Rheinmetall präsentiert mit der GMF140 seine erste eigene Fregatte und drängt damit in einen Markt, den in Deutschland bislang TKMS beherrscht. Das 140 Meter lange Schiff trägt 64 Startzellen und das US-Kampfsystem Aegis. Möglich macht den Sprung ein Werftzukauf, der ein halbes Jahr zurückliegt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAls Hersteller von Panzern, Munition und Flugabwehr ist Rheinmetall bekannt. Am 3. August 2026 stellte der Düsseldorfer Konzern ein Kriegsschiff vor: die GMF140, eine Lenkwaffenfregatte von mehr als 6.000 Tonnen. Der Schritt ist kein Nebenprodukt, sondern das Ergebnis eines gezielten Umbaus.
Das Wichtigste in Kürze
- Rheinmetall präsentiert mit der GMF140 seine erste selbst entwickelte Fregatte, 140 Meter lang und über 6.000 Tonnen schwer.
- Das Schiff zielt zuerst auf ein Beschaffungsprogramm in Nordamerika, danach auf weitere NATO-Marinen.
- Grundlage ist die Übernahme der Marinesparte NVL mit der Hamburger Werft Blohm+Voss, abgeschlossen im März 2026.
- Im deutschen Marineschiffbau trifft Rheinmetall damit direkt auf TKMS.
Warum baut ein Panzerbauer plötzlich Fregatten?

Die Antwort liegt in Bremen und Hamburg. Zum 1. März 2026 übernahm Rheinmetall die Marinesparte Naval Vessels Lürssen mit rund 2.100 Beschäftigten und den Werften in Bremen-Vegesack, Wilhelmshaven, Wolgast und der Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss.[2] Damit kaufte der Konzern die Kompetenz ein, komplette Schiffe zu bauen, statt nur Kanonen und Sensorik zuzuliefern.
Der Einstieg ins Marinegeschäft verlief nicht geradlinig. Um die Kieler Werft German Naval Yards machte Rheinmetall zunächst einen Bogen, weil ohne das gekippte Fregattenprogramm F126 die Grundlage fehlte. Mit der GMF140 zeigt der Konzern jetzt, wofür der Werftzukauf gedacht war.
Was kann die GMF140?
Die GMF140 rangiert am oberen Rand der Fregattenklasse, nahe an einem Zerstörer. 64 senkrechte Startzellen in Strike-Length-Ausführung nehmen Flugabwehr-, Marschflug- und Abwehrraketen auf, dazu kommen ein 127-Millimeter-Geschütz, die Nahbereichsverteidigung SeaRAM, Torpedos und eine Laserwaffe.[1] Als Kampfsystem ist das US-amerikanische Aegis vorgesehen, alternativ das CMS330 von Lockheed Martin.
Die Aufgabenliste reicht von der Luft- und Raketenabwehr über die U-Boot-Jagd bis zum Angriff auf Landziele. Trotz dieser Bandbreite kommt das Schiff mit rund 90 Mann Kernbesatzung aus, erweiterbar um 35 weitere. Angeboten wird die GMF140 zuerst für ein Beschaffungsprogramm in Nordamerika, danach für weitere NATO-Marinen.
Was bedeutet das für den deutschen Marineschiffbau?
Im Überwasserschiffbau trifft Rheinmetall direkt auf TKMS, die frisch von thyssenkrupp abgespaltene Marinesparte. Deren MEKO-Entwürfe gelten als Maßstab für mittelgroße Fregatten. Für die deutsche Marine baut TKMS bereits die Klasse F128. Für die Bundeswehr modernisiert Rheinmetall zwar schon die Fregatte Bayern, doch ein eigenes Schiff hat der Konzern bisher nie verkauft.
Rheinmetall verkauft mit der GMF140 nicht nur Stahl, sondern die Fähigkeit, ein ganzes Waffensystem zu integrieren. Genau diese Systemhoheit war bisher die Stärke von TKMS.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Vorstoß nach Nordamerika ist kein Zufall. Nach dem Aus der US-Constellation-Klasse fehlt der amerikanischen Marine ein Schiff zwischen der leichten Fregatte FFG(X) und dem schweren Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse. Genau in diese Lücke zielt die GMF140. Für den deutschen Standort hängt an dem Programm vor allem eines: Arbeit für Blohm+Voss.
Ob aus dem Entwurf ein Auftrag wird, entscheidet sich erst in den kommenden Ausschreibungen; ein fahrender Prototyp existiert noch nicht. Beobachten Sie, welche Werft Rheinmetall für den Bau benennt, denn daran lässt sich ablesen, wie ernst der Konzern die Ansage an TKMS meint.
Quellen
[1] Rheinmetall: Pressemitteilung zur Vorstellung der Fregatte GMF140 vom 3. August 2026. rheinmetall.com
[2] Rheinmetall: Pressemitteilung zur Übernahme der Marinesparte Naval Vessels Lürssen (NVL). rheinmetall.com
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