Visa hat die Visa Stablecoin Platform vorgestellt: eine Umgebung, in der Banken und Fintechs den Konsortium-Stablecoin Open USD prägen, bewegen und verwalten. Für die etablierten Emittenten Circle und Tether wird die Lage damit ernst.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie neue Stablecoin-Plattform macht Visa vom Kartennetz zum Infrastruktur-Anbieter für digitale Dollar[1]. Einen Vorgeschmack hat der Markt schon am 30. Juni bekommen, als die Aktie des USDC-Emittenten Circle nach der Open-USD-Ankündigung rund 17 Prozent verloren hat. Jetzt liefert Visa das Werkzeug, mit dem Finanzinstitute genau diesen Stablecoin in Betrieb nehmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Visa hat am 16. Juli 2026 die Visa Stablecoin Platform vorgestellt: Prägen, Übertragen und Verwalten von Stablecoins samt Wallet-Service, als Beta mit ausgewählten Kunden.
- Erste Währung ist Open USD, ein Konsortium-Stablecoin von mehr als 140 Unternehmen, darunter Mastercard, Stripe, Coinbase und BlackRock.
- Die Zinserträge der Reserven fließen an die Partner statt an einen Emittenten; die Circle-Aktie hat darauf mit einem Kurssturz reagiert.
- In der EU braucht ein Dollar-Stablecoin eine MiCA-Zulassung als E-Geld-Token; der digitale Euro der EZB kommt frühestens 2029.
Was kann die Visa Stablecoin Platform?

Die Visa Stablecoin Platform bündelt das Prägen, Übertragen und Verwalten von Stablecoins in einer Umgebung, ergänzt um Wallet-Infrastruktur für Institute. Der Start läuft als Beta mit ausgewählten Kunden, zunächst für Open USD.
Zur Ausstattung gehören Freigabe-Workflows nach dem Vier-Augen-Prinzip, Audit-Protokolle und Transferkontrollen[1]. Institute nutzen wahlweise den Wallet-Service von Visa oder binden bestehende Wallets an. Damit knüpft der Konzern an seine Tokenized Asset Platform von 2024 an, über die Banken eigene Token ausgeben.
„Mit der Visa Stablecoin Platform geben wir unseren Kunden einen einzigen Ort, an dem sie Stablecoin-Operationen prägen, bewegen und verwalten, mit den Kontrollen, der Sicherheit und der Netz-Reichweite, die sie von Visa erwarten“, sagt Jack Forestell, Chief Product and Strategy Officer bei Visa[1].
Warum trifft Open USD Circle ins Mark?
Open USD verteilt die Zinserträge seiner Reserven nach einer kleinen Verwaltungsgebühr an die teilnehmenden Unternehmen. Klassische Emittenten behalten diese Erträge selbst; bei Circle stammen daraus rund 96 Prozent der Erlöse.
Hinter Open USD steht die Organisation Open Standard mit mehr als 140 Partnern. Der Token startet Ende 2026, Prägen und Einlösen bleiben gebührenfrei und ohne Volumengrenzen, die Governance liegt bei einer unabhängigen Organisation statt bei einem einzelnen Emittenten.
Der Mechanismus dahinter: Ein Stablecoin-Emittent legt die Kundengelder verzinst an, meist in US-Staatsanleihen, und behält die Erträge. Beim Open-USD-Modell fließen genau diese Reserveerträge an die Partner, die den Token in Umlauf bringen. Genau dieses Modell hat die Börse am 30. Juni eingepreist und die Circle-Aktie auf ein Vier-Monats-Tief geschickt.
Open USD dreht die Stablecoin-Ökonomie um: Nicht der Emittent verdient an den Reserven, sondern die Händler und Banken, die den Coin in Umlauf bringen. Der Kursrutsch von Circle ist deshalb kein Betriebsunfall, sondern eine Neubewertung des Geschäftsmodells.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Das Muster kennt Europa: Auch Wero ist ein Banken-Konsortium gegen etablierte Zahlungsanbieter und erreicht gerade über Lidl den Massenmarkt. Zeitgleich greifen Stripe und Advent nach PayPal, und Robinhood startet eine eigene Blockchain für tokenisierte Aktien. Die Zahlungsbranche sortiert ihre Infrastruktur neu.
- ◆ Ein einzelner Emittent verwahrt die Reserven und behält die Zinserträge komplett.
- ◆ Prägen und Einlösen kosten je nach Anbieter Gebühren.
- ◆ Ein Unternehmen kontrolliert den Token allein.
- ◆ Die Zinserträge fließen nach einer kleinen Verwaltungsgebühr an die Partner.
- ◆ Prägen und Einlösen bleiben ohne Gebühren und ohne Volumengrenzen.
- ◆ Eine unabhängige Organisation übernimmt die Governance.
- ◆ Visa liefert mit der Stablecoin Platform die Betriebsumgebung für Banken und Fintechs.
Was bedeutet der Konsortium-Stablecoin für Europa?
In der EU dürfen Stablecoins nur mit MiCA-Zulassung als E-Geld-Token angeboten werden, der Emittent braucht eine Lizenz in der EU. Ohne sie bleibt Open USD für europäische Privatkunden gesperrt, wie es Tethers USDT bereits ist.
Die Übergangsfrist der EU-Kryptoverordnung MiCA[2] ist am 1. Juli 2026 abgelaufen; seither brauchen Krypto-Dienstleister eine vollständige Zulassung. Tether verzichtet auf eine MiCA-Autorisierung, große Börsen haben USDT für Privatkunden im Europäischen Wirtschaftsraum aus dem Angebot genommen. Für Open USD entscheidet die Lizenzfrage, ob der Token in Europa mehr als ein B2B-Werkzeug wird.
Die EZB warnt zugleich, dass Dollar-Stablecoins die geldpolitische Souveränität der Eurozone untergraben können. Die europäische Antwort, der digitale Euro, startet frühestens 2029. Bis dahin füllen private Anbieter die Lücke, und die Sparkassen öffnen ihren rund 50 Millionen Kunden bereits den Zugang zum Krypto-Handel.
Für Entscheider heißt das: Prüfen Sie vor jeder Stablecoin-Integration den MiCA-Status des Tokens, und beobachten Sie, ob Open Standard eine EU-Lizenz beantragt. Händler mit US-Geschäft sollten das Stablecoin-Settlement ab Ende 2026 durchrechnen, denn ohne Prägegebühren verschieben sich die Kosten zugunsten der Nutzer.
Quellen
[1] Visa: „Visa Introduces Platform for Stablecoin Minting, Movement and Management“ ↩
[2] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte (MiCA)“ ↩
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