Rheinmetall führt jetzt das Bundeswehr-Forschungsprojekt InterRoC VII und lässt Lastwagen im Verband ohne Fahrer fahren. Der eigentliche Fortschritt steckt nicht im autonomen Fahren selbst, sondern darin, dass die Fahrzeuge auch ohne Satellitensignal die Spur halten. Für Europas Verteidigungsindustrie liegt darin ein Schlüssel, der weit über das Militär hinausreicht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAutonome Konvois sind für die Bundeswehr keine ferne Vision mehr, seit Rheinmetall die Gesamtverantwortung für das Forschungsprojekt InterRoC VII übernommen hat.[1] Kurz vor der Übernahme hat das Team beim europäischen Robotik-Wettbewerb ELROB 2026 im schweizerischen Thun den ersten Platz in der Kategorie Konvoi geholt. Hinter dem Erfolg steht eine Technik, die das Satellitensignal überflüssig macht.
Das Wichtigste in Kürze
- Rheinmetall MAN Military Vehicles führt im Auftrag des Beschaffungsamts BAAINBw das Forschungsprojekt InterRoC VII zu interoperablen, hochautomatisierten Konvois.
- Beim Wettbewerb ELROB 2026 in Thun holte das Team den ersten Platz in der Konvoi-Kategorie, kurz vor der Projektübernahme.
- Kern der Technik ist die Navigation ohne GNSS: Kamera und Laserscanner erfassen die Umgebung, wenn das GPS-Signal gestört ist. Die Wahrnehmungssoftware liefert das Münchner Start-up Driveblocks.
- Nur das Führungsfahrzeug ist besetzt, die nachfolgenden Lastwagen der HX-Familie fahren unbemannt hinterher.
Was hat Rheinmetall bei InterRoC VII übernommen?

Rheinmetall MAN Military Vehicles trägt jetzt die Gesamtverantwortung für InterRoC VII, beauftragt vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr. Das Kürzel steht für Interoperable Robotic Convoy, die römische Sieben markiert die aktuelle Phase einer seit Jahren laufenden Forschungsreihe.
Als Plattform dienen Logistik-Lastwagen der HX-Familie, ausgerüstet mit einem modularen Sensor-Kit und einer Drive-by-Wire-Steuerung. Die Wahrnehmung steuert das Münchner Start-up Driveblocks bei, das Kamera- und Laserdaten per KI zu einem Lagebild verrechnet. Im Verband ist nur das Führungsfahrzeug besetzt, die übrigen Lastwagen fahren autonom hinterher, auch wenn die Plattformen unterschiedlich sind.
Rheinmetall baut damit seine Rolle als Digitalisierer der Streitkräfte aus, ähnlich wie beim Auftrag, für den der Konzern das digitale Training der britischen Armee übernommen hat. Einen Einstieg in die militärische Robotik bietet der Überblick Robotik 2026: Wer braucht wirklich einen Roboter?
Warum ist der Verzicht auf GPS der eigentliche Fortschritt?
Autonomes Fahren beherrschen inzwischen viele Systeme. Der harte Teil ist der Ausfall des Satellitensignals. In der Ukraine und im Baltikum stören und fälschen elektronische Gegenmaßnahmen das GPS großflächig, ein Konvoi, der ohne Satellit stehenbleibt, ist im Ernstfall wertlos.
InterRoC VII setzt deshalb auf Sensorfusion statt auf Koordinaten. Kamera und Laserscanner bauen in Echtzeit ein dreidimensionales Bild der Umgebung, das Gelände wird auch durch Staub, Vegetation oder Schnee erkannt, ganz ohne hinterlegte Karte. Das Führungsfahrzeug gibt die Route vor, die unbemannten Lastwagen leiten ihre Fahrspur aus dem Verband und der eigenen Wahrnehmung ab.
Genau hier zahlt sich der ELROB-Sieg aus. Der Wettbewerb in Thun prüft die Fahrzeuge in realistischem, unwegsamem Gelände, nicht auf der Teststrecke. Ein erster Platz in der Konvoi-Kategorie belegt, dass die Technik den Sprung aus dem Labor bereits geschafft hat.
Der eigentliche Durchbruch ist nicht der fehlende Fahrer, sondern der fehlende Satellit. Sobald ein Konvoi auch ohne GPS die Spur hält, wird aus einer Laboridee ein Werkzeug für den Ernstfall.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Navigation per Satellit
Der Konvoi verlässt sich auf das GPS-Signal und bleibt stehen, sobald Störsender das Signal unterdrücken oder fälschen.
Navigation per Sensorfusion
Kamera und Laserscanner bauen ein Echtzeit-Lagebild und halten die Spur auch durch Staub, Vegetation oder Schnee.
Was bedeutet der autonome Konvoi für Europa?
InterRoC VII ist kein Einzelfall, sondern Teil eines Musters. Frühere Phasen der Reihe haben Daimler Truck und Quantum Systems einbezogen, und Deutz baut mit dem Bodenroboter Gereon bereits ein unbemanntes Serienfahrzeug. Europas Verteidigungsindustrie rüstet die Logistik im Eiltempo auf unbemannte Systeme um.
Der Reiz liegt in der Doppelnutzung. Driveblocks, ein Spin-off der TU München und Sieger der Indy Autonomous Challenge, lizenziert dieselbe kartenlose Wahrnehmung auch an Landwirtschaft, Bau und Bergbau. Was gegen Störsender an der Front reift, taugt später für den zivilen Geländebetrieb, ähnlich wie die fahrerlosen Lkw von Aurora auf US-Fernstraßen.
Offen bleibt die ethische Grenze. Die Vereinten Nationen dringen auf ein Verbot autonomer Waffen, doch InterRoC VII behält im Führungsfahrzeug bewusst einen Menschen an Bord. Für Entscheider in Logistik und Mobilität zählt der eigentliche Wert nicht im Fahrzeug, sondern in der Software, die auch ohne Satellit die Orientierung hält, und deutsche Anbieter besetzen diese Schicht gerade zuerst.
Quellen
[1] Rheinmetall AG: „Rheinmetall is driving new developments in autonomous military convoys“ (13. Juli 2026). ↩
[2] Driveblocks GmbH: Mapless Autonomy Platform, Unternehmens- und Technologieangaben. ↩
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