TKMS hat den ersten Großauftrag des Fregattenprogramms F128 vergeben: Der schwedische Rüstungskonzern Saab liefert für rund 800 Millionen Euro Kampfsystem, Radare und Aufbauten für vier neue Schiffe der Deutschen Marine. Zwischen Budgetfreigabe und Zuliefervertrag haben nur acht Tage gelegen.

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Beim Fregattenprogramm F128 legt TKMS ein für deutsche Rüstungsprojekte ungewohntes Tempo vor. Am 8. Juli hat der Haushaltsausschuss des Bundestags das Budget freigegeben, am 16. Juli folgt bereits der erste Großvertrag mit einem Systemlieferanten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Saab rüstet vier F128-Fregatten für rund 800 Millionen Euro mit Kampfsystem, Radaren, Sensoren und Komposit-Aufbauten aus.
  • Die Lieferungen laufen von 2029 bis 2032; TKMS baut als Generalunternehmer in Deutschland.
  • Der Bund hält eine Option auf vier weitere Schiffe, aktivierbar bis Ende 2026.
  • Das Vorgängerprojekt F126 hat Verteidigungsminister Boris Pistorius Ende Juni gestoppt.

Was liefert Saab für die neuen Fregatten?

Modellschiff mit Preisschild, davor Koffer mit Aufschrift
Saab liefert Kampfsystem und Radare für vier deutsche Fregatten für 800 Millionen Euro von 2029 bis 2032

Saab liefert für rund 800 Millionen Euro das 9LV-Kampfsystem samt Feuerleitung, das Langstreckenradar Sea Giraffe 4A, das Mehrzweckradar Sea Giraffe 1X, passive Sensoren und Deckaufbauten aus Kompositwerkstoff. Die Lieferungen für die vier Fregatten laufen von 2029 bis 2032.

Damit wird schwedische Elektronik zum Nervensystem der Schiffe: Das 9LV-System verknüpft Sensoren und Waffen, die Radare übernehmen die Luft- und Seeraumüberwachung[1]. Ausgelegt ist die MEKO A-200 DEU, so der Typenname der F128, vor allem auf die U-Boot-Jagd im Nordatlantik.

Für TKMS ist das Programm der größte Überwasserschiff-Auftrag der Firmengeschichte[2]. Konzernchef Oliver Burkhard erklärt: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, diese Schiffe aufgrund der Sicherheitslage sehr schnell zu bauen, wie es die Verträge vorsehen.“

Warum ging die Vergabe so schnell?

Die F128 basiert auf einem exportbewährten Seriendesign: Die MEKO-A-200-Familie fährt bereits für mehrere Marinen, und Saab arbeitet seit Langem mit TKMS zusammen. Die Systempakete lagen fertig verhandelt bereit; TKMS konnte direkt nach der Budgetfreigabe bestellen.

Der Kontrast zum Vorgängerprojekt fällt drastisch aus: Den F126-Auftrag hat 2020 die niederländische Damen-Werft erhalten, abgeliefert wurde bis zum Stopp Ende Juni kein einziges Schiff. Die F128 übernimmt diese Rolle mit einem Design von der Stange; das erste Schiff soll schon 2029 in Dienst gehen.

TKMS hat vom Bundestags-Votum bis zum ersten 800-Millionen-Vertrag mit Saab acht Tage gebraucht. An diesem Takt muss sich künftig jedes Beschaffungsprojekt der Bundeswehr messen lassen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
F128 in Zahlen: Vom Votum zum Vertrag
So schnell erreicht der Fregatten-Auftrag der Deutschen Marine die Lieferkette
800 Mio. €
erhält Saab für Kampfsystem, Radare, Sensoren und Komposit-Aufbauten
4 + 4
Fregatten fest bestellt, Option auf vier weitere bis Ende 2026
6,3 Mrd. €
hat der Haushaltsausschuss für die ersten vier Schiffe freigegeben
8 Tage
zwischen Budgetfreigabe und erstem Großauftrag an Saab

Der Zeitplan des F128-Programms

Ende Juni 2026
Verteidigungsminister Pistorius stoppt das verzögerte Vorgängerprojekt F126 und setzt auf die MEKO A-200 DEU.
8. Juli 2026
Der Haushaltsausschuss billigt vier F128-Fregatten und verlangt wegen gestiegener Stückpreise regelmäßige Fortschrittsberichte.
16. Juli 2026
TKMS beauftragt Saab mit dem 9LV-Kampfsystem, zwei Sea-Giraffe-Radaren, passiven Sensoren und Komposit-Aufbauten.
2029–2032
Saab liefert die Systeme aus; das erste Schiff soll 2029 an die Deutsche Marine gehen.

Wohin fließt das Geld aus der Auftragskaskade?

Laut dem Fachmedium hartpunkt hat der Haushaltsausschuss rund 6,3 Milliarden Euro für vier Schiffe freigegeben. Rund ein Achtel davon geht mit dem ersten Zuliefervertrag nach Schweden, der Rest verteilt sich über TKMS auf Schiffbau und weitere Systemlieferanten.

Ein Muster zeichnet sich ab: Die Zeitenwende-Milliarden erreichen die zweite Reihe der Industrie. Hensoldt baut sein Werk in Aalen zur Radarfertigung um, während Rheinmetall sich knapp eine Milliarde für das digitale Training der britischen Armee gesichert hat. TKMS selbst verhandelt parallel über zwölf U-Boote für Kanada.

Ganz ohne Auflagen kam die Freigabe nicht: Der Stückpreis ist laut hartpunkt um rund 70 Prozent auf etwa 1,57 Milliarden Euro gestiegen, der Ausschuss verlangt regelmäßige Fortschrittsberichte[3]. Seit dem Börsengang im Oktober 2025 fährt TKMS als eigenständiges Unternehmen; thyssenkrupp hält noch 51 Prozent und will auch die Stahlsparte an die Börse bringen.

Für Zulieferer aus Elektronik, Software und Verbundwerkstoffen lohnt sich der Blick auf den Kalender: Die Option auf vier weitere Fregatten läuft bis Ende 2026, weitere Systempakete vergibt TKMS in den kommenden Monaten.

Quellen

[1] Saab: „Saab receives order to equip the German Navy’s new frigates“ (16. Juli 2026)

[2] TKMS: „Next Step for the MEKO A-200 DEU: Budget Committee Approves Procurement of four Frigates“ (8. Juli 2026)

[3] hartpunkt: „MEKO A-200 DEU: Haushaltsausschuss knüpft Zustimmung zur Beschaffung der F128 an Bedingungen“

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