Kaum ein Jahr nach dem Milliardenprojekt in Lübbenau plant die Schwarz-Gruppe Berichten zufolge das nächste Rechenzentrum bei Rostock, im Ort Dummerstorf. Bis zu 1,2 Gigawatt Anschlussleistung stehen im Raum, mehr als das Fünffache der Brandenburger Anlage. Der Lidl-Konzern baut damit im Norden weiter an einer europäischen Alternative zu den US-Cloudriesen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Rechenzentrum bei Rostock in dieser Dimension wäre die zweite Großinvestition von Schwarz Digits binnen weniger Monate. Offiziell bestätigt der Konzern den Standort noch nicht. Warum ausgerechnet der Nordosten in Frage kommt, verrät mehr über den Ausbau souveräner Cloud-Infrastruktur als jede Kapazitätszahl.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Standort ist Dummerstorf bei Rostock (Landkreis Rostock, Mecklenburg-Vorpommern); die Schwarz-Gruppe bestätigt ihn offiziell noch nicht.
- Berichtet werden bis zu 1,2 Gigawatt Anschlussleistung, mehr als fünfmal so viel wie der 200-Megawatt-Start im Rechenzentrum Lübbenau.
- Der Nordosten liefert reichlich Wind- und Solarstrom, das kühle Küstenklima senkt zusätzlich den Kühlaufwand.
- Es wäre nach Lübbenau (11 Milliarden Euro) das zweite Groß-Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe in Ostdeutschland und Teil der europäischen Cloud STACKIT.
Warum baut die Schwarz-Gruppe ausgerechnet bei Rostock?

Der Standort folgt dem Strom. Mecklenburg-Vorpommern erzeugt aus Windkraft an Land und auf See sowie aus Solarparks weit mehr Ökostrom, als das dünn besiedelte Land selbst verbraucht. Ein Rechenzentrum, das diese Leistung direkt vor Ort abnimmt, spart den teuren Transport in den Süden und läuft rechnerisch auf grünem Strom. Dazu kommt das kühle Küstenklima, das den Energiebedarf der Kühlung senkt, den zweitgrößten Posten nach der reinen Rechenlast.
Bestätigt ist der Standort nicht. Ein Sprecher der Schwarz-Gruppe, Lars Bank, sagte laut Nordkurier nur: „Wir schauen uns im Rahmen unserer Rechenzentrumsstrategie verschiedene Standorte an.“ Die offizielle Vorstellung soll den Berichten zufolge in den kommenden Tagen folgen, kurz vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Für die strukturschwache Region wäre die Ansiedlung ein seltener Erfolg.
Zwei Großprojekte in Monaten: Woher kommt das Tempo?
Rostock wäre kein Einzelfall. Erst im August machte Schwarz Digits mit dem 11 Milliarden Euro teuren Rechenzentrum Lübbenau Schlagzeilen, dessen Abwärme bis zu 75.000 Haushalte heizen soll.[1] Dazu kommen mehrere bestehende STACKIT-Standorte und der Cloud-Campus in Bad Friedrichshall. Mit Rostock käme das nächste, noch größere Vorhaben hinzu.
Das Tempo hat einen Grund. Der Discounter greift mit STACKIT AWS und Microsoft Azure an und braucht dafür Kapazität in einer Größenordnung, die einzelne Standorte längst übersteigt. Gemessen an den US-Hyperscalern, deren Investitionen 2026 auf über 600 Milliarden Euro klettern, bleibt selbst ein Elf-Milliarden-Projekt klein. Genau diese Lücke will Schwarz mit einem zweiten Großstandort verkleinern, ohne die Kontrolle über Daten und Technik aus der Hand zu geben.
Digitale Souveränität entscheidet sich nicht im Marketing, sondern an der Umspannstation. Eine europäische Cloud gegen die US-Riesen braucht Standorte, an denen grüner Strom im Überfluss steht und die Leitung frei ist.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Ausbau für Entscheider im DACH-Raum?
Die Regeln treiben den Trend. Das Energieeffizienzgesetz verlangt von neuen Rechenzentren seit Juli 2026 einen niedrigen Stromverbrauchsfaktor und ab 2027 hundert Prozent Grünstrom, was windreiche Standorte im Norden begünstigt. Zugleich zwingt der EU Data Act ab Januar 2027 die Anbieter, die Gebühren für den Cloud-Wechsel abzuschaffen, was den Umzug zu europäischen Anbietern wie STACKIT erleichtert. Der Strombedarf deutscher Rechenzentren dürfte laut Bitkom bis 2030 von rund 20 auf 25 bis 35 Terawattstunden steigen.[2]
Für die eigene Cloud-Strategie zählt weniger der Superlativ als die Verfügbarkeit. Braucht ein Unternehmen seine Daten zwingend in Europa, sollte es früh prüfen, ob ein Anbieter wie STACKIT die passende Kapazität und Region bietet, bevor die großen Standorte ausgebucht sind. Ein Blick in den Vertrag gehört dazu, damit der spätere Umzug nicht am Datenexport scheitert. Wie voll der deutsche Markt schon ist, zeigen Deutschlands zehn größte Rechenzentren. Ob in Dummerstorf tatsächlich gebaut wird, klärt sich in den nächsten Tagen.
FAQ: Das geplante Schwarz-Rechenzentrum bei Rostock
Wo plant die Schwarz-Gruppe ihr neues Rechenzentrum?
Nach Medienberichten soll das Rechenzentrum in Dummerstorf bei Rostock entstehen, im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Die Schwarz-Gruppe hat den Standort offiziell noch nicht bestätigt und spricht bislang nur allgemein von verschiedenen geprüften Standorten.
Wie groß wäre das Rechenzentrum bei Rostock?
Berichtet werden bis zu 1,2 Gigawatt Anschlussleistung, mehr als fünfmal so viel wie der 200-Megawatt-Start des Rechenzentrums Lübbenau. Die Investition soll im zweistelligen Milliardenbereich liegen und damit das 11-Milliarden-Euro-Projekt in Lübbenau übertreffen.
Warum baut Schwarz Digits im Nordosten?
Mecklenburg-Vorpommern erzeugt aus Wind und Sonne mehr Strom, als es selbst verbraucht. Ein Rechenzentrum vor Ort nutzt diesen Ökostrom direkt, spart den Transport in den Süden, und das kühle Küstenklima senkt zusätzlich den Energiebedarf der Kühlung.
Was ist STACKIT?
STACKIT ist die Cloud-Plattform der Schwarz-Gruppe, betrieben von der Digitalsparte Schwarz Digits. Sie versteht sich als souveräne europäische Alternative zu AWS, Microsoft Azure und Google Cloud und hält die Daten in Rechenzentren innerhalb der EU.
Quellen
[1] Schwarz Digits: „Rechenzentrum Lübbenau“
[2] Bitkom: „Rechenzentren in Deutschland: KI treibt das Wachstum“
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