Unternehmens-KI verdrängt bei Chinas größtem Anbieter von Unternehmenssoftware die klassische ERP-Welt: Auf seinem Weltkongress in Nanjing hat Yonyou am 8. August die Plattform BIP 6 mit 63 Branchen-Agenten vorgestellt. Der Konzern schreibt seit drei Jahren rote Zahlen und setzt jetzt alles auf den Umbau zum Agenten-Geschäft.

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Rund 10.000 Gäste kamen nach Nanjing, das Motto lautete „Master AI, Drive Growth“. Hinter der Show steckt eine Wette: Yonyou will die Software, die bisher nur Daten verwaltet, durch KI-Agenten ersetzen, die Aufgaben selbst erledigen.

Das Wichtigste in Kürze

  • BIP 6 bündelt 63 Branchen-Agenten, 623 KI-Skills und über 26.000 Schnittstellen für Finanzwesen, Personal, Einkauf und Produktion.
  • Yonyou setzte 2025 rund 1,18 Milliarden Euro um, ein Plus von 0,3 Prozent, blieb aber zum dritten Mal in Folge in der Verlustzone.
  • Über 300 Unternehmen ersetzten mit der Plattform bereits Systeme westlicher Anbieter.
  • Für SAP und den DACH-Mittelstand verschärft der Schwenk den Wettlauf um agentenbasierte Unternehmenssoftware.

Was macht BIP 6 zur Unternehmens-KI?

Roboterarm zieht Akte aus grauem Metallschrank
BIP 6 nutzt 63 Branchen-Agenten und 623 KI-Skills statt klassischer ERP-Prozesse für Finanzen, Personal, Einkauf, Produktion und Vertrieb

Klassische ERP-Software erfasst Aufträge, bucht Rechnungen und legt Daten strukturiert ab. BIP 6 dreht das Prinzip um und stellt 63 vorgefertigte Branchen-Agenten bereit, dazu 623 KI-Skills und mehr als 26.000 Schnittstellen in Finanzwesen, Personal, Einkauf, Produktion und Vertrieb.[1] Neu sind fünf KI-native Bausteine, darunter der Arbeitsplatz YonWork, die Datenintelligenz YonData und die Coding-Plattform YonCode.

Für datenscheue Betriebe liefert Yonyou zusätzlich eine „Enterprise AI Box“, eine lokale Appliance, die die Agenten im eigenen Rechenzentrum hält statt in der Cloud. Genau dieser Souveränitäts-Baustein unterscheidet den Ansatz von einem reinen Cloud-Dienst.

Warum wettet Yonyou die Firma auf KI?

Der Umbau kommt aus der Not. 2025 setzte Yonyou rund 1,18 Milliarden Euro um (9,18 Milliarden Yuan), ein Plus von nur 0,3 Prozent.[2] Unterm Strich stand zum dritten Mal in Folge ein Verlust, zuletzt 179 Millionen Euro, immerhin rund 86 Millionen weniger als im Vorjahr.

Das KI-Geschäft soll die Wende bringen: Verträge mit KI-Bezug erreichten 2025 ein Volumen von 215 Millionen Euro. „Künstliche Intelligenz ist die revolutionärste Technologiewelle seit der Geburt des Computers“, sagt Firmenchef und Gründer Wang Wenjing. Das Versprechen für die Kundschaft lautet, Kosten zu senken und schneller zu wachsen.

Yonyou 2026: der Schwenk zur Unternehmens-KI in Zahlen
Umsatz, Verlust und die Agenten-Plattform BIP 6 im Überblick. Alle Beträge in Euro, Yuan zum EZB-Referenzkurs vom 7. August 2026 (1 € = 7,7834 CNY).
Umsatz
1,18 Mrd. €
Umsatz 2025 (9,18 Mrd. Yuan), ein Plus von nur 0,3 Prozent
KI-Verträge
215 Mio. €
KI-Vertragsvolumen 2025 (1,67 Mrd. Yuan)
Verlust
179 Mio. €
Nettoverlust 2025, drittes Jahr in Folge, rund 86 Millionen weniger als im Vorjahr
Agenten
63 / 623
Branchen-Agenten und KI-Skills in BIP 6, dazu über 26.000 Schnittstellen
Kundschaft
68.000
betreute Unternehmen, davon über 300 als Ersatz westlicher Systeme

Yonyou verkauft nicht mehr Software, sondern Agenten, die selbst buchen und bestellen. Genau dieses Versprechen muss SAP im DACH-Mittelstand kontern, bevor der Kunde das Angebot von einem chinesischen Anbieter hört.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Schwenk für SAP und den Mittelstand?

Yonyou steht mit dem Schritt nicht allein. SAP verdrahtet seinen Assistenten Joule tief in die eigene Suite, Salesforce verkauft mit Agentforce autonome Agenten. Auch Microsoft baut Copilot fest in Office ein. Der Wettlauf läuft global, und in China treibt ihn zusätzlich die heimische Ersatzstrategie an: Über 300 Unternehmen tauschten bereits Systeme westlicher Anbieter gegen die Plattform.[1]

Für den deutschsprachigen Mittelstand zählt vor allem die Datenhoheit, die Yonyous lokale AI-Box direkt anspricht. Betriebe, die Agenten auf Finanz- oder Personaldaten loslassen, fallen zudem unter die KI-Verordnung: Seit Februar 2025 gilt die Pflicht zur KI-Kompetenz, und Agenten in Personalauswahl oder Bonitätsprüfung gelten als hochriskant, die schärfsten Pflichten dafür greifen ab Dezember 2027.

Prüfen Sie deshalb jetzt, welche Agentenfunktion Ihr ERP-Anbieter liefert und welche Pflichten daran hängen. Ein Aufschub überlässt die Entscheidung am Ende dem Vertrieb der Konkurrenz.

Was ist Yonyou BIP 6?

Yonyou BIP 6 ist die im August 2026 vorgestellte Unternehmens-KI-Plattform des chinesischen Softwarekonzerns Yonyou. Sie bündelt 63 vorgefertigte Branchen-Agenten, 623 KI-Skills und über 26.000 Schnittstellen für Finanzwesen, Personal, Einkauf, Produktion und Vertrieb. Statt Daten nur zu verwalten, sollen die Agenten Aufgaben in diesen Bereichen selbst ausführen.

Worin unterscheidet sich Unternehmens-KI von klassischer Unternehmenssoftware?

Klassische ERP-Software erfasst Aufträge, bucht Rechnungen und legt Daten strukturiert ab, die Ausführung bleibt beim Menschen. Unternehmens-KI setzt darauf KI-Agenten, die Vorgänge eigenständig anstoßen und abschließen, etwa eine Bestellung auslösen oder eine Rechnung prüfen. Der Mensch wechselt von der Eingabe zur Kontrolle.

Was bedeutet Yonyous KI-Schwenk für SAP-Kunden im DACH-Raum?

Yonyou zeigt, wie schnell agentenbasierte Unternehmenssoftware marktreif wird. SAP verdrahtet mit Joule eine ähnliche Agentenschicht in seine Suite. Für Entscheider im DACH-Raum heißt das, die Agentenfunktionen des eigenen ERP-Anbieters zu prüfen und die Pflichten der KI-Verordnung zu klären, bevor Agenten auf Finanz- oder Personaldaten zugreifen.

Quellen

[1] 经济观察网 (eeo.com.cn): „用友焕新,从企业软件到企业AI,并重磅发布『AI+X』的BIP 6″

[2] 新浪财经 (Sina Finance): „用友网络发布2025年报:营收91.82亿元,AI相关合同签约16.7亿元“

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