Ein Cobot arbeitet dort, wo ein klassischer Industrieroboter hinter Gitter müsste: direkt neben dem Menschen, ohne trennenden Schutzzaun. Universal Robots lieferte 2008 den ersten kollaborierenden Arm an einen dänischen Gummiverarbeiter, der damit seine CNC-Maschinen bestücken ließ. Fast zwei Jahrzehnte später verkauft die Branche jährlich über 64.500 dieser Leichtbauroboter. Trotzdem streiten Werkleiter und Betriebsräte weiter über eine einfache Frage.

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Der Name selbst verspricht Zusammenarbeit: Cobot steht für collaborative robot, den mitarbeitenden Roboter. Ob aus dem Versprechen im Fabrikalltag ein verlässlicher Kollege wird oder ein teurer Arm, der die meiste Zeit langsamer läuft als nötig, entscheidet sich an drei Dingen: der Anwendung, der Sicherheitsauslegung und dem nüchternen Blick auf die Grenzen. Genau die gehen wir an konkreten Beispielen durch.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Cobot ist ein kraft- und geschwindigkeitsbegrenzter Leichtbauroboter, der nach einer Risikobeurteilung ohne trennenden Schutzzaun neben Menschen arbeiten darf.
  • Laut IFR World Robotics 2025 wurden 2024 weltweit über 64.500 Cobots verkauft, rund zwölf Prozent aller neuen Industrieroboter, mit einem Plus von dreizehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Die Sicherheit regeln seit April 2025 die überarbeiteten Normen ISO 10218-1 und ISO 10218-2, in die die frühere Spezifikation ISO/TS 15066 mit ihren Kraftgrenzwerten eingeflossen ist.
  • Für kleine Betriebe liegt der Reiz in der schnellen Umrüstung und im Einsatz bei kleinen Stückzahlen, während Tempo, Traglast und Reichweite hinter schnellen Standardrobotern zurückbleiben.

Was ist ein Cobot, und wie unterscheidet er sich vom Industrieroboter?

Roboterarm greift Ei, Label „Kollege“ auf weißem Hintergrund
Cobots begrenzen Kraft und Tempo für sichere Zusammenarbeit mit Menschen, während klassische Industrieroboter in abgesperrten Zellen schwere Lasten schnell bewegen

Ein Cobot ist ein kollaborierender Leichtbauroboter, der Kraft und Tempo so begrenzt, dass er den Arbeitsraum sicher mit Menschen teilt. Der klassische Industrieroboter dagegen bewegt schwere Lasten schnell und präzise, bleibt dafür aber aus Sicherheitsgründen in einer abgesperrten Zelle. Die Trennlinie verläuft also nicht am Aussehen, sondern an der Frage, ob Mensch und Maschine denselben Platz nutzen dürfen.

Möglich macht das eine andere Bauweise. Ein kollaborierender Arm wiegt wenig, rundet seine Kanten ab und steckt voller Sensoren, die Berührungen und Widerstände sofort registrieren. Stößt der Arm an einen Menschen, stoppt die Mechanik in Millisekunden, statt weiterzudrücken. Der schwere Industrieroboter kennt diese Rücksicht nicht, weil hinter dem Zaun ohnehin niemand steht.

Den Anfang machte ein Start-up aus dem dänischen Odense. Universal Robots brachte 2008 mit der UR5 den ersten kommerziellen Arm auf den Markt, der sicher direkt neben Beschäftigten arbeiten konnte, ausgeliefert an den Gummispezialisten Linatex zur Maschinenbeschickung. Aus der Idee, Automatisierung auch für kleine Betriebe erschwinglich zu machen, wurde eine eigene Gerätekategorie, in der heute auch FANUC, KUKA aus Augsburg, ABB und Doosan mitspielen.

Beim Einrichten führt der Bediener den Arm oft von Hand durch die gewünschte Bewegung und speichert die Bahn, statt Code zu schreiben. Diese Handführung senkt die Einstiegshürde, weil kein eigener Roboterprogrammierer nötig ist. Ein klassischer Industrieroboter verlangt in der Regel eine aufwendigere Inbetriebnahme durch Fachleute.

Deutschland ist für diese Geräteklasse ein Schlüsselmarkt. Mit 449 Robotern je 10.000 Beschäftigten liegt die Industrie hier laut dem Verband IFR weltweit auf Platz drei. Viele dieser Arme stehen in genau den mittelständischen Betrieben, für die der Cobot erdacht wurde. Man kann den Leichtbauroboter als den Kleinwagen der Automatisierung sehen: nicht der schnellste, aber der, der in die meisten Höfe passt.

