Ant Group, der Betreiber des Bezahldiensts Alipay, sammelt für seine Robotik-Tochter Lingbo eine erste Finanzierungsrunde von 1,5 Milliarden Yuan ein, rund 193 Millionen Euro zum EZB-Referenzkurs vom 31. Juli 2026.[1] Der Fintech-Konzern baut damit kein neues Bezahlsystem, sondern ein sogenanntes Roboter-Gehirn, das humanoide Maschinen steuern soll.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Ant Group treibt die erste Runde für die Tochter Lingbo auf 1,5 Milliarden Yuan (rund 193 Millionen Euro), eine zweite Runde soll bis Jahresende folgen.
- Lingbo entwickelt kein Blechgehäuse, sondern ein universelles Steuerungsmodell, das Roboter unterschiedlicher Hersteller antreibt.
- Auch der Batteriekonzern CATL steigt ein und finanzierte als alleiniger Pre-A-Geldgeber den Humanoiden-Entwickler RoboParty.
- Im ersten Quartal 2026 flossen nach Branchendaten rund 2,9 Milliarden Euro in 126 chinesische Robotik-Start-ups, ein Vielfaches des europäischen Volumens.
Was ist ein Roboter-Gehirn?

Software statt Stahl. Lingbo, eine hundertprozentige Tochter von Ant Group, zählt seit dem Frühjahr 2025 zu den auffälligsten Namen der Branche. Das Unternehmen baut die Modelle LingBot-VLA, LingBot-Vision und LingBot-World, die Wahrnehmung, Bewegung und Planung eines Roboters übernehmen.[1]
Offen für viele Körper. Statt auf ein geschlossenes System veröffentlicht Lingbo seine Modelle quelloffen und unterstützt nach eigenen Angaben 17 gängige Roboter-Marken, darunter Unitree und AgiBot. Welches Modell künftig humanoide Roboter steuern soll, ist längst ein eigener Wettlauf.
Amerikanisches Vorbild. Fachleute vergleichen den Ansatz mit dem US-Start-up Physical Intelligence, das ebenfalls ein herstellerübergreifendes Steuerungsmodell verfolgt. Auf GitHub sammelten die Lingbot-Projekte bis Juli 2026 fast 30.000 Sterne, etwa das 2,7-Fache des nächsten Verfolgers.[1]
Warum investieren Konzerne wie CATL in Roboter?
Batterien treffen Roboter. CATL, der weltgrößte Batteriehersteller, beteiligte sich als alleiniger Pre-A-Investor am Humanoiden-Entwickler RoboParty, der Hardware und Steuerung vollständig quelloffen bereitstellt.[2] Für einen Konzern, der sonst selten direkt als strategischer Geldgeber auftritt, ist der Schritt ungewöhnlich.
Ein ganzer Markt läuft heiß. Hinter den beiden stehen Alibaba, Tencent, Xiaomi und Baidu, die reihenweise Robotik-Firmen finanzieren. Nach Branchendaten flossen allein im ersten Quartal 2026 rund 2,9 Milliarden Euro in 126 chinesische Start-ups, mehr als zwanzig erreichten eine Milliardenbewertung. Ob ein Betrieb wirklich einen Roboter braucht, hängt dabei zunehmend vom eigenen Fabrikbedarf ab.
Nachfrage im eigenen Werk. Der Hebel liegt in der Produktion: BYD, CATL und Foxconn brauchen selbst Zehntausende Maschinen für ihre Fabriken. China baut Roboter also nicht nur, sondern kauft sie auch im großen Stil, ähnlich wie zuvor bei Elektroautos. Ein Hersteller wie ROBOTERA liefert bereits tausend Humanoide pro Quartal in die Logistik aus.
Chinas Konzerne kaufen sich nicht in einzelne Roboter ein, sondern in das Betriebssystem dahinter. Die Kontrolle über die Software entscheidet später über die Hardware.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wer Chinas Roboter finanziert
Was bedeutet Chinas Roboter-Wette für Europa?
Europas Vorsprung schmilzt. Auf dem Kontinent steht die Sparte noch am Anfang. Das deutsch-französische Start-up Humanoid wurde zum ersten europäischen Einhorn der Branche, getragen von Bosch und Schaeffler. Gegen Chinas Kapitalflut wirkt dieses Volumen schmal.
Der Standard entsteht in China. Setzen sich offene Modelle wie Lingbot durch, definieren chinesische Anbieter die Schnittstelle zwischen Software und Roboter, so wie Android einst das Smartphone prägte. Schaeffler holt zwar bis 2030 Hunderte Humanoide in die Werke, doch die Intelligenz dahinter könnte aus Shanghai kommen.
Jetzt Weichen stellen. Für Automatisierungsprojekte im DACH-Raum zählt die Steuerungs-Software künftig als eigenes Kriterium: Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern gehören geprüft, offene europäische Alternativen auf die Liste. Der Preiskampf, den Chinas Hersteller bei Elektroautos entfachten, zeichnet sich in der Robotik bereits ab.
Häufige Fragen zu Ant Group und Robotik
Was ist ein Roboter-Gehirn?
Ein Roboter-Gehirn ist ein Steuerungsmodell, das einem Roboter Wahrnehmung, Bewegung und Planung gibt, statt nur einzelne Befehle abzuarbeiten. Ant Groups Tochter Lingbo entwickelt solche Software als sogenanntes Vision-Language-Action-Modell und stellt sie quelloffen bereit, sodass Roboter verschiedener Hersteller sie nutzen können.
Wie viel investiert Ant Group in Lingbo?
Die erste Finanzierungsrunde für Lingbo zielt auf 1,5 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 193 Millionen Euro zum EZB-Referenzkurs vom 31. Juli 2026. Eine zweite Runde soll bis Jahresende folgen. Lingbo ist seit dem Frühjahr 2025 eine hundertprozentige Tochter von Ant Group.
Warum ist Chinas Robotik-Boom für Europa relevant?
Allein im ersten Quartal 2026 flossen nach Branchendaten rund 2,9 Milliarden Euro in 126 chinesische Robotik-Start-ups, mehr als zwanzig erreichten Milliardenbewertungen. Setzen sich offene chinesische Steuerungsmodelle als Standard durch, geraten europäische Hersteller in Abhängigkeit von dieser Software. Zugleich droht ein Preiskampf wie zuvor bei Elektroautos.
Quellen
[1] Sina Finance (新浪财经): „蚂蚁灵波确认融资传闻:将持续聚焦通用机器人大脑“
[2] 投资界 (PEdaily): „宁德时代,投了萝博派对:具身DeepSeek浮现“
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