Die Schwarz-Gruppe, bekannt für Lidl und Kaufland, hat in Bad Friedrichshall ihr größtes Projekt aller Zeiten eröffnet. Der Neubau ist kein Logistikzentrum, sondern der Hauptsitz ihrer Digitalsparte Schwarz Digits. Dahinter steckt Europas ehrgeizigster Angriff auf AWS und Microsoft.

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Schwarz Digits bündelt auf rund 20 Hektar, was in Deutschland lange als undenkbar galt: eine eigene Cloud, die es mit den US-Hyperscalern aufnehmen soll. Am 21. Juli 2026 hat die IT-Tochter des Handelskonzerns ihren Campus offiziell in Betrieb genommen.[1] Die eigentliche Nachricht ist nicht der Bau, sondern warum ausgerechnet ein Discounter ihn stemmt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Größtes Einzelprojekt der Schwarz-Gruppe: rund 20 Hektar, fünf Gebäudekomplexe, bis zu 5.000 Arbeitsplätze.
  • Der Campus ist der Sitz von Schwarz Digits, der Sparte hinter der souveränen Cloud STACKIT.
  • STACKIT betreibt eigene Rechenzentren in Deutschland und Österreich, gestützt auf über 23.000 Server.
  • Bund und SAP setzen bereits auf die Plattform, während US-Recht die Debatte antreibt.

Warum baut ausgerechnet ein Discounter an Europas Cloud?

Einkaufswagen beladen mit Servern, dazu ein Anhänger mit der Aufschrift
Schwarz nutzt das AWS-Modell: Die IT-Infrastruktur der 14.200 Lidl- und Kaufland-Filialen bildet die Grundlast für Cloud-Services

Der Mechanismus dahinter ist von Amazon abgeschaut. AWS entstand aus der Infrastruktur, die der Onlinehändler ohnehin für sich selbst betrieb, und wurde erst danach an Fremde vermietet.

Schwarz kopiert dieses Modell. Die Kassensysteme, die Warenwirtschaft und die Onlineshops von rund 14.200 Lidl- und Kaufland-Filialen laufen rund um die Uhr und erzeugen die Grundlast, die ein externes Cloud-Angebot überhaupt wirtschaftlich macht.

Auf dieser Basis ist die souveräne Cloud STACKIT gewachsen, gestützt auf mehr als 23.000 Server und 30 Petabyte Daten.[2] Diese Rechenzentren sind der Kern, mit dem Schwarz Digits AWS und Azure angreift. Aus einem Nebenprodukt der Filialen ist eine Strategie geworden.

Warum ist die souveräne Cloud plötzlich ein Politikum?

Der Antrieb kommt aus Washington. Der US Cloud Act verpflichtet amerikanische Anbieter, Daten auf Verlangen herauszugeben, auch wenn die Server in Frankfurt stehen.

Genau hier setzt die souveräne Cloud an, denn die Daten bleiben unter EU-Recht. Der Sog ist in den letzten Wochen sichtbar geworden, als Airbus 70 Anwendungen von AWS zu einem europäischen Anbieter verlagerte und auch Bosch beim digitalen Engineering denselben Weg ging.

STACKIT hat den Beweis bereits geliefert: RISE with SAP läuft seit Oktober 2024 auf der Plattform, und für eine 250 Millionen Euro teure KI-Plattform des Bundes stellt Schwarz Digits die BSI-zertifizierte Infrastruktur bereit.[2]

Konkurrenz kommt von der Delos Cloud, einer SAP-Tochter auf Microsoft-Technik. Ob eine Cloud auf US-Software wirklich souverän ist, bleibt der wunde Punkt der ganzen Debatte.

Souveränität ist kein Häkchen im Vertrag, sondern die Frage, wer im Ernstfall den Stecker zieht. Schwarz beantwortet sie mit eigenen Servern, und genau das gibt STACKIT seinen Vorsprung.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Schwarz Digits in Zahlen

Der Cloud-Campus in Bad Friedrichshall und die Sparte dahinter

20 ha
Campus-Fläche, größtes Einzelprojekt der Schwarz-Gruppe
5.000
geplante Arbeitsplätze am neuen Standort
23.000+
Server als Basis der souveränen Cloud STACKIT
1,9 Mrd. €
Außenumsatz der Digitalsparte, deckt die Investitionen noch nicht
250 Mio. €
Die KI-Plattform des Bundes läuft auf STACKITs BSI-zertifizierter Infrastruktur.

Was heißt das für Ihre Cloud-Strategie?

Für Entscheider ändert sich mit dem Campus die Auswahl. Für SAP-Systeme unter deutschem Recht gibt es mit STACKIT erstmals eine Alternative jenseits der US-Anbieter, die groß genug ist, um ernst genommen zu werden.

Kostenlos ist die Unabhängigkeit aber nicht. Der Außenumsatz der Digitalsparte von 1,9 Milliarden Euro deckt die Investitionen in Rechenzentren und Personal noch nicht, und Souveränität hat oft einen Preisaufschlag. Auf welche Standorte Deutschland dabei baut, zeigt der Überblick der zehn größten Rechenzentren.

Dass Schwarz Digits es ernst meint, zeigt der Fokus: Die Sicherheitstochter XM Cyber ist kürzlich an CrowdStrike gegangen, und nach dem Abgang von Rolf Schumann wird die Führung allein auf die Cloud ausgerichtet. Prüfen Sie vor jeder Migration, ob „souverän“ die Rechtsträgerschaft meint oder nur den Serverstandort, denn allein das Erste schützt vor dem Zugriff fremder Behörden.

Quellen

[1] Schwarz Gruppe: „Projekt-Campus Bad Friedrichshall“

[2] Schwarz Digits: Unternehmens- und STACKIT-Informationen

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