Das Verteidigungsministerium hat das Fregattenprogramm F126 beendet. Hensoldt verliert damit einen Auftrag über rund 200 Millionen Euro und lässt die eigene Prognose trotzdem unverändert. Die Begründung dafür ist für jeden Einkäufer lehrreich, der zwischen Sonderentwicklung und Katalogprodukt entscheidet.

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Rund 200 Millionen Euro Auftragsvolumen hat Hensoldt im F126-Programm gebunden, mehr als ein Drittel davon ist bereits als Umsatz verbucht. Für 2026 bleibt ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag übrig. Ein Rüstungsvorhaben über 18 Milliarden Euro ist geplatzt, und der Radarlieferant korrigiert nichts.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Bundesministerium der Verteidigung hat am 24. Juni 2026 entschieden, das Fregattenprogramm F126 nicht weiterzuverfolgen.[1]
  • Statt sechs F126 sollen Fregatten vom Typ MEKO A-200 DEU beschafft werden, die ersten vier für rund 6,3 Milliarden Euro.
  • Hensoldts Anteil am Programm beträgt rund 200 Millionen Euro. Die kurz- und mittelfristige Prognose bleibt unberührt.
  • Das Marineradar TRS-4D war nie eine F126-Sonderentwicklung, sondern fährt bereits auf mehreren Schiffsklassen der Deutschen Marine.

Warum kostet der Auftragsverlust Hensoldt keine Prognose?

Werftarbeiter zwischen abgebrochenem Schiff und Radar auf Palette mit handgeschriebenen Notizen vor weiß
Das Radar TRS-4D wird bereits auf mehreren Schiffen der Deutschen Marine eingesetzt und ist international gefragt. Mit dem F126-Ausstieg entfällt nur ein Kunde, nicht das Produkt

Das Radar TRS-4D ist nicht exklusiv für F126 entstanden. Das System fährt bereits auf mehreren Schiffsklassen der Deutschen Marine und wird international nachgefragt, deshalb verschwindet mit dem Programm nur ein Abnehmer, nicht das Produkt.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen einem Zulieferer, der eine Produktfamilie variiert, und einem, der für ein einzelnes Vorhaben neu entwickelt. Wird ein Programm gestoppt, verliert der erste einen Kunden, der zweite seine gesamte Investition.

Dazu kommt die Position in der Lieferkette. Hensoldt hat nicht direkt an den Generalunternehmer geliefert, sondern an Thales Niederlande, und klärt die Abwicklung des Restbestands nun mit diesem Vertragspartner. Diese zweite Reihe dämpft den Ausschlag zusätzlich, wie das Unternehmen erst kürzlich beim Ausbau der Radarfertigung in Aalen gezeigt hat.

Wen trifft der Schaden, wenn ein Großprojekt scheitert?

Den Hauptschaden trägt die Ebene, die das Risiko der Neuentwicklung übernommen hat. Rund zwei Milliarden Euro sind bis zum Stopp bereits geflossen, und die Werft Damen Schelde Naval Shipbuilding hält eigene Schadensersatzansprüche für begründet.

Das Ministerium hat den Abbruch mit erheblichem Zeitverzug und absehbaren Kostensteigerungen begründet. Dazu kamen aus Sicht des Hauses unkalkulierbare Risiken. Ein Wechsel des Generalunternehmers hätte das Vorhaben nach dieser Prüfung nicht mehr gerettet und zugleich mögliche Ansprüche gegen die bisherige Werft entwertet.

Das Muster wiederholt sich in der deutschen Beschaffung auffällig oft. Bei der Entscheidung über die Zukunft der A400M und beim Kampfsystem der F128-Fregatten laufen die Programme dann rund, wenn eingeführte Systeme kombiniert statt neu erfunden werden.

F126: Ein Programm bricht weg, ein Zulieferer bleibt stehen
Warum ein Auftrag über 200 Millionen Euro entfällt, ohne die Prognose von Hensoldt zu bewegen
Symbol Geldscheine
18 Mrd. €
Veranschlagtes Volumen des gestoppten F126-Programms für sechs Fregatten
Symbol fallender Pfeil
rund 2 Mrd. €
Mittel, die bis zum Programmstopp bereits geflossen sind
Symbol Radarsignal
200 Mio. €
Gesamtes Auftragsvolumen von Hensoldt im F126-Programm
Symbol bestätigtes Abzeichen
über ein Drittel
Anteil davon, der bei Hensoldt bereits als Umsatz verbucht ist
Was an die Stelle der F126 treten soll
F126, sechs Schiffe
18 Mrd. €
Neuentwicklung unter niederländischer Generalunternehmerschaft, gestoppt am 24. Juni 2026
MEKO A-200 DEU, erste vier Schiffe
6,3 Mrd. €
Eingeführter Entwurf, vier weitere Einheiten als Option für rund 5,3 Milliarden Euro

Nicht das größte Budget schützt vor einem Programmabbruch, sondern der Verzicht auf die Sonderanfertigung. Hensoldt verliert einen Kunden, weil das Radar schon vorher mehrere hatte.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was Entscheider aus dem F126-Aus mitnehmen

Die Lehre reicht weit über den Schiffbau hinaus und gilt für jede größere IT-Beschaffung. Eine Individualentwicklung bindet den Lieferanten an genau ein Vorhaben, ein konfigurierbares Standardprodukt verteilt dessen Risiko auf viele Kunden.

Zwei Prüffragen lassen sich daraus für die nächste Vergabe ableiten:

  • Existiert die zugekaufte Komponente auch außerhalb dieses Projekts, mit anderen Abnehmern und eigenem Entwicklungsbudget?
  • An welcher Stelle der Kette sitzt der Vertragspartner, und wer haftet zuerst, wenn das Vorhaben abgebrochen wird?

Der Beschaffungsprozess ist damit nicht abgeschlossen: Die Vergabe der MEKO A-200 DEU steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Haushaltsausschusses. Prüfen Sie bei laufenden Ausschreibungen deshalb jetzt, welche Positionen Ihres Lastenhefts eine echte Sonderentwicklung erzwingen, und streichen Sie jede, die ein eingeführtes Produkt genauso erfüllt.

Quelle

[1] Bundeswehr: „Verteidigungsministerium beendet das Rüstungsprojekt Fregatte F126“

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