Tencent Hy3 steht seit dem 5. August 2026 weltweit bereit, quelloffen unter der Apache-2.0-Lizenz und auf der Büro-Plattform WorkBuddy bis Monatsende kostenlos. Das Modell mit 295 Milliarden Parametern zielt nicht auf Entwickler, sondern auf die Sachbearbeitung in europäischen Unternehmen. Für Entscheider verschiebt sich damit die Rechnung zwischen Preis, Offenheit und Datenschutz.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenTencent hat sein Spitzenmodell Hy3 am 5. August 2026 aus China heraus global geöffnet, gut vier Wochen nach dem Start im Heimatmarkt.[1] Erreichbar ist das Modell über die KI-Arbeitsplattform WorkBuddy, den Cloud-Dienst TokenHub und die Open-Source-Plattform Hugging Face. Der Schritt trifft einen Nerv, weil chinesische Modelle die westliche KI-Landschaft schneller umkrempeln als erwartet.
Das Wichtigste in Kürze
- Tencent stellt Hy3 mit 295 Milliarden Parametern, davon 21 Milliarden je Anfrage aktiv, weltweit unter der freien Apache-2.0-Lizenz bereit.
- Über die Schnittstelle kostet das Modell rund 0,11 Euro je Million Eingabe-Token und 0,46 Euro je Million Ausgabe-Token, auf WorkBuddy bis zum 31. August 2026 gratis.
- Chinesische Anbieter beanspruchen inzwischen einen großen Teil des weltweiten Modell-Datenverkehrs, Hy3 verstärkt diesen Druck.
- Beim Einsatz in der EU greifen die seit dem 2. August 2026 geltenden Transparenzpflichten der KI-Verordnung.
Was steckt in Tencents Hy3?

Hy3 ist ein quelloffenes Sprachmodell mit 295 Milliarden Parametern, von denen pro Anfrage nur 21 Milliarden aktiv rechnen. Diese Mixture-of-Experts-Bauweise senkt die Rechenkosten, ohne die Qualität großer Modelle aufzugeben. Das Kontextfenster fasst bis zu 256.000 Token, genug für lange Verträge oder ganze Aktenordner.
Der eigentliche Hebel liegt im Preis und in der Lizenz. Über den Marktplatz OpenRouter kostet Hy3 rund 0,11 Euro je Million eingelesene Token und 0,46 Euro je Million erzeugte Token (Stand 8. August 2026, Kurs 0,87 Euro je US-Dollar). Für den Eigenbetrieb liegen die Gewichte unter Apache 2.0 auf Hugging Face und laufen im eigenen Rechenzentrum, ganz ohne Nutzungsgebühr. Möglich wird der günstige Preis auch durch Chinas eigenen Chip-Nachschub, der trotz amerikanischer Exportkontrollen wächst.
Warum drängen Chinas Modelle nach Europa?
Chinesische Anbieter liefern offene Modelle zu Bruchteilen westlicher Preise, und genau das zieht Unternehmen an. DeepSeek, Alibabas Qwen, Moonshots Kimi und Zhipus GLM haben binnen eines Jahres einen erheblichen Anteil am weltweiten Modell-Datenverkehr erobert und bestimmen zunehmend, welche Modelle hinter KI-Antworten stehen. Hy3 reiht sich ein und setzt noch eins drauf.
Tencent verzichtet auf den Umweg über Entwickler und liefert das Modell direkt als Büro-Agenten aus. Auf WorkBuddy übernimmt Hy3 Recherche, Textentwürfe und Tabellen. Tencent beziffert die Erfolgsquote solcher Aufgaben auf 90 Prozent und die Bearbeitungszeit auf ein Drittel weniger. Denselben Weg gehen offene Systeme wie das Agenten-Framework von Ant Group und Firmen, die ihre Unternehmenssoftware auf KI-Agenten umstellen.
Ein Modell, das gratis im Büro startet und unter Apache 2.0 im eigenen Rechenzentrum weiterläuft, greift Microsoft und OpenAI genau bei der Kundenbindung an. Tencent verschenkt nicht die Technik, sondern kämpft um den Standard, an den sich Unternehmen morgen gewöhnen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet Hy3 für deutsche Entscheider?
Sobald ein Unternehmen Hy3 in der EU einsetzt, greifen die Pflichten der KI-Verordnung für Anbieter wie Nutzer gleichermaßen. Tencent gilt als Anbieter eines Modells mit allgemeinem Verwendungszweck und muss die Dokumentations- und Urheberrechtsvorgaben aus Artikel 53 erfüllen sowie als Firma aus einem Drittstaat einen EU-Bevollmächtigten benennen (Artikel 54). Für Ihren eigenen Betrieb zählt Artikel 50: Seit dem 2. August 2026 müssen KI-erzeugte Texte und Bilder gekennzeichnet sein.[2]
Vor dem Produktiveinsatz zählt vor allem die Datenhoheit. Tencents Cloud verteilt sich auf 23 Regionen weltweit, deshalb sollten Sie den Verarbeitungsort vertraglich festzurren und den Eigenbetrieb der offenen Gewichte als Rückfalloption behalten, falls der Datenschutz Vorrang bekommt. Ob Tencent bereits einen EU-Bevollmächtigten benannt hat, prüfen Sie am besten vor dem ersten Vertrag.
FAQ: Tencent Hy3 und die offene China-KI
Was ist Tencent Hy3?
Tencent Hy3 ist das aktuelle KI-Sprachmodell des chinesischen Konzerns Tencent, seit dem 5. August 2026 weltweit verfügbar. Das Modell nutzt eine Mixture-of-Experts-Architektur mit 295 Milliarden Parametern, aktiviert davon 21 Milliarden je Anfrage und verarbeitet bis zu 256.000 Token Kontext.
Ist Tencent Hy3 kostenlos?
Teilweise. Auf der Büro-Plattform WorkBuddy ist Hy3 bis zum 31. August 2026 weltweit gratis nutzbar. Über die Schnittstelle kostet das Modell rund 0,11 Euro je Million Eingabe-Token und 0,46 Euro je Million Ausgabe-Token. Die Modellgewichte selbst stehen unter der freien Apache-2.0-Lizenz und lassen sich kostenlos selbst betreiben.
Dürfen Unternehmen Tencent Hy3 in der EU nutzen?
Ja, allerdings unter Auflagen. Seit dem 2. August 2026 verlangt die EU-KI-Verordnung, dass KI-erzeugte Inhalte gekennzeichnet werden (Artikel 50). Tencent muss als Anbieter eines Modells mit allgemeinem Verwendungszweck die Vorgaben aus Artikel 53 erfüllen und als Anbieter aus einem Drittstaat einen EU-Bevollmächtigten benennen (Artikel 54).
Worin unterscheidet sich Hy3 von ChatGPT?
Hy3 ist quelloffen unter Apache 2.0 und lässt sich im eigenen Rechenzentrum betreiben, ChatGPT von OpenAI bleibt ein geschlossenes Modell in der Cloud. Beim Preis unterbietet Hy3 die meisten westlichen Modelle deutlich. Dafür stellt sich bei einem chinesischen Anbieter stärker die Frage nach Datenschutz und Verarbeitungsort.
Quellen
[1] Tencent: „Tencent Hy3 Now Available Globally, Extending Practical AI Across Products, Workflows and Cloud Services“
[2] Amtsblatt der EU: Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 50, 53 und 54
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