MerkmalCobotKlassischer Industrieroboter
Schutzzaunoft nicht nötig (nach Risikobeurteilung)zwingend, abgesperrte Zelle
Traglastmeist bis rund zehn Kilogrammbis mehrere Hundert Kilogramm
Geschwindigkeitgedrosselt zugunsten der Sicherheithoch, auf Taktzeit optimiert
ProgrammierungHandführung, einfache BedienungFachprogrammierung nötig
Typischer Einsatzflexible Aufgaben, kleine SerienMassenfertigung, hohe Stückzahlen
Cobots in Zahlen
Der kollaborierende Roboter wächst schneller als der Gesamtmarkt.
64.500
weltweit verkaufte Cobots im Jahr 2024
rund 12 %
Anteil an allen neu installierten Industrierobotern
+13 %
Wachstum gegenüber dem Vorjahr, bei leicht rückläufigem Gesamtmarkt
449
Roboter je 10.000 Beschäftigte in Deutschland, weltweit Platz drei

Wo arbeiten Cobots heute konkret?

Roboter stapeln Kartons falsch, daneben Schild: FAST RICHTIG
In Palettierung und Beschickung übernehmen Cobots die gleichförmige Wiederholung, für die sich kaum noch Personal findet.

Cobots übernehmen vor allem stumpfe, wiederkehrende Handgriffe: Maschinenbeschickung, Palettierung, Montage, Schrauben, Kleben, Schweißen und Qualitätsprüfung. Maschinenbeschickung und Palettierung gelten als klassische Einstiegsaufgaben, weil die Bewegung immer gleich abläuft und der Mensch für anspruchsvollere Arbeit frei wird.

In der Montage zeigt sich der eigentliche Reiz der Zusammenarbeit. Der Arm hält ein Bauteil ruhig in Position, während der Mensch Kabel steckt oder Schrauben setzt; beide teilen sich denselben Tisch. Solche Hand-in-Hand-Prozesse lohnen sich besonders dort, wo eine volle Automatisierung an zu kleinen Stückzahlen scheitern würde.

Ein wachsendes Feld ist das Schweißen. Gerade kleinen Metallbauern fehlt der Nachwuchs an gelernten Schweißern. Ein kollaborierender Arm zieht die immer gleiche Naht in konstanter Qualität, während die Fachkraft das Bauteil vorbereitet und die kniffligen Stellen selbst übernimmt. So verschiebt sich die knappe menschliche Arbeitszeit von der Routine zur eigentlichen Könnerschaft.

Ein Feld für sich ist die Qualitätsprüfung. Mit einer Kamera am Greifer fährt der Roboter jedes Werkstück eine feste Bahn ab und meldet Abweichungen, ohne zu ermüden. Wie stark die dahinterliegende Bildverarbeitung gerade wächst, zeigt der Auftragsboom beim Sensorspezialisten Basler, dessen Technik in vielen dieser Prüfzellen steckt.

Wie präzise kollaborierende Montage inzwischen läuft, zeigt die Forschung am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart. Dort positioniert eine Kamera von oben das Bauteil grob auf gut einen Zentimeter genau, ein stereoskopisches System am Werkzeug drückt die Genauigkeit unter einen Millimeter, und eine Kraftregelung gleicht die letzten Toleranzen aus. So lässt sich auch dann teilautomatisieren, wenn sich eine Vollautomatisierung wirtschaftlich nicht rechnet.

Auf den Punkt

Cobots glänzen bei stumpfen, gleichförmigen Aufgaben wie Maschinenbeschickung, Palettierung und Prüfung. Der größte Hebel liegt in der Montage, wo Mensch und Arm sich einen Tisch teilen und schon kleine Serien wirtschaftlich werden.

Arbeiten Cobots wirklich sicher ohne Schutzzaun?

Ein Roboterarm mit Greifer, der vorsichtig eine Seifenblase berührt oder hält
Erst eine Risikobeurteilung nach den Normen ISO 10218 und ISO/TS 15066 erlaubt die Arbeit ohne trennenden Schutzzaun.

