Der Großhändler Metro hat seine eigenen Rechenzentren abgeschaltet und die komplette IT zu Google Cloud verlagert. Der IT-Dienstleister Wipro hat diese Migration über Jahre gesteuert. Das eigentliche Ziel liegt aber woanders: Erst dieser Umzug macht den Konzern KI-fähig.

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Die Cloud-Migration der Metro AG steht nun, und damit beginnt erst die eigentliche Arbeit. Der Düsseldorfer Großhändler hat seine Bestands-Rechenzentren geräumt und seine Anwendungen in eine Umgebung von Google Cloud verschoben. Nicht die künstliche Intelligenz war der schwierige Teil, sondern das Fundament darunter.

Das Wichtigste in Kürze

  • Metro hat seine eigenen Rechenzentren abgeschaltet und läuft jetzt auf Google Cloud.
  • Der Dienstleister Wipro steuert die Transformation seit Dezember 2020, im Juni 2025 verlängert.
  • Der Rechenzentrums-Ausstieg ist die Voraussetzung für KI, nicht die KI selbst.
  • Für den Mittelstand zeigt der Fall, wie Cloud-Abhängigkeit und Kontrolle zusammenhängen.

Warum ein Großhändler seine Rechenzentren aufgibt?

Ein Schild „Fundament für KI, 2026“, Watte, Beton und Draht auf grauem Untergrund
Metro migriert sein Rechenzentrum zu Google Cloud, um KI-Workloads flexibel zu skalieren und eine moderne, KI-fähige Infrastruktur aufzubauen

Alte Rechenzentren sind für KI-Lasten zu starr und zu teuer. Metro verlagert die IT deshalb zu Google Cloud, um Rechenleistung flexibel zu skalieren und eine KI-fähige Grundlage zu schaffen. Der Umzug bringt noch keine KI, macht sie aber erst möglich.

Die Datenlast zwingt zu diesem Schritt. Metro beliefert weltweit rund 15 Millionen Kunden aus Gastronomie und Handel. Allein das Belieferungsgeschäft ist im Geschäftsjahr 2024/25 um 14 Prozent auf 9 Milliarden Euro gewachsen und trägt fast 30 Prozent zum Konzernumsatz von 32,4 Milliarden Euro bei.[2]

Solche Mengen an Bestell-, Logistik- und Preisdaten lassen sich auf alter Hardware kaum in Echtzeit auswerten. Der Wechsel in eine skalierbare Cloud beseitigt dieses Nadelöhr: Rechenleistung lässt sich zubuchen, wenn ein KI-Modell läuft, und wieder abbestellen, sobald die Last sinkt. Genau diese Skalierbarkeit fehlt einem eigenen Rechenzentrum.

Nicht die KI ist das Projekt, sondern das Fundament

Metro und Wipro arbeiten seit Dezember 2020 zusammen, im Juni 2025 haben beide den Vertrag verlängert.[1] Der Rechenzentrums-Ausstieg ist bewusst in Etappen und risikokontrolliert abgelaufen, damit das laufende Geschäft nie stillstehen musste. Khaled Bagnan, CIO der Metro AG, nennt den Abschluss einen Meilenstein auf dem Weg zu einer skalierbaren, cloudbasierten und KI-fähigen IT-Landschaft.

Metro steht mit diesem Muster nicht allein. Airbus hat gerade 70 Anwendungen aus der Amazon-Cloud in eine souveräne französische Umgebung verlagert, Starbucks hat Microsoft- und IBM-Software durch eigene KI-Werkzeuge ersetzt. Große Konzerne bauen ihr IT-Fundament um, bevor sie KI im Regelbetrieb einsetzen.

Die spannende Meldung ist nicht die KI, sondern der Rechenzentrums-Ausstieg davor. Ohne modernes Fundament bleibt jede KI-Strategie eine Absichtserklärung.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Metros Weg aus dem eigenen Rechenzentrum
Kennzahlen zum Großhändler und zur Cloud-Transformation
32,4 Mrd. €
Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2024/25
15 Mio.
Kunden aus Gastronomie und Handel weltweit
+14 %
Belieferungsgeschäft auf 9 Mrd. €, fast 30 % des Umsatzes
seit 2020
Partnerschaft mit Wipro, 2025 verlängert
Erst das Fundament, dann die KI
Schritt 1

Rechenzentren räumen

Metro schaltet die eigene Hardware ab und beendet den Eigenbetrieb.

Schritt 2

In die Cloud ziehen

Die Anwendungen wandern etappenweise und risikokontrolliert zu Google Cloud.

Schritt 3

KI aufsetzen

Auf der skalierbaren Basis laufen Automatisierung und KI-Werkzeuge.

Was der Mittelstand daraus mitnimmt?

Für KI braucht ein Unternehmen zuerst eine tragfähige IT-Basis. Der Metro-Fall zeigt aber auch das Risiko: Wandert die komplette IT zu einem US-Hyperscaler und einem externen Dienstleister, gibt ein Unternehmen Kontrolle über sein digitales Rückgrat ab.

Die Abhängigkeit ist der Preis der Modernisierung. Google Cloud ist ein US-Anbieter, und der amerikanische CLOUD Act erlaubt Behörden den Zugriff auf Daten solcher Konzerne, auch wenn sie in Europa liegen. Airbus hat sich deshalb bewusst für einen europäischen Anbieter entschieden. Ob Metro die Kontrolle über sein IT-Rückgrat behält, hängt jetzt an den Verträgen, nicht mehr an eigener Hardware.

Für kleinere Betriebe ergeben sich daraus konkrete To-dos: die eigene Datenbasis vor jedem KI-Projekt prüfen und im Vertrag festhalten, wo die Daten liegen und wie ein Ausstieg aussieht. Ein zweiter Anbieter im Hinterkopf hält die Tür offen. Dass die Basis stimmen muss, zeigt auch der KI-Stand im Mittelstand: Viele nutzen KI, nur wenige haben sie sauber integriert.

Quellen

[1] Wipro: „METRO AG Achieves Major Milestone in Partnership with Wipro Towards AI-Led Transformation“

[2] Metro AG: Geschäftszahlen 2024/25 (Hauptversammlung)

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