die nächsten Portfolioschritte des Konzerns im Blick behalten, weitere Randgeschäfte dürften folgen.
FAQ: Salzgitter verkauft DESMA und konzentriert sich auf den grünen Stahl
Was verkauft Salzgitter an NAME & MAWI Partners?
Salzgitter verkauft Klöckner DESMA Elastomertechnik, einen Weltmarktführer für Spritzgießmaschinen für Gummi und Silikon mit über 500 Beschäftigten am Standort Fridingen. Käufer ist die deutsch-französische Industriegruppe NAME & MAWI Partners, der Abschluss wird für Herbst 2026 erwartet.
Wie viel Umsatz oder Kaufpreis nennt Salzgitter?
Über den Kaufpreis vereinbarten Salzgitter und NAME & MAWI Partners Stillschweigen. Der Konzern nennt keine Zahl, betont aber, dass der Verkauf Teil des aktiven Portfoliomanagements unter der Strategie „Salzgitter AG 2030“ ist.
Was bedeutet das Best-Owner-Prinzip bei Salzgitter?
Das Best-Owner-Prinzip prüft für jedes Geschäft, ob Salzgitter der beste Eigentümer ist oder ob ein anderer Halter bessere Perspektiven bietet. Randgeschäfte wie der Spezialmaschinenbau DESMA fallen dabei heraus, damit Kapital und Führung dem Kerngeschäft Stahl zufließen.
Was ist das SALCOS-Programm von Salzgitter?
SALCOS ist Salzgitters Programm für nahezu CO2-freien Stahl. Statt des Hochofens kommen Direktreduktion mit Wasserstoff und ein Elektrolichtbogenofen zum Einsatz. Die erste Stufe soll 2027 anlaufen und den CO2-Ausstoß um bis zu 95 Prozent senken.
Wie teuer ist Salzgitters Umstieg auf grünen Stahl?
Allein die erste Ausbaustufe von SALCOS kostet rund 2,7 Milliarden Euro. Mehr als eine Milliarde Euro davon tragen der Bund und das Land Niedersachsen als Förderung, den Rest finanziert der Konzern selbst.
Quellen
[1] Salzgitter AG: „Salzgitter AG verkauft Klöckner DESMA Elastomertechnik GmbH an NAME & MAWI Partners S.A.S.“
[2] Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz: „Bund und Land erhöhen Förderung für SALCOS-Ausbaustufe 1 auf 1,322 Milliarden Euro“
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