DuckDB wird nach Angaben der beiden Gründer täglich mehr als eine Million Mal heruntergeladen.[1] Ab Anfang September 2026 steht das Team hinter dieser Analysedatenbank auf der Gehaltsliste von Amazon Web Services.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Ankündigung vom 26. August 2026 trägt das Versprechen schon in der Überschrift: Die Projekte blieben quelloffen. Tragfähig ist dieses Versprechen allerdings nur wegen einer Eigentumskonstruktion, die AWS gar nicht mitgekauft hat.
Das Wichtigste in Kürze
- AWS übernimmt DuckLabs mit mehr als 30 Beschäftigten in Amsterdam. Das Unternehmen entstand 2021 als Ausgründung des Forschungsinstituts CWI und blieb bis zuletzt ohne Wagniskapital.
- Der Code wechselt nicht den Besitzer. Sämtliche Rechte und Marken an DuckDB, DuckLake und Quack liegen bei der Stichting DuckDB Foundation, die MIT-Lizenz gilt unwiderruflich.
- Der Präzedenzfall stammt aus dem Suchmaschinen-Streit: AWS forkte 2021 Elasticsearch zu OpenSearch und übergab das Projekt im September 2024 nach über 700 Millionen Downloads an die Linux Foundation.
- Die Stiftung bekommt einen technischen Beirat. Zusätzlich soll sich der Erweiterungs-Stack für signierte Extensions anderer Anbieter öffnen.
Was genau hat AWS gekauft?

Nicht den Code. Mark Raasveldt und Hannes Mühleisen entwickelten DuckDB ab 2018 am Centrum Wiskunde & Informatica in Amsterdam, jenem Institut, an dem Guido van Rossum Ende der Achtzigerjahre auch Python begann. 2021 gründeten sie DuckLabs aus. Die Rechte wanderten dabei nicht in die Firma, sondern in eine eigene Stiftung.
Die Stichting DuckDB Foundation hält heute das gesamte geistige Eigentum und die Marken an DuckDB, DuckLake und Quack. Im Vorstand sitzen drei Datenbankforscher, finanziert wird die Entwicklung über Mitgliedsbeiträge ab 10.000 Euro im Jahr.[2] Verkauft wurde also die Betriebsgesellschaft samt Team, Verträgen und Dienstleistungsgeschäft.
Peter Boncz, Vertreter des CWI im Stiftungsvorstand, zieht die Trennlinie selbst: „Als DuckLabs aus dem CWI ausgegründet wurde, haben wir diese Stiftung geschaffen, die das gesamte geistige Eigentum des quelloffenen DuckDB hält und dies auch weiterhin tun wird.“[1]
Warum kaufen Hyperscaler jetzt die Datenschicht?
Die Auswertung rutscht neben die Daten. Andy Warfield, Distinguished Engineer und Vice President bei AWS, begründet den Schritt mit der eigenen Kundschaft: „DuckDB ist ein unglaubliches Open-Source-Projekt mit einer großartigen Community; es wird breit genutzt und von S3-Kunden heute sehr geschätzt.“[1] Genau dort liegt der Hebel. DuckDB liest Parquet-Dateien direkt aus dem Objektspeicher, ohne dass ein Rechencluster dazwischensteht.
Für KI-Pipelines zählt dieselbe Eigenschaft doppelt, weil dort viele kleine Auswertungen dicht an den Rohdaten anfallen. Dasselbe Muster zeigte zuletzt die Übernahme von Electric durch Databricks, nach der jeder KI-Agent seine eigene Postgres-Datenbank bekommt. Welche Bausteine im offenen KI-Stack dabei noch fehlen, hat kürzlich eine Landkarte des Projekts AI Potluck sortiert.
Was lehrt der Fall OpenSearch?
Der Präzedenzfall spricht für AWS. Elastic stellte Elasticsearch 2021 von der Apache-Lizenz auf die Server Side Public License um. AWS zog daraufhin einen Fork unter Apache 2.0 und nannte ihn OpenSearch. Im September 2024 übergab der Konzern das Projekt an die Linux Foundation, die dafür die OpenSearch Software Foundation gründete. Bis dahin zählte OpenSearch über 700 Millionen Downloads und mehr als 200 Maintainer.[3]
Der aktuelle Fall liegt jedoch spiegelverkehrt. Bei Elasticsearch verteidigte AWS eine offene Lizenz gegen den Hersteller. Bei DuckDB sitzt der Konzern künftig selbst am Steuer der Entwicklung, ohne die Rechte zu besitzen. Wie zäh ein Projekt seine Unabhängigkeit hält, sobald ein Großanbieter die Richtung vorgibt, zeigt der lange Weg von LoongArch zur vierten offiziellen Architektur in PostgreSQL.
Jordan Tigani, Chef des Wettbewerbers MotherDuck, begrüßt den Verkauf öffentlich: „Dass Amazon sein Gewicht hinter DuckDB stellt, bringt enorm viel Schwung und stärkt das Ökosystem.“[1] Sein Unternehmen sammelte 2023 in einer Serie-B-Runde umgerechnet rund 46 Millionen Euro ein und kam damit auf etwa 87 Millionen Euro Gesamtfinanzierung.[4] Die Entwickler seiner Kern-Engine arbeiten künftig beim Konkurrenten.
