SAP-Kunden mit ECC oder S/4HANA im eigenen Rechenzentrum bekommen künftig Zugang zur hauseigenen KI, bisher ein reines Cloud-Privileg. Den Zugang knüpft der Konzern aber an Bedingungen, die sich wie eine halbe Cloud-Migration lesen. Auf der Goldman-Sachs-Technologiekonferenz am 8. September 2026 bekräftigte SAP den Kurs, den der Konzern schon im Mai auf der Sapphire eingeschlagen hatte.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Das Wichtigste in Kürze

  • SAP öffnet sein Business-AI-Portfolio und einen Teil des Assistenten Joule für On-Premise-Systeme mit ECC und S/4HANA.
  • Diesen Zugang erhalten nur Kunden, die den Großteil ihrer Landschaft auf RISE with SAP umstellen und den Max Success Plan buchen.
  • Treiber ist die schwache Akzeptanz: nur 3 Prozent der Anwender nutzen SAP Business AI produktiv, 77 Prozent setzen auf fremde KI.
  • Die Wartung der alten Business Suite endet 2027, kostenpflichtig verlängert bis 2030.

Was ändert SAP konkret?

Drehkreuz mit Schild „Cloud zuerst“ versperrt Weg zu leuchtendem KI-Würfel
SAP erweitert KI-Portfolio Joule auf On-Premise-Systeme mit ECC und S/4HANA für RISE-Kunden, behält vollständige Funktionen der Cloud vor

Joule für On-Premise. SAP bringt sein KI-Portfolio, die AI Foundation und einen Teil der Joule-Assistenten, erstmals in hybride Landschaften mit ECC und S/4HANA im eigenen Haus. Diesen Zugang erhalten nur Kunden, die ihre Modernisierung über RISE with SAP bereits begonnen haben. Den vollständigen Joule-Assistenten behält SAP dem Cloud-Vertrag vor, On-Premise bekommt eine Auswahl.

Die allgemeine Verfügbarkeit nennt der Konzern für das dritte Quartal 2026. SAP-Chef Christian Klein bezeichnet den Schritt als Übergangslösung für die Zeit der Migration. Die Kehrtwende kündigte sich bereits im Mai an, als SAP auf der Sapphire die KI zunächst den Cloud-Kunden vorbehielt.

Warum lenkt SAP jetzt ein?

Schwache Akzeptanz. Den Ausschlag gibt der eigene Kundenkreis. Laut dem Investitionsreport 2026 der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG nutzen nur 3 Prozent der Befragten SAP Business AI produktiv, während 77 Prozent ihre KI-Fälle mit Lösungen außerhalb des SAP-Kosmos betreiben, etwa mit Microsoft Copilot.[1] Einen KI-Fall überhaupt umgesetzt haben bisher 43 Prozent, 51 Prozent noch keinen.

Die exklusive KI war jahrelang der Hebel, mit dem SAP Bestandskunden in die Cloud treiben wollte. Genau dieser Hebel drohte zu brechen, weil viele Unternehmen ihre KI dauerhaft außerhalb von SAP lösen. Parallel rückt SAP die digitale Souveränität ins Schaufenster und baut mit der Telekom eine Cloud für die Bundesverwaltung.

SAP bietet seinen Bestandskunden die eigene KI an und verlangt im Gegenzug den halben Umzug in die Cloud. Die Rechnung geht nur auf, solange Microsoft und Co. nicht längst im selben System sitzen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was sollten Mittelständler jetzt prüfen?

Wartungsfrist 2027. Für deutsche Mittelständler hängt die Entscheidung an zwei Terminen. Die reguläre Wartung der alten Business Suite endet 2027, die kostenpflichtige Verlängerung läuft bis 2030. Steht der Umstieg auf S/4HANA ohnehin an, senkt das KI-Angebot die Hürde kaum, weil die Bedingung die Migration voraussetzt.

Vor einer Zusage lohnt sich eine nüchterne Rechnung. Was kostet die Cloud gegenüber dem bisherigen Wartungsbeitrag, und bringt Business AI im eigenen Prozess mehr als die bereits genutzte Fremdlösung? Erst danach stellt sich die Governance-Frage nach dem Zugriff eines Assistenten auf Produktivdaten. Wie sich solche Zugriffe einhegen lassen, zeigt Rewe in seiner Warenwirtschaft.

Für die meisten Bestandskunden bleibt die Reihenfolge deshalb unverändert: zuerst die Migration betriebswirtschaftlich durchrechnen, dann über die KI entscheiden, nicht umgekehrt.

SAP-KI für On-Premise: die Zahlen zum Kurswechsel

Warum SAP seine KI öffnet und was der Zugang kostet

3 %
der befragten Anwender nutzen SAP Business AI produktiv
77 %
setzen bei ihren KI-Fällen auf Anbieter außerhalb von SAP
50 %
Cloud-Umsatz, gemessen am bisherigen Wartungsbeitrag, als Zugangshürde
Q3 2026
geplante Verfügbarkeit der KI für On-Premise-Systeme

Die Bedingung

Den Zugang erhält nur, wer den Großteil seiner Landschaft auf RISE with SAP umstellt und den Max Success Plan bucht. Der vollständige Assistent Joule bleibt dem Cloud-Vertrag vorbehalten.

FAQ: SAP-KI für On-Premise-Kunden

Bekommen SAP-Kunden mit ECC und S/4HANA On-Premise jetzt KI-Funktionen?

Ja, teilweise. SAP öffnet sein Business-AI-Portfolio und ausgewählte Joule-Assistenten für On-Premise-Systeme mit ECC und S/4HANA. Voraussetzung ist ein begonnener Umstieg auf die Cloud über RISE with SAP. Die allgemeine Verfügbarkeit plant SAP für das dritte Quartal 2026.

Was kostet der Zugang zu SAP Business AI für On-Premise-Kunden?

Der Zugang ist nicht separat bepreist, sondern an einen Cloud-Umstieg gekoppelt. SAP verlangt einen begonnenen Wechsel auf RISE with SAP und den gebuchten Max Success Plan. Nach Branchenberichten müssen die Cloud-Umsätze mindestens die Hälfte des bisherigen On-Premise-Wartungsbeitrags erreichen.

Ist der Assistent Joule auch ohne SAP-Cloud nutzbar?

Der vollständige Joule-Assistent bleibt an einen Cloud-Vertrag gebunden. On-Premise-Systeme mit ECC oder S/4HANA erhalten nur eine Auswahl der Assistenten, und auch das nur für Kunden, die ihre Landschaft bereits mehrheitlich auf RISE with SAP verlagern.

Wann endet die Wartung für SAP ECC?

Die reguläre Wartung der SAP Business Suite 7 und damit von ECC läuft Ende 2027 aus. Danach bietet SAP eine kostenpflichtige erweiterte Wartung bis Ende 2030 an. Ein Teil der Anwender plant den Umstieg auf S/4HANA bis 2027, rund die Hälfte bis 2030.

Warum nutzen so wenige Unternehmen SAP Business AI?

Laut dem DSAG-Investitionsreport 2026 setzen nur 3 Prozent der befragten Anwender SAP Business AI produktiv ein, während 77 Prozent ihre KI-Fälle mit Lösungen anderer Anbieter wie Microsoft Copilot betreiben. Gründe sind fehlende Reife, Kosten und die Bindung an einen Cloud-Umstieg.

Quelle

[1] DSAG: „DSAG-Investitionsreport 2026“

Mehr Newshunger?

4,5 12 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?