Die Bundeswehr verhandelt über bis zu 20 neue Airbus A400M. Hinter der Order steckt mehr als Truppentransport, denn ohne frische Aufträge stünde die Produktionslinie in Sevilla vor dem Aus. Für Europas Verteidigungsindustrie hängt an dieser Entscheidung ein ganzes Werk.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer A400M ist Europas größter Militärtransporter, und seine Fertigung läuft langsam leer. Ende 2028 könnte das Werk in Sevilla schließen, sofern keine neuen Aufträge kommen. Genau an dieser Stelle setzt der Bundestag jetzt einen Hebel an.
Das Wichtigste in Kürze
- 3,59 Milliarden Euro Verpflichtungsermächtigung bis 2032 hat der Haushaltsausschuss Anfang Juli freigegeben, nach zuvor gut 1,4 Milliarden.
- Laut Handelsblatt verhandelt die Bundeswehr über 15 bis 20 neue A400M. Airbus und das Verteidigungsministerium äußern sich nicht dazu.
- Deutschland fliegt bereits 53 Maschinen und ist damit weltweit größter A400M-Nutzer.
- Ohne Nachbestellungen droht der Endmontage in Sevilla ab Ende 2028 der Stillstand.
Warum steht die A400M-Produktion vor dem Aus?

Von 178 bestellten A400M hat Airbus bis Ende 2025 rund 137 ausgeliefert. Das Auftragsbuch leert sich, und für einen wirtschaftlichen Betrieb braucht die Endmontage in Sevilla etwa acht Maschinen pro Jahr. Airbus warnt seit Monaten offen, dass die Linie Ende 2028 in einen Fertigungsstopp fällt, samt Stellenabbau in der Endmontage.
Frankreich und Spanien stockten zuletzt um vier beziehungsweise drei Jets auf und verschoben das Aus so von 2027 auf 2028. Eine deutsche Order in zweistelliger Höhe wäre der erste wirklich große Rückhalt. Der Haushaltsausschuss hat dafür Anfang Juli den finanziellen Rahmen auf 3,59 Milliarden Euro bis 2032 erhöht, nach zuvor gut 1,4 Milliarden.[1]
Was können die neuen Maschinen mehr?
Die neuen A400M sollen laut Handelsblatt ältere Exemplare ablösen und deutlich mehr leisten als reinen Transport. Im Gespräch sind moderne Selbstschutzsysteme, elektronische Kriegsführung und die Rolle als Träger für Drohnen oder den Marschflugkörper Taurus. Aus dem fliegenden Lkw würde damit eine Waffenplattform.
Der Schritt passt in ein Muster. Rheinmetall sichert sich Milliardenaufträge, Hensoldt baut in Aalen eine ganze Radarfertigung auf, und selbst der Motorenbauer Deutz greift mit der FFG-Übernahme ins Rüstungsgeschäft. Europas Beschaffung zieht an, und die Industrie richtet ihre Werke darauf aus. Auch die Abwehr von Drohnen rückt in den Fokus, was die geplante Drohnenträger-Rolle des Transporters zusätzlich erklärt.
Deutschland bestellt hier nicht einfach Flugzeuge, Deutschland hält eine europäische Fertigungslinie am Leben. Der eigentliche Wert dieser Order steht in Sevilla, nicht auf dem Rollfeld.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Rund 137 von 178 bestellten A400M sind bis Ende 2025 ausgeliefert. Für einen wirtschaftlichen Betrieb braucht Sevilla etwa acht Maschinen pro Jahr. Sieben NATO-Staaten warben zuletzt gemeinsam für eine europäische A400M-Flotte.
Was bedeutet das für deutsche Entscheider?
Für Zulieferer und Mittelständler im Wehrtechnik-Umfeld ist die Order ein klares Signal: Der Nachschub aus dem Sondervermögen erreicht jetzt auch teure Großplattformen, nicht nur Munition und Fahrzeuge. Anbieter von Kapazitäten in Elektronik, Sensorik oder Wartung sollten die A400M-Lieferkette im Blick behalten.
Entschieden ist allerdings noch nichts. Airbus und das Ministerium bestätigen die Zahlen nicht, konkrete Verträge stehen erst in der zweiten Jahreshälfte an. Frühe Investitionen kalkulieren also mit einer Absicht, noch nicht mit einem Vertrag.
Quelle
[1] Handelsblatt: „Bundeswehr prüft Kauf neuer A400M von Airbus“ ↩
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