Ohne Schutzzaun arbeiten Cobots nur, wenn eine Risikobeurteilung nachweist, dass die Kontaktkräfte unter den biomechanischen Grenzwerten bleiben. Die Sicherheit hängt also nicht am Etikett, sondern an der konkreten Anwendung: am Werkzeug, am Tempo und daran, was bei einer Berührung passiert.

Den Rahmen setzen seit dem 1. April 2025 die grundlegend überarbeiteten Normen ISO 10218-1 und ISO 10218-2, die erste große Revision seit 2011. Die frühere Spezifikation ISO/TS 15066 ging dabei im zweiten Teil auf, weil die Kollaboration eine Eigenschaft der Anwendung ist und nicht des Roboters allein. Neu hinzugekommen sind unter anderem Anforderungen an die Cybersicherheit. Die Norm unterscheidet vier Arten der Zusammenarbeit, von der bloßen Stopp-Überwachung bis zur echten Kraftbegrenzung.

Die vier Arten der Mensch-Roboter-Kollaboration
Nach ISO/TS 15066, überführt in ISO 10218-2:2025.
1
Sicherheitsbewerteter überwachter Halt
Der Roboter stoppt, sobald ein Mensch die gemeinsame Zone betritt, und läuft erst nach dessen Rückzug weiter.
2
Handführung
Der Mensch führt den Arm direkt von Hand und speichert Bahnen oder Griffe, ohne Code zu schreiben.
3
Geschwindigkeits- und Abstandsüberwachung
Das Tempo sinkt, je näher der Mensch kommt; unterschreitet der Abstand ein Minimum, hält die Maschine an.
4
Leistungs- und Kraftbegrenzung
Kontaktkräfte bleiben unter biomechanischen Grenzwerten, sodass ein Zusammenstoß nicht verletzt.

Herzstück bleiben die Kraft- und Druckgrenzwerte aus der alten Spezifikation. Die Norm listet diese Werte für 29 Körperregionen und trennt den kurzen Stoß vom dauerhaften Klemmen. Hier ist redaktionelle Vorsicht angebracht: Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung weist darauf hin, dass ein Teil dieser Grenzwerte experimentell noch nicht abschließend validiert ist und bis dahin unter Vorbehalt gilt. Das zugehörige Institut für Arbeitsschutz forscht mit Probandenstudien an belastbaren Werten.

In der Praxis entscheidet die Art der Berührung. Ein kurzer Stoß im freien Raum verträgt höhere Kräfte als ein Einklemmen zwischen Arm und Tisch, weshalb die Norm beide Fälle trennt. Sobald der Roboter ein scharfes oder heißes Werkzeug führt, endet die Kollaboration ohnehin: Ein Messer oder eine Schweißdüse lässt sich nicht durch eine Kraftgrenze entschärfen, hier bleibt trennende Technik Pflicht.

Damit ein Kontakt überhaupt sanft ausfällt, muss der Arm den Menschen spüren. Wie fein solche Tastsysteme werden, deutet die Entwicklung taktiler Roboterhände mit echtem Tastsinn an, die Druck und Rutschen an der Fingerspitze erkennen. Genau diese Sensorik entscheidet, ob die Leistungs- und Kraftbegrenzung in der Praxis funktioniert. In der Umsetzung hilft die Handlungshilfe DGUV Information FB HM-080 zu kollaborierenden Robotersystemen.

Auf den Punkt
  • Norm: Seit April 2025 regeln ISO 10218-1 und -2 die Sicherheit; ISO/TS 15066 ist darin aufgegangen.
  • Nachweis: Der zaunfreie Betrieb steht und fällt mit der Risikobeurteilung, nicht mit dem Etikett.
  • Vorbehalt: Ein Teil der Kraftgrenzwerte gilt laut DGUV noch als nicht abschließend validiert.

Der Cobot ist der erste Roboter, der sich dem Menschen anpasst statt umgekehrt. Er verkauft nicht Geschwindigkeit, sondern die per Risikobeurteilung erkaufte Erlaubnis, den Schutzzaun wegzulassen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bringt ein Cobot kleinen und mittleren Unternehmen?

Roboterarm vor Wand mit Werkzeugleiste, Greifer, Schneebesen und Saugnapf, dazu ein Täfelchen
Derselbe Arm wechselt Greifer und Aufgabe und verteilt so die Anschaffung über mehrere Prozesse.

