OpenLogi verwaltet Logitech-Mäuse und -Tastaturen ohne Benutzerkonto. Die quelloffene Alternative zu Logi Options+ schreibt die Einstellungen direkt ins Gerät statt in eine Cloud. Auf Firmenrechnern berührt die Wahl zwischen beiden Programmen den Datenschutz und die betriebliche Mitbestimmung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenOpenLogi entstand ab dem 24. Mai 2026 im GitHub-Konto des Entwicklers AprilNEA. Knapp drei Monate später steht das Rust-Programm bei fast 10.000 Sternen. Die Version 0.7.1 erschien am 15. August 2026.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Quelloffen: OpenLogi ist in Rust geschrieben und steht unter MIT- sowie Apache-2.0-Lizenz.
- Ohne Konto: Tastenbelegung, DPI-Stufen, SmartShift und Profile laufen über Logitechs Geräteprotokoll HID++, die eigenen Vorgaben liegen in einer lesbaren TOML-Datei.
- Gegenstück: Logi Options+ schaltet die Smart Actions ab, sobald sich der Nutzer vom Logi-ID-Konto abmeldet.
- Reifegrad: Auf GitHub stehen 174 offene Issues bei 265 Forks.
Warum genügt für die Maus ein Programm ohne Cloud?

HID++ heißt das Protokoll, über das Logitech-Geräte ihre Einstellungen entgegennehmen. Die DPI-Stufen sitzen dort auf Feature 0x2201, die Freilauf-Umschaltung SmartShift auf 0x2111, und beide Werte speichert das Eingabegerät selbst.[2] Darüber liegt die Cloud als zusätzliche Schicht, die für die Grundfunktion nicht nötig ist.
Auf Linux führt das quelloffene Programm Solaar seit Jahren vor, wie weit sich Logitech-Hardware über diese Befehle steuern lässt. OpenLogi überträgt dasselbe Prinzip auf Windows und macOS. Das Programm belegt bis zu 44 Aktionen je Taste und zeigt den Ladestand jedes Geräts an.[1]
Was verlangt Logi Options+ an Konto und Daten?
Ein Logi-ID-Konto steht zwischen dem Anwender und den Smart Actions der Hersteller-Software; der Zugang läuft über ein eigenes Anmeldesystem, getrennt von Logi Tune und dem Sync Portal.[3] In den Anwendungseinstellungen sitzt zusätzlich ein Schalter für Diagnose- und Nutzungsdaten, und der Logi AI Prompt Builder setzt ein ChatGPT-Konto voraus.
Gegen diesen Zuschnitt wächst eine Gegenbewegung, die Daten auf dem eigenen Rechner hält. Auf dem Mac holt das quelloffene Werkzeug Nativ die KI-Modelle auf die lokale Festplatte, und beim Passwortmanager Bramble bleiben die Zugangsdaten ohne Cloud. OpenLogi überträgt denselben Ansatz auf die Peripherie.
OpenLogi
- Konto: nicht nötig
- Telemetrie: keine
- Einstellungen: TOML-Datei auf dem Rechner
- Lizenz: MIT und Apache 2.0
Logi Options+
- Konto: Logi ID für Smart Actions
- Datenfreigabe: Schalter für Diagnose- und Nutzungsdaten
- KI-Funktion: Prompt Builder braucht ein ChatGPT-Konto
- Lizenz: proprietär
Die Einstellungen liegen längst im Gerät, deshalb ist jede Anmeldepflicht bei Logi Options+ eine Produktentscheidung und keine technische Notwendigkeit. OpenLogi macht diesen Unterschied für jeden Administrator sichtbar.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Geräte im Unternehmen?
Mitbestimmung ist der Punkt, den IT-Leiter bei Zubehör-Software unterschätzen. Nach Paragraf 87 Absatz 1 Nummer 6 Betriebsverfassungsgesetz bestimmt der Betriebsrat bei technischen Einrichtungen mit, die zur Überwachung von Verhalten oder Leistung geeignet sind. Das Bundesarbeitsgericht legt diese Eignung objektiv aus und verlangt keine Überwachungsabsicht des Arbeitgebers.[4]
Für die Praxis heißt das: Software, die Nutzungsdaten an einen Hersteller meldet, gehört vor dem Rollout auf den Tisch des Betriebsrats, genau wie Kollaborationswerkzeuge, etwa Microsoft Teams mit seiner Standortfunktion. Zwei Schritte lohnen sich vorab: den Schalter für die Nutzungsdaten im Firmen-Image ausschalten und prüfen, ob sich die Tastenbelegung als TOML-Datei verteilen lässt.
Die Version 0.7.1 gilt dem Projekt selbst als noch nicht stabil, für einen Pilotversuch auf wenigen Rechnern reicht der Stand trotzdem. Vor der Massenverteilung sollten IT-Teams die nächste Version abwarten.
Quellen
[1] OpenLogi: Projektseite, „No account, no telemetry, no cloud“
[2] GitHub: AprilNEA/OpenLogi, Repository mit Lizenz, Releases und HID++-Features
[3] Logitech: „Options+ Account & Application Settings“
[4] Bundesarbeitsgericht: Beschluss 1 ABR 16/23 zur technischen Überwachungseinrichtung