Die WeChat-KI schreibt jetzt mit: In einem eng begrenzten Test textet Tencents Assistent Xiaowei die eigene Statusmeldung und den freundlichen Kommentar unter fremden Beiträgen. Bei 1,4 Milliarden Nutzern verschiebt der Testlauf die Grenze zwischen echter und generierter Nähe. Für europäische Anbieter wird dabei eine Lücke im EU AI Act sichtbar.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Mit dem Freundeskreis erreicht die WeChat-KI den intimsten Winkel des chinesischen Alltags, ein Testfeld für generative künstliche Intelligenz mitten im Privaten. Seit dem 8. August verteilt Tencent zwei Funktionen schrittweise an einzelne Konten: eine KI-Schreibhilfe für den eigenen Beitrag und einen KI-Kommentar für die Antwort auf fremde Posts, wie Sina Tech berichtet.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Tencent testet in WeChat zwei KI-Funktionen: eine Schreibhilfe für Statusposts und einen Assistenten, der Kommentare unter fremden Beiträgen formuliert.
  • Beides läuft über den hauseigenen Assistenten Xiaowei, der Nutzer bestätigt jeden Text vor dem Absenden.
  • Der Test erreicht bislang nur wenige der 1,4 Milliarden WeChat-Konten, einen Antrag auf Teilnahme gibt es nicht.
  • Für privaten KI-Text ohne öffentlichen Informationszweck greift die Kennzeichnungspflicht des EU AI Act (Artikel 50) nicht.

Was kann der WeChat-Textautomat?

Ein Holzstempel, ein Stapel Karten und eine Karte mit dem Text „Wie schön für dich!“
KI-Schreibhilfe formuliert Statuspost in verschiedenen Stilen und verfasst automatisch Kommentare unter fremden Beiträgen

Zwei Werkzeuge stecken im Test: Eine KI-Schreibhilfe formuliert den eigenen Statuspost, ein KI-Kommentar verfasst die Antwort unter fremden Beiträgen. Für den eigenen Post lädt der Nutzer ein Bild hoch und tippt eine grobe Idee, Xiaowei liefert daraufhin mehrere Fassungen, literarisch, schlicht oder humorvoll, die sich mit einem Klick übernehmen lassen.

Für die Reaktion auf einen fremden Beitrag genügt ein langer Druck auf einen Kommentar. Die KI wertet die fremde Nachricht aus und schlägt Antworten in den Registern herzlich, flapsig oder höflich vor. Abgeschickt wird erst, was der Nutzer bestätigt, ein menschlicher Freigabeschritt bleibt an jeder Stelle.

Warum werden die netten Kommentare zum Problem?

Der Textvorschlag für den eigenen Post ist ein Komfortwerkzeug wie die Antwortvorschläge in E-Mail-Programmen, der automatische Kommentar dagegen höhlt die soziale Geste selbst aus. Ein herzlicher Kommentar unter dem Urlaubsfoto signalisiert Aufmerksamkeit. Stammt er von der Maschine, bleibt die Form, doch die Zuwendung fehlt.

Der Vorgang reiht sich in die größere Welle maschinell erzeugter Inhalte ein, die gerade den sozialen Austausch erreicht. Dieselbe Vertrauensfrage beschäftigt Verlage, seit KI-Bilder im Blog die Leser vom Aufmacher auf den Text schließen lassen. Tencent verteilt seine Assistenten ohnehin über alle Produkte, von der global ausgerollten KI Hunyuan bis zum Büroagenten für Unternehmen. Der soziale Graph ist die nächste Stufe.

Ein Lob, das die Maschine in null Sekunden formuliert, ist für den Empfänger wertlos, sobald er die Mechanik ahnt. WeChat verlagert mit dem Kommentar-Assistenten die soziale Währung Aufmerksamkeit auf einen Automaten.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
WeChat: die KI schreibt im Freundeskreis mit

Zwei Testfunktionen, ein Assistent, eine Regulierungslücke

1,4 Mrd.
WeChat-Konten, an die Tencent den Test seit dem 8. August schrittweise ausrollt
KI-Schreibhilfe
Bild plus Idee, Xiaowei liefert den eigenen Post in drei Stilen: literarisch, schlicht, humorvoll
KI-Kommentar
Langer Druck auf einen fremden Kommentar, die KI antwortet herzlich, flapsig oder höflich
EU AI Act, Art. 50
Kennzeichnungspflicht seit dem 2. August 2026, private Posts sind jedoch ausgenommen

Was gilt für KI-Texte in Europa?

