Microsoft Teams erkennt künftig automatisch, von welchem Bürostandort aus Sie arbeiten. Die Funktion liest das Büro-WLAN oder angeschlossene Peripheriegeräte aus und aktualisiert daraufhin Ihren Anwesenheitsstatus. Für Unternehmen im DACH-Raum wirft das handfeste Fragen zu Datenschutz und Mitbestimmung auf.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Verbindet sich der Laptop morgens mit dem Firmennetz, meldet Teams künftig automatisch „im Büro“. Microsoft rollt die Funktion „Automatic Update of work location“ ab Juni 2026 weltweit aus, als Teil der Microsoft-365-Places-Suite. Gedacht ist sie für die Koordination hybrider Teams, doch der Zeitpunkt fällt mitten in die Debatte um Rückkehr-ins-Büro-Pflichten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Teams erkennt den Bürostandort über WLAN-Verbindung oder angeschlossene Geräte wie einen Monitor.
  • Die Funktion ist standardmäßig deaktiviert, ein Administrator muss sie ausdrücklich freischalten.
  • Standortdaten werden am Ende des Arbeitstags gelöscht, einen Verlauf legt Microsoft nach eigener Aussage nicht an.

Wie funktioniert die Standorterkennung?

Ein Bürostuhl mit einem hellblauen Kartennadel-Symbol darauf
Microsoft nutzt WLAN-Verbindung und Schreibtisch-Peripherie zur Standorterkennung in Teams. Administratoren können beide Signale kombinieren und die Funktion auf Abteilungen begrenzen

Zwei Signale nutzt Microsoft zur Erkennung. Verbindet sich ein Gerät mit einem hinterlegten WLAN oder einer zugeordneten Schreibtisch-Peripherie, leitet Teams daraus das Gebäude oder die Etage ab. Administratoren können beide Signale kombinieren, um die Genauigkeit zu erhöhen, oder die Funktion auf einzelne Abteilungen begrenzen. Außerhalb der Arbeitszeit bleibt der Status unverändert.

Opt-in als Schutz ist Microsofts zentrales Argument. Die Erkennung läuft nur, wenn ein Unternehmen sie aktiv einschaltet, und Beschäftigte entscheiden mit, ob sie ihren Standort mit Kollegen teilen. Sichtbar ist die Information ausschließlich innerhalb der Organisation, nicht für Microsoft selbst. Mehrfach verschobene Starttermine deuten allerdings darauf hin, dass dem Konzern die Brisanz bewusst ist.

Technisch mag das sauber gelöst sein, doch in deutschen Betrieben entscheidet nicht die Technik allein. Sobald ein System Anwesenheit misst, sitzt der Betriebsrat mit am Tisch.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das rechtlich für DACH-Unternehmen?

Ein weißer Bürostuhl mit einem orangefarbenen Standort-Icon auf der Sitzfläche
Betriebsräte haben Mitbestimmungsrecht bei Standorterfassung von Arbeitnehmern. Ohne Betriebsrat ist individuelle Einwilligung erforderlich

Mitbestimmung greift in Deutschland und Österreich. Arbeitsrechtler weisen darauf hin, dass eine automatische Standorterfassung als technische Einrichtung zur Verhaltens- und Leistungskontrolle gilt und damit der Mitbestimmung des Betriebsrats unterliegt. Wo keine Arbeitnehmervertretung existiert, kann eine individuelle Einwilligung der Beschäftigten nötig werden.

Bevor Sie die Funktion aktivieren, sollten Sie also den Betriebsrat einbeziehen und eine Betriebsvereinbarung prüfen. Klären Sie zudem, ob die Standardeinstellungen je nach Land unterschiedlich sein müssen. Microsoft beschreibt die Funktion und ihre Steuerungsoptionen in der Microsoft-365-Roadmap. Behandeln Sie die Erkennung als Koordinationshilfe, nicht als Anwesenheitskontrolle.

Mehr #Microsoft News

Mehr Newshunger?

4,5 18 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?