Für kleine und mittlere Betriebe liegt der größte Nutzen in der schnellen Umrüstung: Ein Cobot lässt sich in Tagen statt Wochen auf eine neue Aufgabe umstellen und rechnet sich dadurch auch bei kleinen Stückzahlen. Genau dort scheiterte klassische Automatisierung bisher, weil sich eine fest verkettete Anlage erst bei großen Serien amortisiert.

Der zweite Hebel ist der Fachkräftemangel. Ein kollaborierender Arm übernimmt die eintönige Beschickung oder Palettierung, für die sich ohnehin kaum jemand findet; die vorhandene Belegschaft rückt an anspruchsvollere Stellen. Die niedrige Einstiegshürde der Handführung sorgt dafür, dass eigene Mitarbeiter den Arm einlernen, statt teure externe Programmierer zu buchen.

Ein oft übersehener Vorteil ist die Mehrfachnutzung. Derselbe Arm bestückt morgens eine Maschine und palettiert nachmittags am Versand, sobald Greifer und Programm gewechselt sind. Diese Flexibilität verteilt die Anschaffung auf mehrere Prozesse und verbessert die Rechnung, gerade wenn eine einzelne Aufgabe den Arm nie voll auslastet.

Nicht zu unterschätzen ist der ergonomische Gewinn. Wo bislang Menschen schwere Kartons stapelten oder in Zwangshaltung schraubten, übernimmt der Arm die belastende Wiederholung; Rücken und Handgelenke bleiben verschont. Für viele Betriebe ist das der eigentliche Grund, warum die Belegschaft den Kollegen aus Metall annimmt statt ihn zu fürchten.

Ob sich der Einstieg lohnt, lässt sich vorab prüfen. Im Cobot Knowledge Lab des Fraunhofer IPA entstanden gemeinsam mit dänischen Partnern Readiness-Checks, mit denen ein Betrieb Prozesszeiten und Kosten durchrechnet, bevor er investiert. Solche nüchternen Vorab-Analysen verhindern die teuerste Variante, den ungenutzten Roboter in der Ecke.

Reibung entsteht oft nicht am Arm, sondern an der Anbindung ans übrige System. Reden Steuerungen verschiedener Hersteller nicht miteinander, bleibt der Cobot eine Insel. Offene Plattformen wie die für fremde Software geöffnete Fabriksteuerung von Festo zielen genau darauf, kollaborierende Arme leichter in bestehende Linien einzubinden.

Auf den Punkt

Der Cobot senkt für kleine Betriebe die Automatisierungsschwelle: schnelle Umrüstung, Einsatz bei kleinen Serien, Einlernen durch eigene Leute. Ein Readiness-Check vor dem Kauf trennt den sinnvollen Fall vom Fehlkauf.

Wo stoßen Cobots an ihre Grenzen?

Roboterarm greift Hantel mit Gewichten; daneben Schild mit Aufschrift
Bei Traglast und Tempo bleibt der schnelle, eingezäunte Industrieroboter dem Cobot überlegen.

Cobots sind bewusst langsam und schwach: Genau die Begrenzung von Kraft und Tempo macht die Zusammenarbeit ohne Zaun erst sicher, kostet aber Traglast, Reichweite und Taktzeit. Für schnelle Massenfertigung mit schweren Teilen bleibt der eingezäunte Standardroboter überlegen. Daran ändert auch die beste Sensorik nichts.

Die Kraftgrenze wirkt doppelt. Der Schutz für den Menschen zwingt den Arm zugleich zu gemächlichem Tempo, sobald jemand in der Nähe steht. Viele Betriebe umgehen das, indem sie den Cobot nachts oder in menschenleeren Phasen schneller laufen lassen, was den Sicherheitsvorteil im Kern wieder aushebelt.

Dazu kommt die Wirtschaftlichkeit. Ein kollaborierender Arm kostet in der Anschaffung oft ähnlich viel wie ein schneller Standardroboter, leistet in reiner Stückzahl aber weniger. Rechnet ein Betrieb nur die Taktzeit, verliert der Cobot; sein Vorteil liegt in der Flexibilität und im Wegfall der Schutzeinrichtung, nicht im Durchsatz. Ein Rechenbeispiel: Entlastet der Arm eine Fachkraft nur zwei Stunden je Schicht, fiele die Amortisation deutlich länger aus als bei einem voll ausgelasteten Standardroboter.

