Porsche verkauft deutlich weniger Autos, ausgerechnet im einst wichtigsten Wachstumsmarkt China. Vorstandschef Michael Leiters zieht daraus einen radikalen Schluss: weniger Elektro-Ambition, mehr Verbrenner und Hybrid. Für die deutsche E-Auto-Wende ist das ein Signal, das über Zuffenhausen hinausreicht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenPorsche hat im ersten Halbjahr 2026 nur noch 122.306 Fahrzeuge ausgeliefert, 16 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.[1] Hinter dem Rückgang steckt keine kurzfristige Delle, sondern der Auslöser für einen Strategiewechsel, den Konzernchef Michael Leiters gerade vollzieht. Das E-Auto-ambitionierteste deutsche Premiumlabel ordnet seine Antriebsstrategie neu.
Das Wichtigste in Kürze
- 122.306 Auslieferungen im ersten Halbjahr bedeuten ein Minus von 16 Prozent; in China ist der Absatz um 32 Prozent eingebrochen.[1]
- Der elektrische Macan und der auslaufende Verbrenner-718 fehlen, während der Elfer mit Verbrenner und Hybrid um 19 Prozent zulegt.[1]
- CEO Michael Leiters kappt das alte 20-Prozent-Renditeziel und peilt für 2026 nur noch 5,5 bis 7,5 Prozent an.[2]
- Ein rein elektrischer 911 ist vom Tisch; Hybrid gilt jetzt als Dauerlösung, nicht als Brücke.[2]
Warum bricht der Absatz gerade jetzt ein?

Der China-Einbruch trifft Porsche im Kern. Nur 14.501 Fahrzeuge hat der Konzern dort ausgeliefert, ein Drittel weniger als im Vorjahr.[1] Der einstige Wachstumsmotor ist zum Sorgenkind geworden, weil heimische Marken das Premiumsegment besetzen und Porsche bewusst auf Wert statt Menge setzt.
Der eigentliche Treiber liegt aber im Antrieb. Der elektrische Macan hat im Vorjahr für einen Nachfrageschub gesorgt, der sich nun normalisiert; parallel ist der Verbrenner-718 ausgelaufen, und in den USA sind die Steuervorteile für Stromer und Hybride weggefallen.[1] Ausgerechnet die Elektromodelle reißen also die Lücke.
Der Elfer wächst dagegen: 30.534 verkaufte 911 bedeuten ein Plus von 19 Prozent, der Cayenne bleibt mit 38.141 Einheiten die gefragteste Baureihe.[1] Wo Porsche Verbrenner und Hybrid anbietet, kaufen die Kunden weiter.
Was ändert Michael Leiters an der Strategie?
Mit der Strategie 2035 hat Leiters die Prioritäten neu gesetzt. Porsche investiert weiter in alle drei Antriebsarten, rückt aber Verbrenner und Hybrid nach vorn und streicht Varianten aus dem Portfolio.[2] Einen rein elektrischen 911 wird es nicht geben; der Performance-Hybrid gilt dort als tragender Baustein, nicht als Übergangstechnik.[2]
Die Renditewende ist der härteste Bruch. Das frühere Ziel von 20 Prozent Umsatzrendite, intern „Road to Twenty“ genannt, ist Geschichte. Für 2026 nennt Porsche nur noch 5,5 bis 7,5 Prozent und einen Umsatz von 35 bis 36 Milliarden Euro.[2]
Porsche ist nicht das erste Haus, das die E-Auto-Wende streckt, aber das prominenteste. Sobald selbst Zuffenhausen zurückrudert, war die 2035-Linie für die Branche nie mehr als eine Wunschmarke.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Auch beim Personal wird es eng. Porsche kündigt einen sozialverträglichen Stellenabbau an, ohne Zahl zu nennen; Berichten zufolge stehen bis zu 5.000 weitere Stellen zur Disposition. Die vollständige Strategie legt Leiters am 7. Oktober auf dem Kapitalmarkttag vor.[2]
Was bedeutet die Kehrtwende für den Markt?
Porsche steht damit nicht allein. Volkswagen hat seinen Zukunftsplan gestrafft und die Modellpalette gekappt, Mercedes hat den Elektro-CLA in China gestoppt, und die dortige Luxussteuer drückt zusätzlich auf die deutschen Premiumhersteller. Das Muster ist überall gleich: Die Nachfrage nach teuren Stromern bleibt hinter den eigenen Planzahlen zurück.
Für Flottenentscheider heißt das zweierlei. Beim Leasing oder Kauf von Elektro-Premiummodellen sollten Sie den Restwert kritisch prüfen, denn nachlassende Nachfrage drückt die Wiederverkaufspreise. Zugleich bleibt der Verbrenner in der Oberklasse länger verfügbar, als die 2035-Debatte vermuten lässt.
Politisch wächst der Druck auf 2035. Porsche und VW werben für eine Öffnung des EU-Verbrenner-Aus über E-Fuels und Hybride, und die heutige Absatzlage liefert ihnen Argumente. Für Zulieferer, die stark in E-Antriebe investiert haben, verschiebt sich der erhoffte Umschwung damit erneut nach hinten.
Quellen
[1] Porsche Newsroom: „Porsche liefert im ersten Halbjahr 122.306 Sportwagen aus“ ↩
[2] Porsche Newsroom: „Porsche AG gibt Einblick in die drei Säulen der Strategie 2035“ ↩
Mehr Newshunger?
- Weniger Autos, mehr Gewinn: Teslas Werk Grünheide trotzt der Europa-Krise
- Audi holt den A2 zurück: Bis zu 649 Kilometer für den elektrischen Einstieg
- 627 Autos in sechs Monaten: Warum die China-Formel beim Elektro-CLA nicht mehr greift
- Weniger als 5 Prozent betroffen, 32 Prozent Absatz verloren: Chinas Luxussteuer ein Jahr später
- Chinesisches E-Auto kaufen: Muss man ein schlechtes Gewissen haben?
- 75 statt 50 Prozent: Der härtere Schnitt in VWs Zukunftsplan trifft die Ausstattungsliste