Für privaten KI-Text greift die Kennzeichnungspflicht des EU AI Act nicht: Artikel 50 verlangt seit dem 2. August 2026 eine Offenlegung nur, wenn KI-Text die Öffentlichkeit über Fragen von öffentlichem Interesse informiert. Ein automatisch verfasster Statuspost oder ein Kommentar unter dem Foto eines Freundes fällt nicht darunter.[2]

Zwei Baustellen bleiben trotzdem. Der Kommentar-Assistent verarbeitet den Beitrag eines Dritten, um die Antwort zu erzeugen, also personenbezogene Daten fremder Nutzer, was in Europa die DSGVO berührt. Zugleich sollten Betreiber eines China-Vertriebs über WeChat ihre Engagement-Zahlen vorsichtiger lesen, weil Answer Engine Optimization und KI-Antwortmaschinen Authentizität höher gewichten als bloße Reichweite. Ein freiwilliges Wasserzeichen nach dem C2PA-Standard bleibt vorerst der einzige Vertrauensanker.

Für Entscheider im DACH-Raum folgt daraus ein klarer Auftrag. Bei eigenen KI-Textfunktionen gehört die Offenlegungspflicht aus Artikel 50 trotz der privaten Ausnahme auf die Prüfliste, ebenso die dokumentierte menschliche Freigabe. Ein sichtbarer Herkunftsnachweis schützt die Marke, sobald die generierte Nähe zur Normalität wird.

FAQ: Die WeChat-KI im Freundeskreis

Was ist die KI-Schreibhilfe im WeChat-Freundeskreis?

Die KI-Schreibhilfe ist eine Testfunktion, die aus einem Bild und einer kurzen Idee mehrere Textfassungen für den eigenen WeChat-Post erzeugt. Der hauseigene Assistent Xiaowei liefert die Varianten in den Stilen literarisch, schlicht oder humorvoll, die sich mit einem Klick in den Beitrag übernehmen lassen.

Schreibt die WeChat-KI meine Beiträge automatisch?

Nein, die KI erzeugt nur Vorschläge, abgeschickt wird ausschließlich, was der Nutzer bestätigt. Ein menschlicher Freigabeschritt bleibt sowohl beim eigenen Post als auch beim automatisch formulierten Kommentar unter fremden Beiträgen erhalten.

Welche KI steckt hinter der Funktion?

Beide Funktionen laufen über Xiaowei, den nativen KI-Assistenten von WeChat. Tencent baut Xiaowei auf eigenen großen Sprachmodellen auf und verteilt den Assistenten schrittweise über die App, ein Antrag auf Freischaltung ist bislang nicht möglich.

Gilt für KI-Kommentare in Europa eine Kennzeichnungspflicht?

Für rein private Beiträge greift die Kennzeichnungspflicht des EU AI Act nicht. Artikel 50 verlangt seit dem 2. August 2026 eine Offenlegung nur, wenn KI-Text die Öffentlichkeit über Fragen von öffentlichem Interesse informiert. Ein privater Statuspost oder ein Kommentar unter einem Freundesfoto fällt nicht darunter.

Ab wann ist das Feature verfügbar?

Tencent verteilt die beiden Funktionen seit dem 8. August 2026 in einem kleinen Test an einzelne Konten. Einen Antrag auf Teilnahme gibt es nicht, nicht berücksichtigte Nutzer sollen die Funktionen über spätere, gestaffelte Freigaben erhalten.

Quellen

[1] Sina Tech: „Auch Freundeskreis-Texte und Kommentare lassen sich per KI verfassen, Tencents Kundenservice: kleiner interner Test“ (11.08.2026)

[2] Europäische Kommission: „Transparency obligations under Article 50 of the AI Act“

Mehr Newshunger?

4,3 12 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?