Die taktile Roboterhand entscheidet über den nächsten Schritt der Humanoiden. Ant Group sichert sich den Vorsprung und führt eine Finanzierungsrunde über mehrere Hundert Millionen Yuan beim Start-up Daimon Robotics an, das Robotern einen Tastsinn verleiht. Genau dieser Sinn fehlt den meisten Humanoiden bis heute.

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Eine taktile Roboterhand spürt, wie fest sie zugreift, ohne das Werkstück zu zerdrücken. Diese Fähigkeit will das Start-up Daimon Robotics den Humanoiden geben, und Ant Group hat die jüngste Runde des Unternehmens angeführt. Der Einstieg des Finanzkonzerns folgt nur zwei Monate auf eine A-Runde und zeigt, welchen Wert die Schlüsselkomponente der Robotik inzwischen hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ant Group führt eine Finanzierungsrunde über mehrere Hundert Millionen Yuan bei Daimon Robotics an, geschätzt 40 bis 60 Millionen Euro.
  • Daimon entstand aus der Hongkonger Universität HKUST und baut Sensoren, die Robotern über ein einziges Farblicht einen Tastsinn geben.
  • Allein im ersten Halbjahr 2026 flossen laut Titanium Media rund 3,2 Milliarden Euro in Roboterhände, mehr als im gesamten Jahr 2025.
  • Mit der Tochter Lingbo und der Beteiligung an Daimon treibt Ant Group die verkörperte KI auf zwei Wegen voran.

Warum entscheidet der Tastsinn über den Roboter?

Roboterhand hält braunes Ei vor weißem Hintergrund mit Schildchen „Tastsinn“
Roboterfinger mit taktilen Sensoren ermöglichen präzises Greifen von empfindlichen Objekten wie Eiern durch Druckrückmeldung

Ohne Tastsinn bleibt jede Roboterhand grobmotorisch. Kameras zeigen einem Humanoiden, wo ein Ei liegt, aber nicht, wie fest er zugreifen darf, bevor die Schale bricht. Genau diese Rückmeldung über Druck, Schlupf und Kontakt liefert erst ein taktiler Sensor in der Fingerkuppe.

Daimon setzt dabei auf ein visuotaktiles Verfahren mit einer einzigen Farblichtquelle, das Berührungen hochauflösend erfasst. Aus diesen Tastdaten und einem eigenen Weltmodell namens Daimon-TWM lernt die Hand, Griffe vorherzusagen, statt sie starr abzuspulen. So lernt der Roboter aus Erfahrung statt aus reiner Programmierung.

Den Humanoiden nützlich macht erst die Fingerspitze, und mit der Beteiligung an Daimon kauft sich Ant Group genau diese Fähigkeit ins Portfolio. Europas Roboterbauer sollten sich fragen, woher ihr Tastsinn künftig kommt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was hat Ant Group mit Daimon vor?

Ant Group setzt bei der verkörperten KI auf zwei Spuren zugleich. Bei Daimon führt der Konzern eine strategische Runde über mehrere Hundert Millionen Yuan an, geschätzt 40 bis 60 Millionen Euro, und ältere Geldgeber wie China Mobile, China Telecom und Lenovo stocken auf.[1] Nur zwei Monate zuvor hatte Ant Group bereits die eigene Tochter Lingbo für ein Roboter-Gehirn mit 190 Millionen Euro ausgestattet.

Der Zeitpunkt passt zu einem Boom, befeuert vom Börsengang des Roboterbauers Unitree. Allein im ersten Halbjahr 2026 flossen laut Titanium Media rund 3,2 Milliarden Euro in die Branche für Roboterhände, mehr als die 2,2 Milliarden Euro im gesamten Jahr 2025.[2] Daimon selbst wuchs aus einem Forschungsteam der Hongkonger HKUST heraus, sitzt in Shenzhen und nennt sich bei visuotaktilen Sensoren den größten Anbieter nach Stückzahl. Auf der eigenen Kundenliste führt Daimon über 200 Firmen weltweit, darunter westliche Robotiklabore.

