ChargePoint streicht binnen fünf Monaten zum zweiten Mal rund zehn Prozent der Belegschaft. Beim kalifornischen Ladenetz-Anbieter standen Ende April 83,3 Millionen Euro in der Kasse, im selben Quartal fiel ein Verlust von 37,6 Millionen Euro an. Der Fall erklärt, warum Ladepunkte in Deutschland nach anderen Regeln entstehen als in den USA.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenChargePoint beschloss am 28. Juli 2026 die zweite Reorganisation seit März, erneut mit rund zehn Prozent weniger Stellen weltweit. Rund 5,2 Millionen Euro kostet der Umbau, vor allem für Abfindungen, Sozialleistungen und Standorte; abgeschlossen sein soll er im dritten Geschäftsquartal.[1] Am selben Tag schied Vertriebsvorstand John Vice aus seiner Rolle aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Zweite Runde: rund zehn Prozent der Stellen weltweit, nach ebenfalls zehn Prozent im März 2026.
- Kosten: rund 5,2 Millionen Euro für Abfindungen und Standorte, Abschluss im dritten Geschäftsquartal.
- Lage: 88,6 Millionen Euro Umsatz im Quartal bis Ende April, ein Plus von 4 Prozent, dazu 37,6 Millionen Euro Verlust.
- Ausblick: Die Umsatzprognose von 87 bis 96 Millionen Euro für das laufende Quartal bleibt bestehen.
Warum kürzt ChargePoint schon wieder zehn Prozent?

Der Kassenbestand von 83,3 Millionen Euro steht einem bereinigten Quartalsverlust von 16,7 Millionen Euro gegenüber, rechnerisch gut fünf Quartale Puffer. Der Umsatz im Quartal bis zum 30. April 2026 stieg auf 88,6 Millionen Euro, ein Plus von vier Prozent.[2] Umgerechnet zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar am 3. August 2026.
Unter dem Strich blieb ein Verlust von 37,6 Millionen Euro, in dem allein 6,4 Millionen Euro Abfindungen aus der März-Runde stecken. Vier Prozent Wachstum finanzieren keine Kostenbasis, die für ein Vielfaches davon gebaut wurde. Der Sparkurs folgt der eigenen Kasse, nicht dem E-Auto-Absatz, der in Deutschland im Juni um 78 Prozent zulegte.
Woran hängt das Geschäft des Ladenetz-Anbieters?
ChargePoint betreibt die Ladepunkte nicht selbst, sondern verkauft Hardware und ein Software-Abonnement an die Standortbetreiber. Auf die Ladegeräte entfielen im Quartal 46,4 Millionen Euro, ein Plus von zwei Prozent. Das Abogeschäft kam auf 35,5 Millionen Euro und wuchs um sieben Prozent.[2] Über die Hälfte des Umsatzes hängt damit an einer Investitionsentscheidung, die in den USA jeder Supermarkt oder Flottenbetreiber freiwillig trifft.
Genau dieses Modell erklärt die Serie der Sparrunden seit 2023. Im Flottengeschäft sucht der Anbieter deshalb den Weg über Fahrzeughersteller, in Deutschland seit Juli gemeinsam mit Mercedes-Benz für das Laden am Betriebshof. Dass Firmenflotten kein Selbstläufer sind, zeigte zuletzt die Schwarz-Gruppe mit dem Aus für ihre E-Dienstwagen.
Geschäftsquartal bis 30. April 2026 und die Sparrunde vom 28. Juli 2026
Woher der Umsatz kommt
ChargePoint verkauft Ladetechnik an Betreiber, die in den USA frei entscheiden, ob sie überhaupt bauen. In Deutschland schreibt das Gesetz diese Entscheidung vor, und genau deshalb wächst das Ladenetz hier auch bei zwölf Prozent Auslastung weiter.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Sparkurs für den deutschen Lademarkt?
In Deutschland entscheidet nicht der gute Wille des Standortbetreibers über neue Ladepunkte, sondern die Vorschrift. Die EU-Verordnung AFIR verlangt entlang des TEN-T-Kernnetzes alle 60 Kilometer einen Ladepark. Für Bestandsgebäude schreibt die GEIG-Novelle 1,1 Kilowatt je Stellplatz vor. Ende Juli 2026 zählte der BDEW 204.078 öffentliche Ladepunkte im Register der Bundesnetzagentur, rund 26 Prozent davon Schnelllader und 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.[3]
Die durchschnittliche Auslastung liegt bei rund zwölf Prozent, der Ausbau läuft der Nachfrage also voraus. Für Betreiber zählt deshalb weniger die Zahl der Säulen als die Leistung, wie der Sprung über 200.000 Ladepunkte und der 480-Kilowatt-Ladepark von EnBW zeigen. Im Schnellladen führt EnBW mit gut 27 Prozent aller Ladevorgänge.
Flottenbetreiber, die ihr Depotladen auf einen US-Anbieter stützen, prüfen jetzt zwei Punkte: die Laufzeit des Software-Abonnements samt Kündigungsrechten und die zugesagte Ersatzteilversorgung. Den Vergleich der Kosten je Kilowattstunde liefern die aktuellen Ladetarife 2026.
Quellen
[1] ChargePoint Holdings: Current Report on Form 8-K vom 31. Juli 2026
[2] ChargePoint: „ChargePoint Reports First Quarter Fiscal Year 2027 Financial Results“
[3] BDEW: „204.078 öffentliche Ladepunkte stehen zur Verfügung“
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