Auch der Platz setzt Grenzen. Ein Cobot mit kurzer Reichweite kommt nur an Bauteile in Armnähe, für große Werkstücke ist eine Verfahrachse oder gleich ein größerer Roboter nötig. Und ein Betrieb, der die Kraftgrenzen umgeht und den Arm doch hinter einen Lichtvorhang stellt, hat am Ende einen langsamen Roboter in einer Zelle, also das Schlechteste aus beiden Welten.

Bleibt der offene Punkt bei den Grenzwerten. Solange ein Teil der biomechanischen Werte nach Einschätzung der DGUV noch unter Vorbehalt steht, tragen Integrator und Betreiber ein Restrisiko in der Auslegung. Ist der Cobot also Freund und Helfer? An der richtigen Stelle ja, als universelle Wunderwaffe nein.

Auf den Punkt
  • Tempo: Kraftgrenzen kosten Geschwindigkeit; für schnelle Serien bleibt der Standardroboter vorn.
  • Rechnung: Der Cobot punktet mit Flexibilität und Zaunfreiheit, nicht mit reinem Durchsatz.
  • Restrisiko: Offene Grenzwerte verlagern Verantwortung auf Integrator und Betreiber.

Glossar: 10 wichtige Fachbegriffe zu Cobots

Roboterarm blättert in aufgeschlagenem Buch über Technik mit Text „Cobot“
Zehn Fachbegriffe rund um kollaborierende Roboter, kompakt erklärt.

Cobot

Cobot (von englisch collaborative robot) bezeichnet einen kollaborierenden Leichtbauroboter, der Kraft und Tempo begrenzt und nach einer Risikobeurteilung ohne trennende Schutzeinrichtung neben Menschen arbeiten darf. Der Begriff grenzt ihn vom eingezäunten Industrieroboter ab.

DGUV

DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) ist der Spitzenverband der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Der Verband veröffentlicht Handlungshilfen zum Arbeitsschutz, darunter die Information FB HM-080 zu kollaborierenden Robotersystemen, und erforscht die Belastungsgrenzen für den Mensch-Roboter-Kontakt.

Handführung

Handführung (hand-guiding) ist eine der vier Kollaborationsarten. Der Mensch bewegt den Roboterarm direkt mit der Hand und speichert so Positionen oder Bahnen, ohne ein Programm zu schreiben. Das senkt die Einstiegshürde für Betriebe ohne eigene Roboterprogrammierung.

IFR

IFR (International Federation of Robotics) ist der internationale Robotik-Branchenverband mit Sitz in Frankfurt. Der jährliche Bericht World Robotics gilt als wichtigste Datenquelle für Installationszahlen, Roboterdichte und Markttrends, auch für den Cobot-Anteil.

Industrieroboter

Industrieroboter meint den klassischen, meist eingezäunten Roboterarm für die Massenfertigung. Er bewegt hohe Lasten schnell und präzise, arbeitet aber aus Sicherheitsgründen getrennt vom Menschen in einer abgesperrten Zelle. Der Cobot ist eine spezielle, kollaborierende Unterform.

ISO 10218

ISO 10218 ist die zweiteilige Sicherheitsgrundnorm für Industrieroboter. Teil 1 regelt den Roboter selbst, Teil 2 die Anwendung und Integration. Die Fassung von 2025 hat die kollaborativen Anforderungen der früheren ISO/TS 15066 aufgenommen.

ISO/TS 15066

ISO/TS 15066 war die technische Spezifikation für kollaborierende Roboter. Die Spezifikation definierte die biomechanischen Kraft- und Druckgrenzwerte für den Kontakt mit dem Menschen. Ihre Inhalte sind 2025 in ISO 10218-2 eingeflossen.

Leistungs- und Kraftbegrenzung

Leistungs- und Kraftbegrenzung (power and force limiting) ist die anspruchsvollste Kollaborationsart. Der Roboter darf den Menschen berühren, hält die Kontaktkräfte aber unter biomechanischen Grenzwerten, sodass eine Berührung nicht verletzt. So wird die engste Zusammenarbeit ohne Zaun möglich.

Roboterdichte

Roboterdichte misst die Zahl der Industrieroboter je 10.000 Beschäftigte und macht den Automatisierungsgrad von Ländern vergleichbar. Deutschland liegt mit 449 Robotern weltweit auf Platz drei. Die Kennzahl stammt aus dem World-Robotics-Bericht der IFR.

