Freenet holt seine Streaming-Tochter waipu.tv doch komplett ins eigene Haus, statt sie an die Börse zu bringen. Laut einem Bloomberg-Bericht steht der Mobilfunk- und TV-Konzern kurz vor einer Einigung, die verbliebenen Minderheitsaktionäre der Exaring AG auszuzahlen. Für Entscheider steckt die eigentliche Nachricht nicht im Kauf, sondern in der Kehrtwende dahinter.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Laut einem Bloomberg-Bericht will Freenet die Minderheitsaktionäre der Exaring AG auszahlen und waipu.tv vollständig übernehmen. Freenet wollte sich dazu nicht äußern.
- Der Streaming-Dienst könnte bei der Transaktion mit bis zu 1,5 Milliarden Euro bewertet werden, so Bloomberg. Bestätigt ist die Zahl nicht.
- Freenet hält bereits 74,6 Prozent an der Exaring AG und prüfte seit April 2026 auch einen Börsengang der Plattform.
- waipu.tv zählte Ende 2025 rund zwei Millionen zahlende Abonnenten und ist der wichtigste Wachstumstreiber im Konzern.
Was plant Freenet mit waipu.tv?

Freenet will die verbliebenen Minderheitseigner auszahlen und seine Streaming-Plattform ganz übernehmen. Der Konzern hält bereits 74,6 Prozent an der Exaring AG, dem Betreiber von waipu.tv.[1] Laut Bloomberg steht Freenet kurz vor einer Einigung mit den übrigen Anteilseignern, bei der die Plattform mit bis zu 1,5 Milliarden Euro bewertet werden könnte. Freenet wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Ob wirklich alle Minderheitsaktionäre verkaufen, bleibt offen.
Warum Rückkauf statt Börsengang?
Ein kompletter Rückkauf sichert Freenet die volle Kontrolle über die wachstumsstärkste Sparte. Seit April 2026 prüften der Konzern und die Minderheitsaktionäre gemeinsam mehrere Optionen für waipu.tv, ausdrücklich auch einen Börsengang.[1] Ein Listing hätte frisches Kapital gebracht, aber auch einen Teil des Wertzuwachses an neue Aktionäre abgegeben. Der Rückkauf dreht die Logik um: Freenet behält den gesamten Ertrag und umgeht den unsicheren Weg über ein schwaches Börsenjahr.
Konsolidierung prägt den deutschen TV-Markt gerade auf allen Ebenen. RTL rückte mit der Sky-Übernahme zur Nummer drei im Streaming auf. Kurz zuvor zog 1&1 den Streamingdienst Joyn in die eigene TV-Oberfläche. waipu.tv ist genau eine solche Aggregationsplattform, die lineares Fernsehen, Pay-TV und Mediatheken bündelt. Diese Schaltstelle steuert den Zugang zum Wohnzimmer. Diesen Zugang will Freenet nicht mit Börseninvestoren teilen.
Freenet spielt den Börsengang bis zum Schluss durch und entscheidet sich dann fürs Behalten. Die Aggregationsplattform ist der Zugang zum Wohnzimmer, den kein Konzern freiwillig aus der Hand gibt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie sich ein solcher Dienst überhaupt rechnet, zeigt der Blick auf das Geschäftsmodell Streaming mit seinem Mix aus Abo und Werbung. Ein zähes Jahr für Neuemissionen belegt zugleich der vorbereitete Börsengang von OpenAI, der sich bis 2027 zieht.
Der Strategieschwenk in drei Schritten
Was bedeutet der Deal für den deutschen Streaming-Markt?
Die Streaming-Oberfläche wird zur eigentlichen Machtfrage im Wohnzimmer. Kabel und Satellit verlieren an Boden, das Fernsehen wandert in Apps. Für Freenet passt der Komplettkauf zur Konvergenzstrategie, Mobilfunk und TV aus einer Hand zu verkaufen und Kunden enger zu binden.
Für Minderheitsgesellschafter ist der Fall lehrreich. Verkaufen nicht alle freiwillig, bleibt der Weg über einen aktienrechtlichen Squeeze-out, mit dem ein Großaktionär ab 95 Prozent die letzten Anteile gegen Abfindung übernehmen kann. Entscheider in ähnlichen Beteiligungen sollten früh klären, welche Bewertung realistisch ist und ob ein Verkauf dem Börsengang vorzuziehen ist. Fragen zu Datenhoheit und Vertragsbindung gehören ebenfalls früh auf den Tisch.
FAQ: Freenet und die waipu.tv-Übernahme
Übernimmt Freenet waipu.tv vollständig?
Laut einem Bloomberg-Bericht will Freenet die verbliebenen Minderheitsaktionäre der Exaring AG auszahlen und waipu.tv so komplett übernehmen. Freenet hält bereits 74,6 Prozent und wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Eine Einigung kann sich noch hinziehen oder scheitern.
Warum verzichtet Freenet auf den Börsengang von waipu.tv?
Freenet und die Minderheitsaktionäre prüften seit April 2026 mehrere Optionen, darunter einen Börsengang. Ein kompletter Rückkauf sichert Freenet die volle Kontrolle über die wachstumsstärkste Sparte und den gesamten Wertzuwachs, statt einen Teil an die Börse abzugeben.
Was ist waipu.tv?
waipu.tv ist eine deutsche TV-Streaming- und Aggregationsplattform der Exaring AG. Ende 2025 zählte sie rund zwei Millionen zahlende Abonnenten, über 300 Sender und mehr als 40.000 Filme und Serien auf Abruf. Freenet, O2 und regionale Anbieter vermarkten den Dienst.
Wie viel ist waipu.tv wert?
Laut Bloomberg könnte waipu.tv bei der Transaktion mit bis zu 1,5 Milliarden Euro bewertet werden. Bestätigt ist die Zahl nicht, Freenet äußert sich nicht dazu. waipu.tv gilt als wichtigster Wachstumstreiber im Freenet-Konzern.
Quelle
[1] freenet AG: „freenet unterstützt strategische Optionen für seine TV-Streaming- und Aggregationsplattform waipu.tv“
Mehr Newshunger?
- RTL Group macht KI zur Chefsache: Eigener Berater für den Vorstandschef
- Netflix: Wie rechnet sich das Streaming-Imperium?
- RTL sichert sich die MotoGP bis 2030 und holt ausgewählte Rennen zurück ins Free-TV
- Ceconomy-Übernahme: Brüssel prüft JD.coms Subventionen bis zum 2. Oktober
- Telekom kauft polnische Glasfaser: T-Mobile Polska wird zum Komplettanbieter
- Sky-Übernahme: RTL wird zur Nummer drei im deutschen Streaming