LANXESS verbrennt in Krefeld-Uerdingen erstmals Wasserstoff statt Erdgas, um einen Sprühtrockner für Eisenoxidpigmente zu beheizen. Rund 6.000 Tonnen CO2 fallen dadurch pro Jahr weg. Der Clou steckt im Nachbarwerk von Covestro, das den Wasserstoff als Nebenprodukt liefert.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIndustrie-Wasserstoff galt lange als teures Zukunftsversprechen für Pilotanlagen. LANXESS zeigt am Rhein, dass der Brennstoff auch eine laufende Großproduktion beheizen kann. Möglich macht das ein Vorteil, den nur ein Chemie-Verbundstandort bietet.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Sprühtrockner für Bayferrox-Eisenoxidpigmente läuft jetzt mit Wasserstoff statt Erdgas.
- Die Umstellung spart rund 6.000 Tonnen CO2 pro Jahr.
- Den Wasserstoff liefert die Chlor-Elektrolyse des Nachbarn Covestro per Pipeline.
- LANXESS will seine direkten Emissionen bis 2040 auf null senken.
Was hat LANXESS in Krefeld-Uerdingen umgestellt?

Seit Ende 2025 sitzt an dem Sprühtrockner ein umgebauter Wasserstoffbrenner. Der neue Brenner ersetzt den Erdgasbrenner, der die Prozesswärme zum Trocknen der Eisenoxidpigmente liefert. Die Anlage bekam dafür eine eigene Wasserstoffleitung, eine angepasste Steuerung und zusätzliche Sicherheitstechnik.
Erdgas hinterlässt bei der Verbrennung CO2. Reiner Wasserstoff verbrennt dagegen nur zu Wasserdampf, und der Ausstoß der Anlage sinkt um rund 6.000 Tonnen im Jahr, ohne dass sich am Produkt etwas ändert.
„Der Schritt vom Erdgas- zum Wasserstoffbrenner markiert für uns einen technologischen Meilenstein“, sagt Michael Ertl, Leiter des Geschäftsbereichs Inorganic Pigments bei LANXESS.[1] Für einen Weltmarktführer mit rund 300.000 Tonnen Pigment-Kapazität ist der Sprühtrockner nur der Anfang.
Warum ist der Verbundstandort der eigentliche Hebel?
Den Wasserstoff kauft LANXESS nicht am Markt. Das Gas fällt beim direkten Nachbarn Covestro als Nebenprodukt der Chlor-Elektrolyse an und läuft über eine kurze Pipeline direkt in die Pigmentproduktion.
Damit spart sich der Konzern den teuersten Teil vieler Wasserstoffprojekte: einen eigenen Elektrolyseur und den Zukauf von grünem Strom. Der Verbundstandort macht aus einem Abfallstrom einen Brennstoff, ein Vorteil, den eine einzelne Fabrik nicht hat.
Der eigentliche Coup steckt nicht im Brenner, sondern in der Pipeline nebenan; LANXESS senkt die Emissionen der Prozesswärme, ohne einen einzigen neuen Elektrolyseur zu bauen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Ob solche Abfallströme reichen oder ob die Industrie ein flächendeckendes Netz braucht, entscheidet sich am Wasserstoff-Kernnetz, das gerade entsteht.
Covestro: Chlor-Elektrolyse
Wasserstoff fällt als Nebenprodukt an, ohne eigenen Elektrolyseur.
Pipeline und Brenner
Eine kurze Leitung führt den Wasserstoff in den Sprühtrockner.
Wasserdampf statt CO2
Die Verbrennung hinterlässt Wasser, nicht Kohlendioxid.
Was bedeutet das für die deutsche Industrie-Dekarbonisierung?
Prozesswärme ist der Teil der Industrie, der sich am schwersten dekarbonisieren lässt. Strom lässt sich vergrünen, doch Öfen und Trockner brauchen heiße Flammen, und die liefert bislang meist Erdgas.
Der EU-Emissionshandel verteuert jede Tonne CO2, während Niedrigwasser am Rhein und hohe Energiekosten die Branche ohnehin unter Druck setzen. Erste Nebenprodukt-Ströme fließen bereits: In Marl erreichte grüner Wasserstoff kürzlich seinen ersten Industriekunden, während thyssenkrupp nucera den schwächelnden Markt für Elektrolyseure zu spüren bekommt.
Betriebe in energieintensiven Branchen lernen daraus weniger über Brenner als über Standorte. Ein Blick auf Abwärme, Nebenströme und Pipeline-Nachbarn im eigenen Verbund findet oft günstige Tonnen CO2, bevor teure Neubauten nötig werden.
Quelle
[1] LANXESS: Presseinformation vom 12. August 2026, „LANXESS befeuert erstmals Großanlage mit Wasserstoff“
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