Der Elektronikkonzern Xiaomi verkauft künftig auch Speicher. Mit dem Xiaomi NAS namens Smart Storage steigt der Smartphone-Riese am 27. August in einen Markt ein, den bisher die Spezialisten Synology und QNAP unter sich aufteilten. Der Einstiegspreis liegt bei umgerechnet 345 Euro, Festplatte inklusive. Die eigentliche Nachricht ist für Entscheider weniger das Gerät als das Signal dahinter: Netzwerkspeicher wird zur Massenware und setzt die etablierten Anbieter unter Druck.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Xiaomi bringt mit Smart Storage seinen ersten NAS, den Verkauf startet am 27. August 2026 zunächst in China.
- Das Gerät hat zwei Laufwerksschächte, fasst bis zu 60 TB und liefert ab Werk Festplatten der Reihe WD Red mit.
- Die Preise reichen von 345 Euro für 4 TB bis 703 Euro für 16 TB und unterbieten Synology und QNAP im Einstieg.
- Der Vorstoß trifft einen Marktführer, der seine Kundschaft 2025 mit einer Festplatten-Sperre verärgert und sie wieder zurückgenommen hat.
Was steckt in Xiaomis erstem NAS?

Zwei Laufwerksschächte und ein ungewöhnlich niedriger Preis prägen Xiaomis Smart Storage. Das Gerät fasst zwei Festplatten mit zusammen bis zu 60 TB, ab Werk stecken Laufwerke der Reihe WD Red von Western Digital darin. Vier Gigabyte Arbeitsspeicher, ein 2,5-GbE-Netzanschluss sowie Anschlüsse für USB und HDMI runden die Ausstattung ab.[1] Drei Fassungen stehen bereit: 4 TB für 345 Euro, 8 TB für 448 Euro und 16 TB für 703 Euro (Stand 20. August 2026, 1 Euro = 7,82 Yuan).[2]
Lokal statt Cloud lautet das Verkaufsargument. Ein KI-Fotoalbum sortiert und durchsucht Aufnahmen direkt auf dem Gerät, dazu sichert der Speicher die Aufzeichnungen von bis zu vier Überwachungskameras und die Backups angeschlossener Xiaomi-Handys. Solche Funktionen kannte man bisher aus der Cloud von Apple oder Google, hier laufen sie auf einer Kiste im eigenen Regal. Dasselbe Prinzip treibt die quelloffene Foto-Cloud Immich, die viele Selbstständige als Ersatz für Google Fotos einsetzen.
Warum die alten Anbieter nervös werden
Der Platzhirsch schwächelt zum denkbar schlechten Zeitpunkt. Synology, seit Jahren die erste Adresse für Netzwerkspeicher, band im April 2025 seine neuen Plus-Modelle an eigene, zertifizierte Festplatten und sperrte Laufwerke von Western Digital oder Seagate teilweise aus, deren Ausfallraten sich je Hersteller ohnehin deutlich unterscheiden. Der Protest der Kundschaft war laut, im Herbst 2025 nahm Synology die Sperre mit dem Betriebssystem DiskStation Manager 7.3 wieder zurück. Xiaomi liefert seinen Speicher von Anfang an offen mit Standard-Laufwerken aus.
Nicht nur Xiaomi drängt in dieses Feld. Der Zubehörhersteller UGREEN verkauft seit 2024 auch in Europa eigene NAS-Geräte und unterbietet die Etablierten ebenfalls. Für Käufer bedeutet das sinkende Preise in einer Kategorie, die lange als teures Nischenprodukt galt. Wie stark Speicher an sich billiger geworden ist, zeigt der lange Preisverfall bei Festplatten und Arbeitsspeicher.
Xiaomi macht mit dem Speicher dasselbe wie mit dem Smartphone: solide Technik zum halben Preis, ausgeliefert über ein geschlossenes Ökosystem. Für Synology ist der niedrige Einstiegspreis die kleinere Sorge, die größere ist der Gewöhnungseffekt einer ganzen Nutzergeneration.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Im Alltag ersetzt ein solches Gerät zwei Dinge auf einmal: das Abo beim Cloud-Anbieter und die externe Platte für das regelmäßige Backup. Damit rückt eine Frage in den Vordergrund, die den Mittelstand umtreibt, seit ein britisches Gericht über Apples Verschlüsselung und den staatlichen Zugriff streitet: Wo liegen die eigenen Daten wirklich und wer kommt an sie heran?
Was das Gerät für den Mittelstand bedeutet
Datenhoheit hat zwei Seiten. Ein Speicher im eigenen Haus ist die naheliegende Antwort auf die Unsicherheit rund um US-Clouds und den Datenschutz nach der DSGVO. Genau deshalb setzen viele Selbstständige und kleine Firmen auf Netzwerkspeicher statt auf fremde Rechenzentren. Bei Xiaomi kippt der Vorteil allerdings, denn zahlreiche Funktionen verlangen ein Konto samt der App HyperOS, worüber die Daten zu einem chinesischen Anbieter zurückfließen. Der Gewinn an Souveränität steckt in der Kontrolle über die Hardware, nicht im Markennamen.
In Europa ist der Speicher vorerst nicht zu haben, Xiaomi bringt ihn zunächst nur in China auf den Markt. Für Entscheider im DACH-Raum zählt trotzdem die Richtung. Ein lokaler Speicher ergänzt die Cloud-Ablage sinnvoll, solange er offene Laufwerke zulässt, wie es Synologys Kehrtwende gerade vorgeführt hat. Und bei jedem Gerät mit App-Zwang gehört die Frage nach dem Datenabfluss vor den Kauf, nicht erst danach.
Was ist der Xiaomi NAS Smart Storage?
Der Xiaomi NAS mit Namen Smart Storage ist der erste Netzwerkspeicher des Konzerns. Das Gerät bietet zwei Laufwerksschächte, fasst bis zu 60 TB und liefert ab Werk Festplatten der Reihe WD Red mit. Der Verkauf startet am 27. August 2026.
Was kostet der Xiaomi NAS?
Xiaomi bietet drei Varianten an: 4 TB für rund 345 Euro, 8 TB für rund 448 Euro und 16 TB für rund 703 Euro (Stand 20. August 2026). Damit unterbietet der Speicher die etablierten Anbieter Synology und QNAP im Einstieg deutlich.
Kann man beim Xiaomi NAS eigene Festplatten nutzen?
Ja, der Xiaomi NAS arbeitet mit Standard-Festplatten in den Größen 3,5 und 2,5 Zoll. Anders als Synology, das seine Modelle 2025 zeitweise an eigene Laufwerke band, setzt Xiaomi von Beginn an auf offene Kompatibilität.
Ist der Xiaomi NAS in Deutschland erhältlich?
Vorerst nicht. Xiaomi bringt den Smart Storage zunächst nur in China auf den Markt. Ein Termin für Deutschland oder Europa steht noch aus. Günstige Netzwerkspeicher chinesischer Marken wie UGREEN sind hierzulande aber bereits zu haben.
Quellen
[1] IT-Home: Xiaomi Smart Storage: Vorbestellung des ersten NAS gestartet (Bericht, 20. August 2026)
[2] Sina Finance: Preise und Ausstattung des Xiaomi Smart Storage