RENK kennt man als Zulieferer für Panzergetriebe, doch der größte Wachstumsmarkt des Augsburger Konzerns liegt inzwischen im Rechenzentrum. Der Hunger der KI nach Rechenleistung treibt den Bau von Gasturbinen-Kraftwerken. RENK liefert die Mechanik zwischen Turbine und Generator und meldet für das erste Halbjahr 2026 einen Auftragsbestand von 7,4 Milliarden Euro.

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612,8 Millionen Euro an neuen Aufträgen in einem einzigen Quartal: So viel wie nie zuvor sammelte RENK im zweiten Quartal 2026 ein. Getrieben hat den Rekord das Rüstungsgeschäft, doch daneben öffnet der Getriebespezialist eine zivile Baustelle, die mit Panzern nichts zu tun hat.

Der Auslöser sitzt in den Rechenzentren. Jede neue KI-Anlage zieht so viel Strom, dass die Betreiber eigene Kraftwerke daneben stellen, und in diesen Kraftwerken steckt ein Bauteil aus Augsburg.

Das Wichtigste in Kürze

  • RENK verbuchte im zweiten Quartal 2026 einen Rekord-Auftragseingang von 612,8 Millionen Euro, der Auftragsbestand kletterte auf 7,4 Milliarden Euro.
  • Neben dem Rüstungsgeschäft liefert RENK künftig mechanische Komponenten für Gasturbinen-Generatoren, die Rechenzentren und KI-Infrastruktur mit Strom versorgen.
  • Die Fertigung in Augsburg soll bis 2030 von zuletzt 700 auf über 1.800 Getriebe pro Jahr wachsen.
  • Für 2026 rechnet RENK mit mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz und einem bereinigten EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro.

Warum verdient ein Getriebebauer am KI-Boom?

Eine Turbinenmaschine, beschriftet mit „Strom für die KI“, ist durch Kabel mit einem Haus verbunden
RENK liefert Getriebe für Gasturbinen-Kraftwerke, die neben KI-Rechenzentren entstehen, um deren enormen Stromverbrauch zu decken

Der Engpass des KI-Ausbaus ist längst nicht mehr der Chip, sondern der Strom. Neue Rechenzentren ziehen so viel Leistung, dass Betreiber Gasturbinen-Kraftwerke direkt neben die Serverhallen setzen. Zwischen Gasturbine und Generator sitzt ein präzises Getriebe, und genau dieses Bauteil liefert RENK.

So rückt der Konzern in dieselbe Lieferkette wie die großen Gasturbinenbauer Siemens Energy und GE Vernova, deren Anlagen den KI-Boom mit Strom versorgen. Ähnlich positioniert sich SMA Solar, das ebenfalls in die Stromversorgung von KI-Rechenzentren drängt, während in Deutschland immer größere Rechenzentren entstehen.

Was steckt hinter den Rekordzahlen?

Die Halbjahresbilanz 2026 fällt kräftig aus. Der Auftragseingang stieg um 29,7 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT legte um 10,1 Prozent auf 98,2 Millionen Euro zu, und die Marge verbesserte sich von 14,4 auf 15,4 Prozent.[1]

Um die Nachfrage zu bedienen, baut RENK die Fertigung in Augsburg aus. Statt zuletzt 700 Getrieben sollen dort bis 2030 über 1.800 pro Jahr entstehen, und der Konzern peilt für das Jahr einen Umsatz von 2,8 bis 3,2 Milliarden Euro an, rund das Doppelte von 2025.

Der eigentliche Engpass des KI-Booms steht nicht im Serverschrank, sondern im Kraftwerk davor. Genau dort sitzt RENK mit der Mechanik, ohne die keine Gasturbine ein Rechenzentrum antreibt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
RENK: vom Panzergetriebe ins Rechenzentrum

Rekordzahlen zum ersten Halbjahr 2026 und der Sprung in die KI-Stromversorgung

612,8 Mio. €
Auftragseingang im zweiten Quartal 2026, so viel wie nie zuvor
7,4 Mrd. €
Auftragsbestand zum Halbjahr, historischer Höchststand
700 → 1.800
Getriebe pro Jahr aus Augsburg, geplanter Ausbau bis 2030

Das etablierte Geschäft

  • Getriebe für Kampfpanzer und Militärfahrzeuge
  • Antriebe für Schiffe und Industrieanlagen

Der neue Markt

  • Mechanik für Gasturbinen-Generatoren
  • Strom für Rechenzentren und KI-Infrastruktur
Der Engpass des KI-Ausbaus ist der Strom, nicht der Chip. RENK liefert das Getriebe zwischen Gasturbine und Generator und rückt so in die Lieferkette der KI-Rechenzentren.

Was bedeutet das für Entscheider im DACH-Raum?

Für Entscheider im DACH-Raum verschiebt sich der Flaschenhals des KI-Ausbaus von der IT zur Energie. Ein Rechenzentrum lässt sich schnell mit Servern füllen, doch Netzanschluss und Stromerzeugung entscheiden, ob der Standort überhaupt läuft. Die weltweite Nachfrage nach Rechenleistung, sichtbar an Nvidias Rekordumsatz und den milliardenschweren Rechenpakten der KI-Anbieter, macht diese Kapazität knapp. Selbst die größten deutschen Rechenzentren stoßen dabei an die Grenzen des Netzausbaus.

Zwei Dinge sollten Betreiber und Investoren daraus mitnehmen. Standortplanung beginnt heute bei der verfügbaren Leistung, nicht beim Grundstück, und industrielle Zulieferer wie RENK werden zum eigentlichen Nadelöhr der Skalierung. Die Lieferzeiten für Turbinen und Getriebe gehören damit genauso in die Planung wie die Verfügbarkeit von Chips.

Quelle

[1] RENK Group: „H1 2026: Record order intake for RENK with above-average increase in adjusted EBIT“ (Halbjahresmitteilung 2026)

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