Intel baut künftig den Chip, der in Fortinets Firewalls die eigentliche Arbeit erledigt. Der Auftrag ist klein an Stückzahlen, aber groß an Signalwirkung: Er zeigt, wohin sich der angeschlagene Chipkonzern unter seinem neuen Chef bewegt und wie weit Europa bei kritischer Sicherheits-Hardware zurückliegt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Foundry-Deal zwischen Intel und Fortinet macht die wichtigste Weichenstellung von Konzernchef Lip-Bu Tan sichtbar. Seit rund einem Jahr führt er Intel, und diese Ankündigung sagt mehr über seinen Kurs als jede Quartalszahl. Erstmals fertigt Intel prominent Silizium für einen fremden Sicherheitskonzern, statt nur für sich selbst.
Das Wichtigste in Kürze
- Intel entwickelt und fertigt Fortinets nächsten Sicherheitsprozessor SP6, das Herzstück der FortiGate-Firewalls.
- Intel steuert Chipdesign, fortschrittliches Packaging und die Produktion bei; beide Konzerne betonen die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette.
- Für Intels kriselnde Foundry-Sparte ist ein namhafter externer Kunde der Beleg, auf den Lip-Bu Tan lange gewartet hat.
- Europa hat dem wenig entgegenzusetzen: Sicherheits-Silizium entsteht in den USA oder Asien, nicht in Dresden.
Was Intel künftig für Fortinet fertigt

Fortinet lässt die rechenintensive Firewall-Arbeit seit Jahren nicht von Standardprozessoren erledigen, sondern von eigenen Spezialchips, den Security Processing Units. Der kommende SP6 ist die nächste Generation dieser ASICs und beschleunigt Verschlüsselung und Datenverkehr direkt in der Hardware.
Neu ist der Fertigungspartner. Intel übernimmt Chipdesign, fortschrittliches Packaging und die Produktion des SP6; Fortinet-Gründer und Vorstandschef Ken Xie spricht von Intels einzigartiger Kombination aus Halbleitertechnik, Fertigungs-Expertise und globaler Lieferkette.[1]
Auf welchem Prozess der SP6 entsteht, nennen beide Unternehmen nicht. Branchenmedien wie Tom’s Hardware ordnen ihn auf dem Intel-4-Node ein und sehen in Fortinet den ersten namentlich genannten externen Kunden für diese Fertigungsstufe. Fortinet ist zuletzt aus anderem Grund in die Schlagzeilen geraten, als Angreifer eine Lücke in FortiSandbox ausnutzten.
Warum Intel diesen Kunden so dringend braucht
Intels Zukunft hängt an der Foundry, dem Auftragsgeschäft, das fremde Chips in eigenen Fabriken fertigt. Bislang fehlten die großen, öffentlich benannten Kunden, die dem Modell Glaubwürdigkeit geben.
Genau hier setzt Lip-Bu Tan an. Im August 2025 hat er das geplante Milliardenwerk in Magdeburg gestoppt und den Konzern auf zahlende Foundry-Kunden statt auf leere Kapazität ausgerichtet. Mit dem ASIC-Geschäft greift Intel zugleich Broadcom und Marvell an, die den Markt für kundenspezifische Chips bislang unter sich aufteilen.
Fortinet wiederum diversifiziert seine Lieferkette und senkt so das Klumpenrisiko einer einzigen asiatischen Fabrik, ein Argument, das beide Seiten in der Mitteilung ausdrücklich betonen.
Intels Beitrag zum SP6: Chipdesign, fortschrittliches Packaging und Fertigung. Beide Konzerne begründen den Schritt mit einer robusteren, breiter aufgestellten Lieferkette.
Ein einzelner Firewall-Chip entscheidet keine Marktanteile. Aber er zeigt, dass Intels Auftragsfertigung endlich Namen liefert, und dass Europa bei genau dieser Klasse von Sicherheits-Hardware nichts Vergleichbares aufzubieten hat.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was das für Europas Chip-Souveränität heißt
FortiGate-Firewalls stehen in unzähligen deutschen Unternehmen und in KRITIS-Umgebungen. Das Silizium darin wird in den USA entworfen und künftig teils dort gefertigt, während selbst deutsche Hersteller wie Bosch ihre Chipfertigung in die USA verlagern und Europa bei modernster Produktion eine Lücke behält.
Der EU Chips Act wollte den Weltmarktanteil bis 2030 von rund zehn auf zwanzig Prozent heben. Nach der Magdeburg-Absage ruhen die Hoffnungen auf dem TSMC-Werk ESMC in Dresden, an dem auch Bosch und Infineon beteiligt sind; die Produktion soll aber erst gegen Ende 2027 anlaufen und deckt nur mittlere Fertigungsklassen ab.
Für Sicherheitsverantwortliche lohnt deshalb der Blick auf die Hardware-Lieferkette ihrer Appliances: Unter NIS2 zählt die Herkunft kritischer Komponenten zur Risikobewertung. Wo eine einzige Fabrik den Nachschub trägt, gehört ein zweiter Bezugsweg in den Beschaffungsplan.
Konkret sollten IT-Leiter bei der Firewall-Beschaffung künftig nach Fertigungsherkunft und Lieferkettenabsicherung fragen, nicht nur nach Durchsatz und Preis. Der Intel-Fortinet-Deal macht diese Frage erstmals greifbar.
Quelle
[1] Intel und Fortinet: „Intel and Fortinet Collaborate to Advance Cybersecurity Innovation and Strengthen Global Supply Chain Resilience“ (21. Juli 2026)
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