Ant Group und die Roboterhand in Zahlen
Was hinter der Millionenrunde bei Daimon Robotics steckt
Finanzierungsrunde
40–60 Mio. €
Strategische Runde bei Daimon, angeführt von Ant Group (mehrere Hundert Millionen Yuan, geschätzt)
Roboter-Gehirn
190 Mio. €
Ant Groups zweites Standbein: die Roboter-Tochter Lingbo
Kapitalzufluss
3,2 Mrd. €
Kapital für Roboterhände allein im ersten Halbjahr 2026 (laut Titanium Media)
Kunden weltweit
über 200
Firmen weltweit auf Daimons eigener Kundenliste
Ein Sensor mit Tastsinn

Daimon erfasst Berührungen über eine einzige Farblichtquelle und baut daraus ein Weltmodell für die Roboterhand. Genau dieser Tastsinn fehlt den meisten Humanoiden bis heute.

Was bedeutet das für Roboterbauer im DACH-Raum?

Für Europas Humanoiden-Szene wächst damit eine neue Abhängigkeit heran. Schaeffler liefert bereits humanoide Aktoren, und das Einhorn Humanoid baut mit Bosch und Schaeffler einen europäischen Herausforderer. Die Fingersensorik dagegen prägen zunehmend chinesische Anbieter wie Daimon.

Das Muster erinnert an die Batteriezelle: Bei den Antrieben liegt Europa vorn, bei der Schlüsselkomponente droht die Lücke. Für Entscheider bedeutet der Trend, Zulieferer für taktile Sensorik früh zu prüfen und die Datenfrage zu klären, denn Daimons Vorsprung steckt auch im Trainingsdatensatz. Auch BMW setzt in Landshut längst auf die Software, nicht auf die Mechanik allein.

FAQ: Taktile Roboterhand und Ant Groups Einstieg

Was ist eine taktile Roboterhand?

Eine taktile Roboterhand besitzt Sensoren, die Druck, Schlupf und Kontakt an der Fingerkuppe messen. Dieser Tastsinn ergänzt die Kameras und erlaubt dem Roboter, empfindliche Teile zu greifen, ohne sie zu zerdrücken. Ohne ihn bleibt jede Hand grobmotorisch.

Warum investiert Ant Group in Daimon Robotics?

Ant Group führt eine strategische Runde über mehrere Hundert Millionen Yuan bei Daimon an, umgerechnet grob 40 bis 60 Millionen Euro. Der Finanzkonzern baut damit seine zweite Spur in der verkörperten KI aus, neben der eigenen Roboter-Tochter Lingbo.

Wie viel Geld floss 2026 in Roboterhände?

Laut Titanium Media flossen allein im ersten Halbjahr 2026 rund 3,2 Milliarden Euro in die Branche für Roboterhände. Das übertrifft die 2,2 Milliarden Euro des gesamten Jahres 2025. Roboterhände gelten als Engpass auf dem Weg zum nützlichen Humanoiden.

Was macht Daimon Robotics besonders?

Daimon Robotics entstand aus einem Team der Hongkonger Universität HKUST und sitzt in Shenzhen. Das Start-up erfasst Berührungen über eine einzige Farblichtquelle und verbindet die Tastdaten mit einem eigenen Weltmodell. Daimon nennt sich bei solchen Sensoren den größten Anbieter nach Stückzahl.

Was bedeutet das für Roboterbauer in Europa?

Europas Roboterbauer wie Schaeffler, Bosch und BMW liegen bei Antrieben und Software vorn. Bei der Fingersensorik wächst dagegen eine Abhängigkeit von chinesischen Anbietern. Entscheider sollten Zulieferer für taktile Sensorik und die Datenfrage früh prüfen.

Quellen

[1] 投资界 (PEdaily): „首发|蚂蚁领投戴盟机器人“ (Ant Group führt die strategische Runde bei Daimon Robotics an, August 2026)

[2] 钛媒体 (Titanium Media): „半年融资250亿,灵巧手还没跑出‚标准手‘“ (Rund 25 Milliarden Yuan flossen im ersten Halbjahr 2026 in Roboterhände, August 2026)

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