Rewe digital lässt KI-Agenten künftig an die Warenwirtschaft und die Logistik heran, baut aber vorher ein Kontrollgerüst darum herum. Die Technologietochter des Kölner Handelskonzerns steuert ihre kritischen Abläufe von der Bestellung bis zur Auslieferung seit Kurzem über die Orchestrierungs-Plattform des Anbieters Camunda. So dürfen autonome Agenten in die Kernprozesse, ohne dass die Kontrolle darüber an einen Cloud-Konzern abwandert.

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Der Vorgang klingt nach reiner IT, steckt aber voller Strategie. Ein Handelsriese mit dem Status kritischer Infrastruktur vertraut den schlüsselfertigen KI-Diensten der großen Cloud-Anbieter seine wichtigsten Prozesse nicht an und richtet sich lieber eine eigene Steuerungsschicht ein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rewe digital steuert Warenwirtschaft und Logistik über die Orchestrierungs-Plattform von Camunda, vom Bestellvorgang bis zur Rechnung.
  • KI-Agenten kommen in die kritischen Abläufe, aber nur mit lückenlosem Audit-Trail, festen Freigaben und menschlicher Aufsicht.
  • Als Betreiber kritischer Infrastruktur meidet der Konzern die schlüsselfertige Managed AI der Hyperscaler.
  • Die Steuerungsschicht bleibt modell-agnostisch, die KI dahinter lässt sich ohne Umbau austauschen.

Was plant Rewe digital mit Camunda?

Roboterarm greift Einkaufswagen, getrennt durch Band mit Schild
Rewe nutzt Camunda als zentrale Orchestrierungs-Schicht für Warenwirtschaft, Logistik, Bestellungen und Rechnungen mit Lieferanten und Partnern

Warenwirtschaft und Logistik laufen bei Rewe digital künftig über eine gemeinsame Orchestrierungs-Schicht. Camunda koordiniert darin Bestellungen, Rechnungen und die logistischen Abläufe mit Lieferanten und Partnern, quer über eine wachsende Zahl interner wie externer Systeme. Die Software skaliert mit dem Prozessvolumen mit, das bei einem Konzern dieser Größe enorm ausfällt.[1]

Hinter der Tochter stehen rund 2.500 IT-Fachleute an elf Standorten in fünf Ländern, die mehrere Millionen Kunden pro Woche versorgen. Frank Rothmann, Senior Product Owner Workload Automation bei Rewe digital, nennt den Kern des Projekts: „Camunda gibt uns die Möglichkeit, komplexe, dynamische Prozesse so abzubilden, dass sie für alle Beteiligten verständlich sind.“ Die KI-Agenten sind dabei der nächste Schritt, nicht schon der heutige Stand.

Warum nicht die Managed AI der Hyperscaler?

Schlüsselfertige KI aus der Cloud nimmt dem Kunden Arbeit ab, verlagert aber auch die Kontrolle nach außen. Für einen Betreiber kritischer Infrastruktur liegt genau darin der Haken: Ein Ausfall in der Warenwirtschaft trifft die Versorgung, und die Pflicht zu lückenlosen Nachweisen lässt sich schwer an einen externen Dienstleister delegieren. Deshalb setzt Rewe die KI nicht als fertigen Dienst ein, sondern hängt die Modelle in eine eigene Steuerung.

Camunda sitzt dabei als Dirigent zwischen Agent und Ausführung. Die Plattform modelliert jeden Ablauf sichtbar, protokolliert über die Zeebe-Engine jeden Schritt und schiebt einen Agenten nur mit Freigabe und Eskalationspfad in den Prozess. Zugleich bleibt die Architektur modell-agnostisch: Ob GPT, Gemini oder Claude hinter einem Agenten arbeitet, lässt sich tauschen, ohne die Geschäftslogik neu zu schreiben. Genau diese Unabhängigkeit vom Anbieter suchen auch andere, etwa Schwarz Digits mit seiner bewusst europäischen Cloud.

Rewe kauft keine KI von der Stange, der Konzern baut sich das Geländer selbst, an dem die Agenten entlanglaufen. Autonomie ist im kritischen Betrieb nur so viel wert, wie sich hinterher jeder einzelne Schritt belegen lässt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für Entscheider in der DACH-Region?

Für Unternehmen im deutschsprachigen Raum liefert der Fall eine Blaupause. Der EU AI Act verlangt für risikoreiche KI-Anwendungen nachvollziehbare Entscheidungen und menschliche Aufsicht, die NIS2-Richtlinie schärft die Dokumentationspflichten für kritische Betreiber. Eine Orchestrierungs-Schicht mit Audit-Trail bedient beide Vorgaben an einer Stelle, statt sie jedem Agenten einzeln aufzubürden.

Der Ansatz zeigt außerdem, wie sich Agenten produktiv einsetzen lassen, statt im Pilotstadium festzustecken. Viele KI-Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern an der fehlenden Governance dahinter, wie auch Palo Altos Zukauf für die Sicherheitszentrale zeigt. Entscheider klären deshalb zwei Fragen vorab: Lässt sich jeder Schritt eines Agenten nachträglich belegen, und bleibt das KI-Modell austauschbar? Eine früh eingezogene Governance verschiebt die Haftungsfrage nicht auf später.

Rewe digital orchestriert seine KI-Agenten
So hält der Handelskonzern die autonomen Agenten in Warenwirtschaft und Logistik unter Aufsicht
2.500
IT-Fachleute bei Rewe digital betreiben die orchestrierten Prozesse
5
Länder mit elf Standorten spielen über eine Steuerungs-Schicht zusammen
3
Kernbereiche laufen über Camunda: Bestellung, Rechnung, Logistik
0
Anbieter-Lock-in, denn das KI-Modell hinter den Agenten bleibt austauschbar
So läuft ein Agenten-Schritt unter Kontrolle
Agent schlägt vorCamunda protokolliertMensch gibt freiProzess führt aus

Quelle

[1] Rewe digital und Camunda: „REWE digital setzt auf Camunda zur Orchestrierung unternehmenskritischer Geschäftsprozesse“ (Pressemitteilung, 26. August 2026)

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