Ein Hersteller von Druckmaschinen baut ausgerechnet Systeme zur Drohnenabwehr. Über das Gemeinschaftsunternehmen ONBERG verlagert Heidelberg einen Teil seiner Zukunft von der rotierenden Druckwalze auf autonome Abfangdrohnen. Für Betreiber kritischer Infrastruktur ist das mehr als eine Kuriosität.

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Autonome Drohnenabwehr entsteht seit 2026 in Brandenburg an der Havel, und zwar auf dem Werksgelände eines 175 Jahre alten Maschinenbauers. Heidelberger Druckmaschinen hält 49 % an ONBERG Autonomous Systems, die übrigen Anteile trägt der amerikanisch-israelische Spezialist Ondas[1]. Hinter der Schlagzeile steckt eine Kehrtwende, die weit über einen einzelnen Konzern hinausweist.

Das Wichtigste in Kürze

  • ONBERG Autonomous Systems ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Heidelberg (49 %) und Ondas, seit 2026 in Brandenburg an der Havel in Betrieb.
  • Das Werk bündelt Erkennung, Führung und Wirkung gegen feindliche Drohnen in einer europäischen Lieferkette.
  • Erste Zielmärkte sind Deutschland und die Ukraine; mit dem ukrainischen Hersteller Skyeton ist eine Serienfertigung NATO-konformer Aufklärungsdrohnen geplant.
  • Heidelberg reiht sich in eine Welle deutscher Maschinenbauer ein, die ins Verteidigungsgeschäft wechseln.

Warum steigt ein Druckmaschinenbauer in die Drohnenabwehr ein?

Eine graue Drohne transportiert eine gerollte Zeitung vor weißem Hintergrund
Heidelberg gründet Gemeinschaftsunternehmen ONBERG mit Ondas, um vom schrumpfenden Druckgeschäft unabhängiger zu werden

Das klassische Druckgeschäft schrumpft und schwankt mit der Konjunktur. Genau deshalb sucht Heidelberg seit Jahren nach einem zweiten Standbein, das weniger am Werbebudget der Kunden hängt. Über die Tochter HD Advanced Technologies ist der Konzern deshalb das Gemeinschaftsunternehmen ONBERG mit Ondas eingegangen.

Den technologischen Kern liefert der Partner. Ondas bringt in der Ukraine erprobte Abwehrsysteme gegen unbemannte Flugobjekte ein, Heidelberg steuert Fertigungstiefe und eine fertige Industriebasis bei. Am Standort Brandenburg an der Havel arbeiten rund 380 Beschäftigte auf etwa 30.000 Quadratmetern, bisher an Druckmaschinen, künftig auch an Abfangdrohnen.

Allein steht dieser Schritt nicht. Der europäische Drohnen-Boom treibt gerade eine ganze Reihe von Zulieferern in die Sicherheitsbranche, und die Bewegung reicht tief in den deutschen Maschinenbau hinein, wie unser Überblick zu Bionik und Robotik zeigt.

Was macht ONBERG technisch anders?

Der Anspruch lautet, Erkennung, Führung und Wirkung in einer einzigen Architektur zu verbinden[2]. Sensoren erfassen eine anfliegende Drohne, ein KI-gestütztes System bewertet die Bedrohung, eine autonome Abfangdrohne schaltet den Flugkörper mit geringem Kollateralschaden aus. Ähnliche Schwarm-Prinzipien beschreiben wir am Beispiel der Drohnen im Katastrophenschutz.

Der eigentliche Verkaufshebel ist die Lieferkette. ONBERG will Entwicklung und Serienfertigung als europäischen One-Stop-Shop bündeln, ohne Abhängigkeit von außereuropäischen Zulieferern. Zur Serienreife gehört eine Absichtserklärung mit dem ukrainischen Hersteller Skyeton über die Fertigung NATO-konformer Aufklärungsdrohnen.

Das eigentliche Produkt von ONBERG ist nicht die Abfangdrohne, sondern eine Lieferkette, die im Krisenfall nicht auf einem anderen Kontinent festhängt. Für Betreiber kritischer Infrastruktur wiegt diese Souveränität schwerer als jede Datenblatt-Kennzahl.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
ONBERG: Drohnenabwehr aus Brandenburg

Wie Heidelberg vom Druckmaschinenbauer zum Anbieter autonomer Drohnenabwehr wird

49 %
Anteil von Heidelberg am Gemeinschaftsunternehmen ONBERG
2026
Betriebsstart in Brandenburg an der Havel
rund 380
Beschäftigte am Produktionsstandort Brandenburg
~30.000 m²
Produktionsfläche als Basis für die Serienfertigung

So arbeitet ONBERG gegen feindliche Drohnen

1
Erkennung
Sensoren erfassen anfliegende Drohnen frühzeitig.
2
Führung
Ein KI-gestütztes System bewertet die Bedrohung in Echtzeit.
3
Wirkung
Eine autonome Abfangdrohne schaltet das Ziel kontrolliert aus.
Erste Zielmärkte sind Deutschland und die Ukraine. Mit dem ukrainischen Hersteller Skyeton ist zusätzlich die Serienfertigung NATO-konformer Aufklärungsdrohnen geplant.

Was bedeutet das für Betreiber kritischer Infrastruktur?

Für Flughäfen, Energieversorger und Behörden verschiebt sich damit das Angebot. Bislang sind leistungsfähige Abwehrsysteme meist aus Israel oder den USA gekommen, künftig steht ein industriell skalierender Anbieter mit deutscher Fertigung bereit. Das trifft auf eine reale Bedrohungslage: gesperrte Startbahnen, dazu Spähflüge über Umspannwerken und Werksgeländen.

Regulatorisch wächst der Druck parallel. Das KRITIS-Dachgesetz und die NIS2-Umsetzung verpflichten Betreiber, physische und digitale Risiken gemeinsam zu bewerten, und die Drohnenabwehr rückt damit von der Kür zur Pflicht.

Der Musterwechsel ist eindeutig. Deutz hat den Panzerbauer FFG übernommen, Daimler Truck entwickelt den autonomen Bundeswehr-Lkw. Prüfen Sie am besten frühzeitig, welche Ihrer Standorte in den Anflugkorridoren sensibler Infrastruktur liegen, und behalten Sie europäische Abwehr-Anbieter im Blick, bevor die nächste Sperrung Ihren Betrieb trifft.

Quellen

[1] Heidelberger Druckmaschinen AG: „Startschuss für automatisierte Drohnenabwehr aus Brandenburg: Joint Venture ONBERG nimmt operativen Betrieb auf“

[2] Ondas Holdings: „Ondas and Heidelberg Launch ONBERG Autonomous Systems Joint Venture“

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