Die Fregatte Bayern läuft seit 1996 und bekommt jetzt eine Generalüberholung für den Dienst bis mindestens 2035. Rheinmetall übernimmt die Werftarbeiten in Wilhelmshaven und bringt damit ein 30 Jahre altes Kriegsschiff auf den Stand moderner U-Boot-Jagd. Der Auftrag zeigt, wie teuer das gescheiterte Neubauprogramm F126 die Deutsche Marine zu stehen kommt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenHinter der Modernisierung der Fregatte Bayern steckt ein teures Versäumnis. Das Verteidigungsministerium stoppte im Juni 2026 das Neubauprogramm F126. Ohne die sechs geplanten Schiffe muss die betagte F123-Klasse den Einsatz länger tragen als je vorgesehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Rheinmetall modernisiert über die Neue Jadewerft in Wilhelmshaven die Fregatte Bayern, der Auftrag liegt im mittleren dreistelligen Millionenbereich.
- Das 1996 in Dienst gestellte Schiff soll bis mindestens 2035 einsatzfähig bleiben, die Arbeiten laufen bis 2029.
- Auslöser ist das im Juni 2026 gestoppte Neubauprogramm F126, die vier alten U-Jagd-Fregatten füllen die Lücke.
- Die Systemintegration liegt beim schwedischen Saab-Konzern, Bewaffnung und Sensorik kommen auf modernen Stand.
Was umfasst die Modernisierung der Fregatte Bayern?

Die Neue Jadewerft von Rheinmetall in Wilhelmshaven führt die Werftarbeiten an der Bayern aus, beauftragt von der Werft Abeking & Rasmussen.[1] Erneuert werden das Führungs- und Waffeneinsatzsystem, die Radar-Sensorik, die Feuerleitanlage sowie die Antriebs- und U-Boot-Abwehr-Anlagen. Bis 2029 soll das Schiff zurück in die Flotte.
Den Auftragswert beziffert Rheinmetall auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Die Systemintegration liegt beim schwedischen Saab-Konzern, der die F123-Modernisierung seit 2021 als Hauptauftragnehmer führt. Drei der vier Fregatten sind bereits mit Mitteln hinterlegt, die Bayern ist die jüngste im Bunde.
Warum muss die F123-Klasse bis 2035 durchhalten?
Eigentlich sollten sechs Neubauten der Klasse F126 die vier Brandenburg-Fregatten ablösen. Das Verteidigungsministerium beendete das Programm im Juni 2026 wegen massiver Verzögerungen und Kostensteigerungen, die erste Einheit wäre frühestens 2031 statt 2028 gekommen.[2] Als Ersatz plant die Marine nun acht MEKO-Fregatten der Klasse A-200, für deren Kampfsystem TKMS bereits Radare bei Saab bestellt hat. Dass Rheinmetall überhaupt ins Werftgeschäft drängt, zeigte sich schon beim Ringen um die Kieler Werft GNYK.
Bis die neuen Schiffe fahren, klafft eine Lücke in der U-Boot-Jagd. Genau dafür sind die F123 gebaut, Bugsonar und je zwei Bordhubschrauber machen sie zu den Spezialisten der Deutschen Marine für die Unterwasserkriegsführung in Nord- und Ostsee. Das erneuerte Führungssystem soll die Bayern zugleich an die künftige F128-Generation heranführen, während der Sensorhersteller Hensoldt beim F126-Aus glimpflich davonkam.
Die Bayern-Modernisierung ist kein Prestigeauftrag, sondern die Rechnung für ein gescheitertes Neubauprogramm. Rheinmetall verdient daran, dass die Marine ihre alten Schiffe nicht in Rente schicken kann.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Auftrag für Rheinmetall?
Für Rheinmetall ist der Marineauftrag Teil eines größeren Umbaus. Der Konzern kam über Panzer und Munition groß, drängt aber mit der Neuen Jadewerft zunehmend ins maritime Feld, wo bislang TKMS dominiert und zuletzt sogar sein Angebot für German Naval Yards zurückzog. Parallel steckt Rheinmetall 350 Millionen Euro in ein neues Pulverwerk und übernahm zuletzt Bundeswehr-Projekte zur autonomen Logistik.
„Die Neue Jadewerft verfügt über langjährige Erfahrung in der Modernisierung und Instandhaltung von Marineschiffen, insbesondere von Fregatten“, sagt Tim Wagner, CEO Naval Systems bei Rheinmetall.[1] Für Zulieferer und Investoren im Rüstungssektor zählt weniger die einzelne Schlagzeile als das Muster dahinter. Jede Verzögerung bei Neubauten wie der F126 verlängert lukrative Modernisierungs- und Instandhaltungsaufträge für die Bestandsflotte. Im Wehrtechnik-Umfeld gehört die Refit-Pipeline der Marine deshalb inzwischen ebenso auf den Radar wie die großen Neubauprogramme.
FAQ: Rheinmetall modernisiert die Fregatte Bayern
Was ist die F123-Klasse der Deutschen Marine?
Die F123 oder Brandenburg-Klasse umfasst vier Fregatten der Deutschen Marine, die seit Mitte der 1990er Jahre vor allem der U-Boot-Jagd dienen. Bugsonar und je zwei Bordhubschrauber machen sie zu Spezialisten für die Unterwasserkriegsführung in Nord- und Ostsee.
Warum wurde das Fregattenprogramm F126 gestoppt?
Das Verteidigungsministerium beendete das Neubauprogramm F126 im Juni 2026 wegen massiver Verzögerungen, stark gestiegener Kosten und unkalkulierbarer Risiken. Die erste der sechs geplanten Fregatten wäre frühestens 2031 statt 2028 gekommen. Als Ersatz sind acht MEKO-Fregatten der Klasse A-200 vorgesehen.
Welches Unternehmen baut die Fregatte Bayern um?
Die Werftarbeiten übernimmt die Neue Jadewerft von Rheinmetall in Wilhelmshaven, beauftragt von der Werft Abeking & Rasmussen. Die Systemintegration der F123-Modernisierung führt seit 2021 der schwedische Saab-Konzern.
Was kostet die Modernisierung der Fregatte Bayern?
Rheinmetall beziffert den Auftrag auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Euro. Die Summe deckt die Werft- und Modernisierungsarbeiten an der Bayern, die bis 2029 laufen.
Wie lange soll die Fregatte Bayern noch fahren?
Nach der Modernisierung soll die 1996 in Dienst gestellte Bayern bis mindestens 2035 einsatzfähig bleiben. So überbrückt die Marine die Lücke, bis die als Ersatz geplanten MEKO-A-200-Fregatten zur Verfügung stehen.
Quellen
[1] Rheinmetall: „Rheinmetall to modernise F123 frigate for the German Navy“
[2] Bundesministerium der Verteidigung: „Projekt Fregatte F126 wird beendet“
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