KI-Rechenzentren in China werden gerade teurer statt billiger. DeepSeek plant laut Bloomberg einen eigenen Standort mit einem Gigawatt Leistung in der Inneren Mongolei, während der Betreiber GDS in derselben kühlen Steppe einen kompletten Rechenzentrumspark hochzieht. Für europäische Entscheider verschiebt sich damit die wichtigste Kennzahl vom Chippreis zum Strompreis.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Bau von KI-Rechenzentren hängt heute weniger am Chipnachschub als am Strompreis und an der Kühlung. Genau deshalb wandert Chinas Rechenleistung in die Innere Mongolei, wo Wind und Sonne im Überfluss stehen und die Luft von selbst kühlt. Die Bank of America sieht darin den Grund, warum die Preise für Rechenleistung dort erstmals wieder anziehen.
Das Wichtigste in Kürze
- DeepSeek plant laut Bloomberg ein eigenes Rechenzentrum mit einem Gigawatt Leistung in Ulanqab, rund 300 Kilometer nordwestlich von Peking. Bestätigt hat der Modellentwickler den Plan nicht.
- Der Betreiber GDS Holdings investiert in drei Jahren 3,9 bis 6,5 Milliarden Euro in KI-Kapazität (Stand 4. August 2026, rund 7,74 Yuan je Euro), so viel wie nie in seiner Firmengeschichte.
- Ulanqab bietet ein Jahresmittel von 4,3 Grad und 6,3 Gigawatt Wind- und Solarleistung; Chinas Programm „East Data, West Compute“ lenkt die Rechenlast gezielt in den kühlen Norden.
- Die Preise für Rechenleistung steigen, weil die KI-Nachfrage die Kapazität übersteigt. Bei Kingsoft Cloud macht das KI-Geschäft erstmals mehr als die Hälfte des Public-Cloud-Umsatzes aus.
Warum steigen die Preise statt zu fallen?

Chinas Cloud-Markt galt lange als Selbstbedienungsladen mit Dauerrabatt. Umgekehrt läuft der Markt 2026: Alibaba Cloud und Baidu hoben ihre Preise für Rechenleistung an, die Bank of America stufte die Betreiber GDS und Kingsoft Cloud hoch. Das Kalkül der Analysten: Steigende Preise spiegeln die starke KI-Nachfrage. Rechenzeit für das Training großer KI-Modelle ist knapp geworden, und knappe Ware kostet mehr.
Wie stark der Hunger nach Rechenleistung ist, zeigt Kingsoft Cloud. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 37 Prozent auf 349 Millionen Euro, der Public-Cloud-Bereich legte um knapp die Hälfte zu, und das KI-Geschäft überschritt mit rund 129 Millionen Euro erstmals die Hälfte des Public-Cloud-Umsatzes. Genau diese Nachfrage verlangt nach immer neuer Kapazität, und die neuen Anlagen entstehen nicht mehr am teuren Küstenrand, sondern im billigen Norden.
Warum bauen alle in Ulanqab?
Ulanqab liegt rund 300 Kilometer nordwestlich von Peking, gut anderthalb Bahnstunden entfernt, mitten in der Steppe der Inneren Mongolei. Zwei Standortvorteile zählen dort mehr als jede Steuervergünstigung. Bei 4,3 Grad Jahresmittel kühlt die Außenluft die Server fast ohne Klimatechnik, und die Region speist 6,3 Gigawatt Wind- und Solarleistung ins Netz. Peking lenkt die Rechenlast über das Programm „East Data, West Compute“ gezielt aus den überhitzten Küstenmetropolen in diesen stromreichen Norden.
Kein Wunder, dass sich die Konzerne dort drängen. DeepSeek will laut Bloomberg ein eigenes Rechenzentrum mit einem Gigawatt Leistung errichten und zusätzliche Kapazität anmieten. Ein Teil davon soll bis Anfang 2028 laufen; bestätigt hat DeepSeek den Plan nicht.
Auch die Nachbarschaft ist prominent. Alibaba betreibt in Ulanqab einen Standort für 300.000 Server und mehr als 1,3 Milliarden Euro, Apple und Huawei rechnen ebenfalls dort. Der Betreiber GDS Holdings bündelt hier einen kompletten Park aus Hochdichte-Rechenzentren, zu über 80 Prozent mit grünem Strom versorgt.[1] Binnen zwei Jahren verfünffachte sich die Serverkapazität der Stadt, die heute 89 Rechenzentrumsprojekte zählt.