Risikobeurteilung

Risikobeurteilung ist die vorgeschriebene Prüfung, mit der ein Betrieb die Gefahren einer konkreten Roboteranwendung bewertet. Erst ihr Ergebnis entscheidet, ob ein Cobot ohne trennenden Schutzzaun laufen darf. Sie betrachtet Werkzeug, Tempo und mögliche Kontaktstellen.

FAQ: Cobot: Freund und Helfer? Praxisbeispiele

Roboterarm hält FAQ-Sprechblase aus Holz, kleiner grüner Pfeil am Gelenk
Die häufigsten Fragen zu Cobots, von den Kosten bis zur Traglast, kurz beantwortet.

Was kostet ein Cobot?

Der Preis hängt vor allem von Traglast, Reichweite und Zubehör ab. Der reine Roboterarm ist nur ein Teil der Rechnung: Greifer, Sicherheitstechnik und die Integration in die vorhandene Linie kommen hinzu und heben den Gesamtpreis oft deutlich über den Armpreis.

Kann ein Cobot ohne Programmierkenntnisse eingerichtet werden?

In vielen Fällen ja: Bei der Handführung bewegt der Bediener den Arm von Hand durch die gewünschten Positionen und speichert die Bahn, statt Code zu schreiben. Aufwendigere Anwendungen mit Sensorik oder Anbindung an andere Systeme erfordern dennoch Fachwissen.

Wie verbreitet sind Cobots?

Laut IFR World Robotics 2025 wurden 2024 weltweit über 64.500 Cobots verkauft, rund zwölf Prozent aller neu installierten Industrieroboter. Der Anteil wächst stetig, 2017 lag er noch bei etwa 2,8 Prozent, während der Gesamtmarkt zuletzt leicht rückläufig war.

Wer hat den ersten Cobot gebaut?

Als Pionier gilt das dänische Unternehmen Universal Robots, das 2008 mit der UR5 den ersten kommerziell erfolgreichen kollaborierenden Arm auslieferte. Gegründet wurde die Firma von Absolventen der University of Southern Denmark, mit dem Ziel, Automatisierung für kleine Betriebe zugänglich zu machen.

Welche Traglast schafft ein Cobot?

Die Traglast reicht je nach Modell von wenigen bis zu mehreren Dutzend Kilogramm, viele verbreitete Modelle liegen bei rund zehn Kilogramm. Schwerere Lasten und große Reichweiten bleiben die Domäne klassischer, eingezäunter Industrieroboter.

Welche Sicherheitsnorm gilt für kollaborierende Roboter?

Maßgeblich sind seit April 2025 die überarbeiteten Normen ISO 10218-1 und ISO 10218-2. In den zweiten Teil ist die frühere Spezifikation ISO/TS 15066 mit ihren biomechanischen Kraftgrenzwerten eingeflossen. In Deutschland ergänzt die DGUV Information FB HM-080 die Umsetzung.

Quellen

International Federation of Robotics | World Robotics 2025, Pressemitteilung Global robot demand in factories doubles over 10 years | https://ifr.org/ifr-press-releases/news/global-robot-demand-in-factories-doubles-over-10-years | besucht am 18.08.2026

International Federation of Robotics | Robot Density Surges in Europe, Asia, and Americas | https://ifr.org/ifr-press-releases/news/robot-density-surges-in-europe-asia-and-americas | besucht am 18.08.2026

Fraunhofer IPA | Referenzprojekte Cobots (Cobot Knowledge Lab) | https://www.ipa.fraunhofer.de/de/referenzprojekte/cobots.html | besucht am 18.08.2026

Fraunhofer IPA | Sichere Mensch-Roboter-Kollaboration mit Assistenzrobotern | https://www.ipa.fraunhofer.de/de/aktuelle-forschung/roboter–und-assistenzsysteme/montage-automatisierung/sichere-mensch-roboter-kollaboration-mit-assistenzrobotern.html | besucht am 18.08.2026

Internationale Organisation für Normung | ISO 10218-1:2025 Robotics, Safety requirements, Part 1: Industrial robots | https://www.iso.org/standard/73933.html | besucht am 18.08.2026

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung | DGUV Information FB HM-080 Kollaborierende Robotersysteme | https://www.dguv.de/medien/fb-holzundmetall/publikationen-dokumente/infoblaetter/infobl_deutsch/080_roboter.pdf | besucht am 18.08.2026

Universal Robots | History of the collaborative robot | https://www.universal-robots.com/about-us/history/ | besucht am 18.08.2026

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