LoongArch, die hauseigene Prozessor-Architektur des chinesischen Herstellers Loongson, steht seit dem 22. Juli 2026 im offiziellen Paket-Repository von PostgreSQL. Damit rückt die Architektur neben amd64, arm64 und ppc64el zur vierten offiziell gepflegten Plattform auf. Chinas Chip-Souveränität erreicht so die Softwareschicht und liefert europäischen IT-Entscheidern eine Blaupause wie Warnung zugleich.

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Hinter dem Eintrag von LoongArch in PostgreSQL steckt mehr als ein technisches Detail für Datenbank-Administratoren. Zwei Jahre lang scheiterte der Wunsch an fehlender Betriebssystem-Basis, bis eine gespendete Platine den Ausschlag gab.

Das Wichtigste in Kürze

  • PGDG, das offizielle Repository von PostgreSQL, baut seit dem 22. Juli 2026 Pakete für LoongArch (loong64).
  • Die Architektur ist damit die vierte neben amd64, arm64 und ppc64el; verfügbar sind die Versionen 13 bis 18.
  • Möglich wurde das durch eine gespendete Loongson-3B6000-Platine als Bau-Server, nachdem Cloud-Versuche an der Netzstabilität scheiterten.
  • Für Europa ist der Fall ein Lehrstück in digitaler Souveränität und in der Zerbrechlichkeit ehrenamtlicher Open-Source-Infrastruktur.

Was hat sich am 22. Juli geändert?

Ein silberner loong64-Mikrochip und ein Etikett mit Datum auf weißem Hintergrund
PGDG-Repository bietet seit 22. Juli 2026 signierte loong64-Pakete für LoongArch an. PostgreSQL 13–18 können nun per apt auf Loongson-Prozessoren installiert werden

Das APT-Repository der PostgreSQL Global Development Group, kurz PGDG, liefert seit dem 22. Juli 2026 signierte loong64-Pakete für LoongArch aus.[1] Betreiber einer Datenbank auf einem Loongson-Prozessor installieren PostgreSQL 13 bis 18 nun per apt statt aus selbst kompiliertem Quellcode. Gebaut werden die Pakete auf einer Debian-13-Portierung für LoongArch, die die Community unter dem Namen Loong13 pflegt.[2]

Warum zählt ein Repository-Eintrag überhaupt?

Bislang mussten Betreiber PostgreSQL auf LoongArch selbst übersetzen, ohne signierte Pakete und ohne automatische Sicherheitsaktualisierungen. Der Eintrag ins offizielle Repository ersetzt diese Handarbeit durch eine gepflegte Lieferkette mit Signatur und regelmäßigen Updates. Genau das senkt die Hürde für Behörden und Konzerne, die unter Chinas Programm zur IT-Eigenständigkeit auf heimische Prozessoren wechseln.

Ein Prozessor ohne Datenbank bleibt ein Rechenknecht ohne Gedächtnis. Mit dem PostgreSQL-Eintrag hat Loongson die letzte große Lücke zwischen chinesischem Silizium und einsatzfähiger Server-Software geschlossen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Ein Eintrag ist allerdings keine Garantie auf Dauer. Die Mainframe-Architektur s390x von IBM stand schon einmal im Repository und flog nach schwacher Nachfrage und teurer Wartung wieder heraus. LoongArch bleibt nur, solange die Nachfrage aus China die Kosten des Bau-Servers rechtfertigt.

LoongArch in PostgreSQL: der Weg ins offizielle Repository
Chinas Prozessor-Architektur erreicht die Open-Source-Datenbankwelt.
Prozessor
4.
offiziell gepflegte CPU-Architektur, neben amd64, arm64 und ppc64el
Datum
22.07.2026
Start des offiziellen loong64-Repositoriums bei PGDG
Datenbank
13–18
PostgreSQL-Versionen als signierte Pakete für LoongArch
Dauer
2 Jahre
vom ersten Vorstoß in Vancouver 2024 bis zum Repository 2026
Kernel

Schon 2022 nahm der Linux-Kernel 5.19 LoongArch auf. Der Datenbank-Eintrag schließt nun die Kette aus Chip, Betriebssystem und Server-Software.

Was heißt das für Europas Entscheider?

Europa arbeitet an eigener digitaler Souveränität, wie die Debatte um heimische Rechenzentren und den Umstieg auf freie Software zeigt. LoongArch führt vor, wie ein staatlich getriebenes Programm eine komplette Kette aus Chip, Betriebssystem und Datenbank aufbaut, während der Streit um Europas Chip-Souveränität noch beim Auftragsfertiger beginnt. Für den Betrieb in kritischen Infrastrukturen unter NIS2 zählt zugleich die Kontrolle über die Lieferkette der Software.

Getragen wird dieser strategische Baustein von einem einzelnen ehrenamtlichen Betreuer und einer gespendeten Platine, ähnlich fragil wie bei der xz-utils-Hintertür. Der Blick nach China sollte deshalb die Softwareschicht einschließen, nicht nur die Fabriken für heimische Chips. Bei eigenen Souveränitätsprojekten empfiehlt sich früh ein gemeinschaftlich getragener Open-Source-Kanal, statt sich auf einzelne Freiwillige zu verlassen.

Quellen

[1] Vonng: „龙芯,正式进入 PostgreSQL 官方仓库“

[2] Debian Wiki: „ArchiveQualification/loong64″

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