Am 2. September 2026 meldete der taiwanische Zulieferer ProLogium den Start der Serienfertigung seines Feststoffakkus. Mercedes-Benz ist als exklusiver Entwicklungspartner beteiligt und sicherte sich Zugriffsrechte samt Sitz im Beirat. Der Sprung in die Massenfertigung löst ein altes Versprechen der Branche ein und rückt zugleich das nächste Nadelöhr in den Blick: die Ladesäule.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Serienstart: ProLogium fertigt die Gen-3.5-Zelle in Taoyuan, zunächst mit 0,5 Gigawattstunden Jahreskapazität.
- Kennzahlen: 381 Wattstunden pro Kilogramm und 903 pro Liter, rund 30 Prozent über heutigen NMC-Zellen und von TÜV Rheinland geprüft.
- Tempo: 10 auf 80 Prozent in unter acht Minuten im Labor, wofür rund 525 Kilowatt Ladeleistung nötig sind.
- Mercedes-Benz hält exklusive Zugriffsrechte und einen Sitz im Beirat des Herstellers.
Was steckt in ProLogiums Feststoffzelle?

Keramik statt Flüssigkeit. ProLogium ersetzt den flüssigen Elektrolyten klassischer Lithium-Ionen-Zellen durch einen keramischen Festkörper. Die Gen-3.5-Zelle erreicht damit 381 Wattstunden pro Kilogramm, ein Großformat mit 185,4 Amperestunden, geprüft von TÜV Rheinland.[1] Rund 30 Prozent mehr Energie pro Kilogramm als in heutigen NMC-Pouchzellen heißt mehr Reichweite bei gleichem Gewicht, gemessen an Langstrecken-Stromern wie dem BYD Da Han.
Serie statt Labormuster. Ankündigungen zu Feststoffzellen häuften sich über Jahre, von Toyota bis zu chinesischen Herstellern. ProLogium ist der erste Zulieferer, der die Technik tatsächlich vom Band laufen lässt, vorerst mit bescheidenen 0,5 Gigawattstunden und dem Ziel von ein bis zwei Gigawattstunden. Die Materialbasis liefern Zulieferer wie BASF, und wie schnell eine neue Zellchemie altert, zeigt erst der Alltag. Ein Grund, die Akku-Degradation im Auge zu behalten.
Warum bremst die Ladesäule den Feststoffakku?
525 Kilowatt. Die Acht-Minuten-Ladung gilt im Labor. Nach Branchenberechnungen müsste ein Ladepunkt dafür rund 525 Kilowatt abgeben. Deutschlands schnellste öffentliche Lader kommen heute auf etwa 400 Kilowatt, der Engpass wandert also von der Zelle zur Infrastruktur.
China zeigt das Tempo. Dass mehr geht, führt der Ferne Osten vor: Geely lädt ein E-Auto mit 1800 Kilowatt in fünf Minuten. In Deutschland fehlt dafür bislang die Hardware an der Straße. Auch ein Ladetarif, der solche Spitzenleistungen bezahlbar macht, existiert nicht.
Die Zelle ist der leichtere Teil der Rechnung. Die eigentliche Baustelle steht am Straßenrand, denn ohne 525-Kilowatt-Säulen bleibt die Acht-Minuten-Ladung ein Laborwert.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für europäische Flotten?
Antwort auf China. Für Mercedes-Benz ist die Beteiligung an ProLogium die technische Antwort auf Chinas Vorsprung bei den günstigen LFP-Zellen, an denen auch Lanxess mit einem eigenen Labor arbeitet. Die dichtere Zelle zuerst in Serie zu haben, verschiebt das Kräfteverhältnis in der Batterie-Wette zwischen Europa und Asien.
Nüchtern planen. Vor dem ersten Serienauto mit der neuen Zelle, das Mercedes im Oberklasse-Segment erwartet, liegen noch Jahre. Flottenbetreiber rechnen bis dahin besser mit realen Ladezeiten als mit Laborrekorden. Ein Blick auf den Wertverlust der heutigen E-Auto-Generation gehört in dieselbe Kalkulation.
FAQ: 381 Wh pro Kilo: Mercedes-Partner ProLogium bringt den Feststoffakku in Serie
Was ist ein Feststoffakku?
Ein Feststoffakku ersetzt den flüssigen Elektrolyten einer Lithium-Ionen-Zelle durch einen festen, meist keramischen Leiter. Das erlaubt höhere Energiedichten, senkt das Brandrisiko und spart Gewicht. ProLogium erreicht damit 381 Wattstunden pro Kilogramm, rund 30 Prozent mehr als heutige NMC-Zellen.
Wann kommt der Feststoffakku ins Serienauto von Mercedes?
Einen genauen Termin nennt Mercedes-Benz nicht. Die Serienfertigung der Zelle läuft seit September 2026 bei ProLogium an, der Einbau ins erste Serienfahrzeug dürfte im Oberklasse-Segment aber noch einige Jahre entfernt sein. Bis dahin bleiben klassische Lithium-Ionen-Akkus der Standard.
Wie sicher ist ein Feststoffakku im Vergleich zur Lithium-Ionen-Batterie?
Feststoffzellen gelten als sicherer, weil der feste Elektrolyt nicht auslaufen und nicht so leicht entflammen kann wie eine flüssige Lösung. ProLogium ließ die Zelle nach der Norm GB/T 43568-2026 für Feststoffbatterien prüfen. Ein Restrisiko bleibt, denn Langzeitdaten aus dem Straßenbetrieb fehlen noch.
Warum ist ein Feststoffakku teurer als eine LFP-Batterie?
Feststoffzellen sind in der Fertigung aufwendiger als die günstigen LFP-Akkus aus China, weil die keramische Schicht und das Großformat eine neue Produktionslinie verlangen. Deshalb wird der erste Einsatz im Premiumsegment erwartet. Mit steigender Stückzahl soll der Aufpreis sinken.
Quelle
[1] ProLogium Technology: „ProLogium Begins Mass Production of High-Energy-Density All-Solid-State Battery, Reaching 381 Wh/kg and 903 Wh/L“
Mehr Newshunger?
- 1800 Kilowatt: Geely lädt das E-Auto in fünf Minuten
- Bringt Webastos Standardbatterie mehr Reichweite? 40 kWh sagen ja.
- 90 Prozent günstiger: CATL repariert E-Auto-Batterien, statt sie zu tauschen
- Mercedes GLA elektrisch: Der EQA-Nachfolger beendet die Submarke EQ
- Vom Kundenparkplatz zum Ladehub: HAMBORNER REIT errichtet Schnellladeinfrastruktur an 20 Standorten