Peking behandelt Rechenleistung längst als Energiefrage und schiebt sie dorthin, wo der grüne Strom steht. Europa verhandelt derweil über Netzanschlüsse, während die großen KI-Rechenzentren andernorts ans Netz gehen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Warum die KI nach Ulanqab zieht
- Kühlung4,3 Grad Jahresmittel senken den Bedarf an Klimatechnik drastisch
- Näherund 300 Kilometer bis Peking, gut anderthalb Stunden mit dem Zug
- Politikdas Programm „East Data, West Compute“ lenkt die Rechenlast in den Norden
Was bedeutet der Rechenzentrums-Boom für Europa?
Der europäische Blick auf diese Zahlen fällt ernüchternd aus. Auch hier frisst die KI Strom: E.ON warnt davor, dass das Verteilnetz zum Engpass des KI-Booms wird, und kündigt 40 Milliarden Euro für den Netzausbau an. RWE liefert Google eigens Solarstrom für dessen Rechenzentren in den USA. Der Unterschied liegt in der Steuerung: China verteilt seine Rechenlast per nationalem Programm auf stromreiche Regionen, während Europa jeden Netzanschluss einzeln verhandelt.
Für deutsche Entscheider steckt darin mehr als eine Standortfrage. Der Grünstromanteil wird zum Wettbewerbsfaktor: In Deutschland überholten Wind und Solar erstmals die fossilen Energieträger, doch der Netzanschluss großer Rechenzentren dauert Jahre. Baukonzerne wie Hochtief verbuchen den Rechenzentrumsboom längst als Rekordauftrag und zugleich als Klumpenrisiko.
Die Rechenzeit selbst ist zur harten Kostengröße geworden, wie der Vergleich der Kosten pro Token zwischen den Chip-Generationen zeigt. Auch die größten Rechenzentren Deutschlands stoßen an dieselbe Netzgrenze, an der sich Chinas Umzug in die Steppe erklärt. Beim Einkauf von Cloud-Kapazität zählen Strompreis, Grünstromanteil und Anschlusstermin heute genauso wie die reine Rechenleistung.
FAQ: KI-Rechenzentren in China und Ulanqab
Warum werden KI-Rechenzentren in China teurer?
Die KI-Nachfrage übersteigt die verfügbare Rechenleistung. Alibaba Cloud und Baidu hoben ihre Preise an, Analysten der Bank of America werten steigende Preise als Zeichen knapper Kapazität. Rechenzeit für Training und Betrieb großer Modelle ist zum Engpass geworden.
Was plant DeepSeek in Ulanqab?
DeepSeek will laut Bloomberg in Ulanqab in der Inneren Mongolei ein eigenes Rechenzentrum mit einem Gigawatt Leistung bauen und zusätzliche Kapazität anmieten. Ein Teil soll bis Anfang 2028 laufen. Offiziell bestätigt hat das Unternehmen den Plan nicht.
Warum bauen chinesische Konzerne ihre KI-Rechenzentren in der Inneren Mongolei?
Ulanqab bietet ein Jahresmittel von 4,3 Grad, das die Server fast ohne Klimatechnik kühlt, sowie 6,3 Gigawatt Wind- und Solarleistung. Das Programm „East Data, West Compute“ lenkt Rechenlast aus den Küstenmetropolen in den stromreichen Norden.
Was bedeutet der Boom für Rechenzentren in Europa?
Auch in Europa wird der Strom zum Engpass. E.ON investiert 40 Milliarden Euro ins Verteilnetz, RWE liefert Google Solarstrom für Rechenzentren. Anders als China steuert Europa die Standorte nicht zentral, und der Netzanschluss großer Anlagen dauert Jahre.
Worauf sollten Unternehmen beim Cloud-Einkauf achten?
Neben der Rechenleistung zählen Strompreis, Grünstromanteil und der Termin für den Netzanschluss. Da die Preise für Rechenleistung steigen, lohnt ein Blick auf Standortwahl und Energiequelle des Anbieters, nicht nur auf den reinen Preis pro Recheneinheit.
Quelle
[1] GDS Holdings: „National Integrated Computing Network Hub Node Project“ (Rechenzentrumscluster Ulanqab)
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