Databricks hat am 11. August 2026 das Startup Electric übernommen. Dessen Datenbank PGlite kommt ohne eigenen Server aus und läuft als WebAssembly-Modul direkt in der Sandbox eines Agenten. Die wöchentlichen Downloads stiegen binnen zwölf Monaten von einer Million auf 13 Millionen.[1]
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEine Datenbank für KI-Agenten sitzt künftig im selben Prozess wie der Agent selbst. Zehn Coding-Agenten, die gleichzeitig an einem Projekt arbeiten, sperren sich bislang dieselben Tabellen. Der Zukauf zielt genau auf diesen Engpass.
Das Wichtigste in Kürze
- Databricks übernimmt Electric, den Entwickler der WebAssembly-Datenbank PGlite und der Abgleich-Engine Electric Sync. Den Kaufpreis nennt keine der beiden Seiten.
- PGlite läuft im Browser-Tab, in einer App und in der Agenten-Sandbox, ohne getrennten Datenbankserver.
- Das Team wechselt zu Neon, der Postgres-Einheit von Databricks, die im Mai 2025 für rund 870 Millionen Euro dazukam.
- PGlite und Electric Sync stehen unter Apache 2.0. Eine Lizenzänderung kündigt Databricks nicht an.
Was kauft Databricks mit Electric?

Im Kern steht PGlite, eine nach WebAssembly übersetzte Postgres-Variante, die im Browser-Tab, in einer App oder in einer Agenten-Sandbox läuft. Dazu kommt Electric Sync für den Abgleich zwischen lokaler Kopie und zentraler Datenbank, ergänzt um die Laufzeitumgebung Electric Agents für Sitzungen, die über mehrere Geräte hinweg weiterlaufen.[1]
Databricks ordnet den Zukauf der eigenen Lakebase-Plattform zu. Die Vorarbeit dazu kam von Neon-Mitgründer Stas Kelvich, dessen erste WASM-Portierung von Postgres die Grundlage für PGlite legte. Auf GitHub kommt PGlite inzwischen auf gut 15.700 Sterne, die Abgleich-Engine auf über 10.300.
Warum braucht jeder KI-Agent eine eigene Datenbank?
Parallele Agenten und eine gemeinsame Datenbank passen schlecht zusammen. Zehn Läufe, die gleichzeitig auf dieselben Tabellen schreiben, warten auf Sperren, und ein fehlerhafter Agent verändert dabei Produktivdaten. PGlite kehrt die Richtung um: Die Datenbank wandert in die Sandbox, jeder Lauf erhält eine eigene Kopie im Arbeitsspeicher, und der Netzwerkweg zum Datenbankserver entfällt.
Electric Sync spielt Änderungen aus jeder lokalen Kopie anschließend in die zentrale Postgres-Instanz zurück, nach demselben Prinzip, das Google Docs, Figma und Notion für gleichzeitiges Arbeiten nutzen.[1] Möglich macht das die Übersetzung nach WebAssembly: Postgres arbeitet sonst als eigener Serverprozess, als WASM-Modul dagegen als Bibliothek im Anwendungsprozess.
Vier von fünf Datenbanken bei Neon legt inzwischen ein Agent an, kein Mensch. Datenbank-Infrastruktur richtet sich damit erstmals an einen Kunden, der nicht tippt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Lizenzstand: PGlite und Electric Sync stehen weiterhin unter Apache 2.0. Eine Änderung kündigt Databricks nicht an.
Was bedeutet der Zukauf für europäische Entwicklerteams?
Databricks kauft die Postgres-Landschaft zusammen. Electric ist der siebte Zukauf binnen zwölf Monaten, nach Tecton, Mooncake Labs, Quotient AI, SiftD.ai, Antimatter und Panther. Den größten Posten bildet weiterhin Neon mit rund 870 Millionen Euro im Mai 2025, umgerechnet aus etwa einer Milliarde US-Dollar zum Kurs von 0,87.[2]
Für Anwender hängt viel an der Lizenz. PGlite und Electric Sync stehen heute unter Apache 2.0, und eine Änderung kündigt Databricks nicht an. Gegenbeispiele finden sich allerdings genug: HashiCorp stellte Terraform 2023 auf die Business Source License um, Redis wechselte 2024 auf ein restriktives Modell, und beide Male entstand kurz darauf ein Fork unter dem Dach der Linux Foundation.
Der Data Act gilt seit dem 12. September 2025 in der gesamten EU. Artikel 29 der Verordnung (EU) 2023/2854 verpflichtet Anbieter von Datenverarbeitungsdiensten, ihre Wechselentgelte bis zum 12. Januar 2027 abzuschaffen.[3] Drei Schritte lohnen deshalb jetzt:
- Den Lizenzstand der eingesetzten Pakete dokumentieren und die produktiv genutzten Versionen festschreiben.
- Prüfen, ob Agenten-Sandboxen Produktivdaten kopieren, und den Vorgang als Auftragsverarbeitung nach Artikel 28 DSGVO abbilden.
- Die Wechselklauseln im Cloud-Vertrag gegen Artikel 29 des Data Act halten.
Im Alltag ändert sich zunächst wenig, weil beide Projekte frei verfügbar bleiben. Teams, die Agenten produktiv einsetzen, sollten die Versionsstände einfrieren und den Lizenztext im Repository ablegen. Wie viel die Daten-Plattform inzwischen wert ist, zeigt der Blick auf das Geschäftsmodell von Databricks.
Quellen
[1] Databricks: „Electric Joins Databricks to Bring WASM Postgres to AI Agent Sandboxes“
[2] Databricks: „Databricks Agrees to Acquire Neon to Deliver Serverless Postgres for Developers and AI Agents“
[3] Amtsblatt der EU: Verordnung (EU) 2023/2854 (Data Act), Artikel 29
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