miHoYo stellt seine KI-Begleiterin Olivia Lin nach 28 Tagen ein, obwohl die Nutzer auf Steam Bestnoten vergaben. Der Konzern hinter Genshin Impact räumt damit ein, dass sich digitale Nähe schlecht rechnet. Für Anbieter in Europa kommt zur Kostenfalle noch die strengste Datenschutzaufsicht der Welt.

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Eine KI-Begleiterin mit Klavierstudium bekam bei miHoYo ein Enddatum nach vier Wochen. Am 11. August 2026 kündigte der Konzern das Aus für Olivia Lin an, am 31. August schaltet der Betreiber die Server ab. Gelobt hatten die Steam-Nutzer das Programm bis zuletzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • miHoYo veröffentlichte die KI-Begleiter-App „BSide: Olivia Lin“ am 13. Juli 2026 kostenlos auf Steam und schaltet sie am 31. August 2026 ab.
  • Trotz der Wertung „Sehr positiv“, rund 1.000 täglichen Nutzern und einem Höchststand von 7.289 gleichzeitig fehlte ein Erlösmodell.
  • Bereits 2020 blieb der Desktop-Begleiter N0va eine Randnotiz, der zweite Anlauf endet noch schneller.
  • In Europa verschärfen der AI Act und die DSGVO die Lage: Italiens Aufsicht belegte den Replika-Anbieter Luka mit 5 Millionen Euro.

Was hat miHoYo gestoppt?

Ein rosafarbener Herzluftballon mit einem Anhänger „28 Tage“ und einer Miniaturfigur
miHoYo stellt KI-Begleiterin „BSide: Olivia Lin“ ein. Die Klavierstudentin aus Shanghai reagierte auf Briefe und Melodien

miHoYo beendet mit „BSide: Olivia Lin“ den jüngsten Versuch, eine KI-Begleiterin als Dauergast auf dem Desktop zu verankern. Die Figur, eine Klavierstudentin aus Shanghai mit Faible für Psychologie, reagierte auf getippte Briefe sowie selbst eingespielte Melodien und zählte zu den ambitionierteren KI-Produkten für den Desktop.

Den offiziellen Grund hält der Konzern vage und spricht von einer „phasenweisen Produktplanung“.[1] Ab dem 27. August fallen die Online-Funktionen wie das Briefeschreiben weg, vier Tage später verschwindet die App aus dem Steam-Shop. Eine abgespeckte Offline-Version behält nur das Klavierspiel und das animierte Hintergrundbild.

Die Nutzer vermissten derweil Grundlegendes: keine Maus-Interaktion und kaum Werkzeuge für den Alltag. Gelobt wurde die App trotzdem, die Server rettete das Lob nicht.

Warum rechnet sich digitale Nähe nicht?

KI-Begleiter verbrauchen Rechenleistung pro Minute Zuwendung, und ein kostenloses Experiment spielt diese Serverkosten nie ein. Lange Gespräche mit einer Figur erzeugen bei jedem Satz Kosten, während die Gratis-App keinen Cent zurückbringt.

Eine treue Nische von rund 1.000 Menschen am Tag deckt diese Kosten nicht. Vor miHoYo scheiterten daran bereits Microsofts Xiaoice und die App Replika, während Tencent seine KI lieber in den WeChat-Freundeskreis setzt und dort auf einer Milliarden-Plattform mitläuft.

Geld fließt dort, wo Transaktionen laufen: ByteDance kassiert bei Agentic Commerce in Doubao zwölf Prozent je Buchung. Reine Zuneigung lässt sich schwer abrechnen, wie auch die US-Kette Kinney Drugs mit ihrem gestoppten KI-Telefonassistenten erfuhr.

miHoYo baut Figuren, die Millionen lieben. Zahlende Kunden für eine Klavierfreundin ohne Abo findet aber auch ein Genshin-Konzern nicht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Olivia Lin: 28 Tage KI-Begleiterin

Was miHoYos KI-Experiment über die Ökonomie digitaler Nähe verrät

28 Tage
von der Steam-Veröffentlichung am 13. Juli bis zur Abschaltung am 31. August 2026
7.289
Höchststand gleichzeitiger Nutzer auf Steam, im Schnitt rund 1.000 pro Tag
0 Euro
Die App blieb durchgehend kostenlos, ein Erlösmodell fehlte von Anfang an
5 Mio. Euro
Bußgeld der italienischen Aufsicht gegen den Replika-Anbieter Luka im Mai 2025

Was heißt das für Anbieter in Europa?

In Europa träfe eine solche App neben der Kostenfalle auf die strengste Aufsicht der Welt: Der AI Act verlangt, die KI offenzulegen, die DSGVO schützt Gefühlsdaten und Minderjährige besonders scharf. Artikel 50 der KI-Verordnung schreibt vor, dass Nutzer wissen müssen, wann eine Maschine antwortet.

Wie hart der Rahmen wirkt, zeigt Italien: Die Aufsicht sperrte Replika 2023 und belegte den Anbieter Luka im Mai 2025 mit 5 Millionen Euro, weil eine Altersprüfung fehlte und keine Rechtsgrundlage erkennbar war.[2] Emotionale KI, die Kinder erreicht, steht damit im Visier.

Für Entscheider heißt das Hausaufgaben vor dem Start: die Transparenzpflichten des AI Act klären, Alterskontrolle und Rechtsgrundlage nach der DSGVO absichern und ein tragfähiges Erlösmodell aufsetzen, statt auf ein Gratis-Experiment zu hoffen. Auch der Umgang mit sensiblen Chatverläufen gehört geprüft, wie der Streit um DeepSeeks heimliche Nutzer-Etiketten und um Wasserzeichen in KI-Texten zeigt.

Quellen

[1] Sina Tech (新浪科技): „上线仅28天,米哈游的AI互动新作宣布停服“

[2] Library of Congress, Global Legal Monitor: „Italy: Italian Authorities Sanction Maker of Replika Chatbot for Inadequate Protections“

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