Über die Unabhängigkeit eines Projekts entscheidet nicht die Lizenz, sondern die Gehaltsliste der Maintainer. Bei DuckDB steht darauf ab September Amazon.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was sollten Unternehmen im DACH-Raum jetzt prüfen?
Die MIT-Lizenz ist die eigentliche Versicherung. Ein Fork bleibt jederzeit erlaubt, weil die Stiftung die Lizenz unwiderruflich vergeben hat.[2] Praktisch schützt das nur, solange genug Entwickler außerhalb von AWS den Code beherrschen. Der angekündigte technische Beirat der Stiftung wird deshalb zur eigentlichen Nachricht: Seine Besetzung zeigt, ob die Entwicklergemeinde mitentscheidet oder nur zuhört.
Der Rechtsrahmen hilft beim Wechsel, nicht gegen die Bindung. Nach Artikel 29 der EU-Datenverordnung dürfen Anbieter von Datenverarbeitungsdiensten ab dem 12. Januar 2027 keine Wechselentgelte mehr verlangen. Artikel 30 verpflichtet Infrastrukturanbieter zusätzlich zu funktionaler Gleichwertigkeit nach dem Wechsel.[5] Vertragliche Barrieren fallen damit. Die technische Bindung an proprietäre Dienste rund um eine offene Engine räumt das Gesetz dagegen nicht ab.
Diese Lücke kennt der Souveränitätsdiskurs bereits, etwa aus dem Versprechen von AWS und SAP, digitale Souveränität mit amerikanischer Cloud-Infrastruktur zu liefern. Auch Schwarz Digits betreibt seine souveräne Cloud mit CrowdStrike und Zscaler. Einen sortierten Überblick über die Alternativen liefert der Vergleich der deutschen Hyperscaler StackIT, IONOS und Open Telekom Cloud.
Zwei Prüfschritte genügen für den Anfang. Notieren Sie, welche DuckDB-Erweiterungen Ihr Datenstack nutzt und ob diese aus dem quelloffenen Kern oder aus einem AWS-Dienst stammen. Beobachten Sie außerdem die Beitragsstatistik des GitHub-Repositorys: Ein Abflauen der Commits von Entwicklern außerhalb von AWS wäre das erste belastbare Warnsignal.
FAQ: DuckLabs, DuckDB und die Übernahme durch AWS
Hat AWS DuckDB gekauft?
Nein. AWS übernimmt DuckLabs, das Unternehmen hinter der Datenbank. Die Rechte am quelloffenen Code und die Marken liegen bei der Stichting DuckDB Foundation in Amsterdam und wechseln nicht den Besitzer. Die Stiftung veröffentlicht DuckDB, DuckLake und Quack unwiderruflich unter der MIT-Lizenz.
Bleibt DuckDB kostenlos?
Ja. Die MIT-Lizenz erlaubt Nutzung, Veränderung und Weitergabe ohne Gebühr, auch kommerziell. Die Stiftung hat sie unwiderruflich vergeben, eine nachträgliche Verschärfung für bestehende Versionen ist damit ausgeschlossen. Kostenpflichtig wären allenfalls künftige AWS-Dienste rund um die Engine.
Was ist die DuckDB Foundation?
Die Stichting DuckDB Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung nach niederländischem Recht mit Sitz in Amsterdam. Die Stiftung hält das geistige Eigentum und die Marken der Duck-Stack-Projekte, finanziert wird die Entwicklung über Mitgliedsbeiträge ab 10.000 Euro im Jahr. Im Vorstand sitzen drei Datenbankforscher.
Wofür wird DuckDB eingesetzt?
DuckDB ist eine analytische Datenbank, die ohne eigenen Server direkt im Prozess der Anwendung läuft. Typische Einsätze sind Auswertungen auf Parquet- und CSV-Dateien, Datenaufbereitung in Analyse- und KI-Pipelines sowie lokale Abfragen auf Objektspeichern. Die Projekte DuckLake und Quack ergänzen sie um Tabellenformat und Werkzeuge.
Was passiert mit MotherDuck?
MotherDuck betreibt eine kommerzielle Analyseplattform auf Basis von DuckDB und bleibt ein eigenständiges Unternehmen. Geschäftsführer Jordan Tigani hat die Übernahme öffentlich begrüßt. Die Wettbewerbslage verschiebt sich dennoch, weil die Entwickler der gemeinsamen Engine künftig bei AWS beschäftigt sind.
Quellen
[1] DuckLabs, Mark Raasveldt und Hannes Mühleisen: „DuckLabs to Join AWS, Projects to Remain Open Source“ (26. August 2026)
[2] Stichting DuckDB Foundation: Eigentum, MIT-Lizenz, Vorstand und Mitgliedsbeiträge
[3] The Linux Foundation: „Linux Foundation Announces OpenSearch Software Foundation“ (16. September 2024)
[4] MotherDuck: „MotherDuck Raises 52,5 Million Series B Funding as DuckDB Adoption Soars“
[5] Europäische Union: Verordnung (EU) 2023/2854 (Datenverordnung), Artikel 29 und 30
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