Eigendrum verwandelt eine frei gezeichnete Form im Browser in einen Trommelklang, ganz ohne gespeicherte Klangdateien. Hinter der Spielerei steckt ein Physiklöser, der die Schwingungen der gedachten Membran ausrechnet und daraus den Ton baut. Für Entwickler und Designer zeigt das Projekt von Basel Ashraf, wie viel schwere Rechenarbeit heute direkt im Browser läuft.

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Eigendrum lässt Sie einen Kreis oder eine krakelige Kritzelei zeichnen und schlägt die Form sofort an wie ein Fell. Der Klang kommt nicht aus einer Bibliothek fertiger Aufnahmen, sondern entsteht in dem Moment neu, in dem Sie klicken. Genau dieser Unterschied macht das kleine Werkzeug für alle interessant, die Töne für Web, Spiele oder Oberflächen brauchen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eigendrum synthetisiert Trommelklänge aus einer beliebigen Form und läuft komplett im Browser, ohne Server und ohne Installation.
  • Statt Samples abzuspielen, löst das Werkzeug in Echtzeit ein physikalisches Schwingungsmodell der Membran.
  • Der Quellcode liegt offen, die Lizenz erlaubt aber nur die nicht-kommerzielle Nutzung.
  • Für Ton im Web heißt das: eigene Klänge ohne Sample-Lizenz, dafür mit einem klaren rechtlichen Kleingedruckten.

Was macht Eigendrum genau?

Trommel mit Polyederzeichnung, Stift, Text „kein Sample“ und Wellenform über dem Fell
Eigendrum: Kostenloses Web-Werkzeug, das gezeichnete Flächen in spielbare Schlaginstrumente umwandelt. Formen lassen sich freihand oder mathematisch definieren

Eigendrum ist ein kostenloses Web-Werkzeug des Entwicklers Basel Ashraf, das eine gezeichnete Fläche in ein spielbares Schlaginstrument übersetzt.[1] Sie geben die Form auf drei Wegen vor: per Freihand, über eine polare oder über eine kartesische Gleichung. Ein Klick auf die Fläche schlägt die Trommel an, und über einen Regler hören Sie einzelne Schwingungsmuster sogar isoliert heraus, was an einer echten Trommel niemand kann.

Wie entsteht der Klang ohne ein einziges Sample?

Den Ton berechnet Eigendrum aus der Physik der Membran, nicht aus einer Aufnahme. Das Werkzeug überzieht die Form mit einem Netz aus Dreiecken, stellt daraus die Bewegungsgleichungen auf und sucht die Eigenschwingungen der Fläche, also die Frequenzen, mit denen das Fell überhaupt schwingen kann.[1]

Ein Schlag regt diese Muster je nach Trefferpunkt unterschiedlich stark an, aus ihrer Summe entsteht der Klang. Fachleute nennen das modale Synthese, bekannt aus der Klangberechnung von Spielen. Netz, Lösung und Audio laufen dabei per WebAssembly vollständig auf Ihrem Gerät, ganz ohne Server. Denselben Weg gehen andere Frontend-Bausteine, die schwere Grafik heute direkt auf der Grafikkarte im Browser rechnen.

Der eigentliche Fortschritt steckt nicht im Trommelklang, sondern im Rechenweg. Ein Physiklöser, der früher einen Server brauchte, läuft heute im Browserfenster mit, und genau dort entstehen die nächsten Design- und Audio-Werkzeuge.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Kann man die Form einer Trommel wirklich hören?

Eigendrum spielt mit einer alten Frage. 1966 stellte der Mathematiker Mark Kac die berühmte Aufgabe, ob sich aus den Tönen einer Trommel ihre Form zurückrechnen lässt.[2] Die Antwort kam 1991: Carolyn Gordon, David Webb und Scott Wolpert konstruierten zwei verschieden geformte Trommeln, die exakt gleich klingen. Man hört die Form also nicht eindeutig heraus, und genau diese Mehrdeutigkeit lässt sich in Eigendrum nun selbst nachspielen. Das hebt das Projekt über die reine Fingerübung hinaus und macht ein Stück Hochschulmathematik im Browser anfassbar.

Eigendrum in Zahlen
Ein Trommelklang, den der Browser selbst ausrechnet
139
GitHub-Sterne
für das Projekt, gestartet im August 2026
0
gespeicherte Samples
jeder Ton wird beim Klick neu berechnet
100 %
im Browser
per WebAssembly, ohne Server im Hintergrund
3
Eingabewege
Freihand, polare und kartesische Gleichung

Vom Umriss zum Klang

1

Form zeichnen

Sie geben einen beliebigen Umriss vor, per Hand oder als Gleichung.

2

Netz und Lösung

Ein Netz aus Dreiecken deckt die Fläche ab, daraus fallen die Eigenschwingungen.

3

Anschlag klingt

Ein Schlag mischt die Schwingungen je nach Trefferpunkt zum Ton.

1966 fragte der Mathematiker Mark Kac: Kann man die Form einer Trommel hören? 1991 lautete die Antwort nein, denn zwei verschieden geformte Trommeln können gleich klingen.

Für den Praxiseinsatz lohnt der Blick auf das Kleingedruckte. Basel Ashraf stellt den Quellcode offen ins Netz, erlaubt aber ausdrücklich nur die nicht-kommerzielle Nutzung.[3] Für die Übernahme der Klänge in ein Produkt, ein Spiel oder eine Oberfläche klären Sie die Rechte vorab, statt sich auf das Wort quelloffen zu verlassen. Schneller am Ziel sind Teams ohnehin mit fertigen Sample-Sammlungen oder mit per KI erzeugten Soundeffekten, doch beide klingen bei jedem Klick gleich.

Als Ideengeber taugt Eigendrum trotzdem. Prozedural berechneter Ton braucht keine Klanglizenz und ändert sich mit jedem Parameter. Für Freelancer, Agenturen und Inhouse-Teams ist das Werkzeug damit weniger fertige Lösung als Fingerzeig, wohin sich Ton im Web bewegt.

Quellen

[1] Eigendrum: „Draw a shape, hear it as a drum“

[2] American Mathematical Society: „You Can’t Always Hear the Shape of a Drum“

[3] Basel Ashraf: Eigendrum auf GitHub (Lizenz und Quellcode)

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