Die Schwarz-Gruppe nimmt Elektroautos aus der Dienstwagenliste ihrer deutschen Beschäftigten. Im selben Monat bekräftigt der Mutterkonzern von Lidl und Kaufland seine Klimaziele. Beides passt zusammen, und darin liegt die eigentliche Nachricht für Fuhrparkverantwortliche.

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Der E-Dienstwagen ist in Deutschland vor allem ein Steuerprodukt: 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerter Vorteil statt 1 Prozent beim Verbrenner. Genau dieses Angebot hat die Schwarz-Gruppe für ihre deutschen Dienstwagenberechtigten gestrichen, wie die Lebensmittel Zeitung am 23. Juli berichtet hat. Bestellbar bleiben nur noch Verbrenner, alternativ verzichten Beschäftigte ganz auf den Dienstwagen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dienstwagenberechtigte der Schwarz-Gruppe können im Inland laut Lebensmittel Zeitung keine Elektroautos mehr bestellen.
  • Die Klimaziele des Konzerns bleiben unverändert: 48 Prozent weniger betriebseigene Emissionen bis 2030, aktuell 44,1 Prozent erreicht.
  • Rund 98 Prozent der Konzernemissionen entstehen in der Lieferkette, nicht im eigenen Betrieb.
  • SAP geht seit dem 1. Januar 2026 den umgekehrten Weg und bietet ausschließlich Elektroautos an.

Warum widerspricht der Rückzug dem Klimaziel nicht?

Ein Ladekabel mit „Ausgelistet“-Anhänger und ein Schlüssel auf weißem Grund
Schwarz Gruppe: 98 Prozent der Emissionen entstehen in der Lieferkette, nur 2 Prozent im eigenen Betrieb einschließlich Dienstwagenflotte

Die Dienstwagenflotte taucht in der Konzernbilanz kaum auf. Rund 98 Prozent der Emissionen der Schwarz Gruppe entstehen in der Lieferkette, nicht im eigenen Betrieb.[1]

Bilanzarchitektur. Der siebte Nachhaltigkeitsbericht, vorgestellt am 22. Juli, weist die betriebseigenen Emissionen aus Scope 1 und 2 mit 44,1 Prozent unter dem Basisjahr 2019 aus. Das Ziel für 2030 liegt bei 48 Prozent, das Net-Zero-Ziel für 2050 ist wissenschaftlich validiert.[1]

Kein Zielkonflikt. Ein paar tausend Fahrzeuge fallen in dieser Rechnung kaum ins Gewicht. Der Konzern kann seine Klimaziele deshalb unverändert lassen und die Flottenpolitik trotzdem drehen, ohne sich zu widersprechen.

Was hat sich seit 2024 gedreht?

Kehrtwende. Im Februar 2024 hat ein Konzernsprecher gegenüber der Heilbronner Stimme noch erklärt, vollelektrische Fahrzeuge seien ein wichtiger Bestandteil der Dienstwagenflotte und eine Reduktion des E-Anteils sei nicht geplant. Damals haben Sixt, Hertz und SAP ihre Elektroflotten bereits zurückgefahren, unter anderem wegen Restwerten und Reparaturkosten.

Gegenläufige Signale. Ausgerechnet SAP hat den Kurs inzwischen komplett gedreht und bietet seinen rund 19.000 Dienstwagenfahrern in Deutschland seit dem 1. Januar 2026 nur noch Elektroautos an. Tesla ist dort von der Liste geflogen, das Restwertrisiko ist also geblieben, die Antwort darauf fällt nur umgekehrt aus.

Muster. Porsche hat seine Elektro-Offensive gebremst, während VW mit 70.000 Bestellungen für den ID. Polo das Gegenteil erlebt. Der gemeinsame Nenner ist nicht die Klimastrategie, sondern die Kalkulation.

Die Flottenpolitik eines Konzerns sagt mehr über Restwerte und Ladepunkte aus als über seine Klimaziele. Solange 98 Prozent der Emissionen in der Lieferkette liegen, bleibt der Dienstwagen ein Kostenthema.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
E-Dienstwagen gestrichen, Klimaziel unverändert
Warum die Fuhrparkentscheidung der Schwarz-Gruppe die CO2-Bilanz des Konzerns kaum berührt. Stand: 24. Juli 2026.

Vier Zahlen zur Einordnung

98 %
der Emissionen liegen in der Lieferkette
Der eigene Betrieb und damit auch die Dienstwagenflotte machen den Rest aus.
44,1 %
Reduktion in Scope 1 und 2
Gegenüber dem Basisjahr 2019. Das Ziel für 2030 liegt bei 48 Prozent.
63,4 %
gewerbliche Neuzulassungen
Anteil gewerblicher Halter an allen Pkw-Neuzulassungen im Juni 2026.
28,4 %
BEV-Anteil im Juni 2026
84.057 neu zugelassene Elektroautos, ein Plus von 78,2 Prozent zum Vorjahr.

Zwei Konzerne, zwei Richtungen

Schwarz-Gruppe

Juli 2026

Elektroautos sind laut Lebensmittel Zeitung im Inland nicht mehr bestellbar. Im Februar 2024 hatte der Konzern eine Reduktion des E-Anteils noch ausdrücklich verneint.

SAP

seit 1. Januar 2026

Rund 19.000 Dienstwagenfahrer in Deutschland bekommen ausschließlich Elektroautos angeboten. Tesla ist wegen der Restwerte von der Modellliste gestrichen worden.

Was der Wegfall steuerlich bedeutet

0,25 %
geldwerter Vorteil beim Elektroauto, bis 100.000 Euro Bruttolistenpreis (seit 1. Juli 2025)
1,0 %
geldwerter Vorteil beim Verbrenner, ohne Preisgrenze

Was sollten Fuhrparkverantwortliche jetzt nachrechnen?

Gewerbliche Halter entscheiden über den deutschen Elektromarkt, nicht Privatkäufer. Im Juni 2026 sind 63,4 Prozent aller Neuzulassungen auf gewerbliche Halter entfallen, bei einem BEV-Anteil von 28,4 Prozent.[2]

Steuervorteil. Die Viertelregelung gilt seit dem 1. Juli 2025 bis zu einem Bruttolistenpreis von 100.000 Euro, vorher lag die Grenze bei 70.000 Euro. Fällt das Elektroangebot weg, verliert die Belegschaft einen Nettovorteil, den kein Verbrenner ersetzt.

Ladepunkt vor Fahrzeug. Der eigentliche Engpass sitzt selten im Auto. Mercedes-Benz und ChargePoint haben das Laden am Betriebshof deshalb zum eigenen Produkt gemacht, und EnBW steckt beim Schnellladeausbau bewusst zurück. Prüfen Sie zuerst Wallbox und Netzanschluss, danach die Fahrzeugliste.

Restwert rechnen. Wie stark der Wertverlust beim Elektroauto die Leasingrate treibt, lässt sich pro Modell beziffern, und die Ladekosten lassen sich über die aktuellen Ladetarife gegenrechnen.

Trennen Sie die beiden Fragen sauber: Die Dienstwagenliste ist eine Kostenentscheidung, die auf die Belegschaft durchschlägt, die CO2-Bilanz dagegen eine Frage der Lieferkette. Vermischen Sie beides, begründen Sie eine Fuhrparkentscheidung mit Argumenten, die sie gar nicht tragen.

Quellen

[1] Schwarz Gruppe: Nachhaltigkeitsbericht Geschäftsjahr 2025

[2] Kraftfahrt-Bundesamt: Fahrzeugzulassungen im Juni 2026, Halbjahresbilanz

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