Am 2. August 2026 greifen die Transparenzpflichten der KI-Verordnung, ohne Aufschub durch den Digital Omnibus. Für SAP-Kunden mit produktiven Joule-Agenten wandert die Verantwortung damit vom Hersteller ins eigene Haus. Der Bußgeldrahmen reicht bis zu 15 Millionen Euro.

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Die KI-Verordnung verlangt ab dem 2. August 2026 einen klaren Hinweis, sobald ein Mensch mit einer Maschine spricht.[1] In vielen SAP-Landschaften beantwortet Joule seit Monaten Urlaubsanträge und formuliert Bestelltexte, ohne dass ein solcher Hinweis irgendwo auftaucht. Die Pflicht dazu trifft nicht allein SAP.

Das Wichtigste in Kürze

  • Artikel 50 der KI-Verordnung gilt ab dem 2. August 2026, der Digital Omnibus rührt daran nicht.
  • Verschoben sind allein die Hochrisiko-Pflichten, auf den 2. Dezember 2027 und den 2. August 2028.
  • SAP ist Anbieter der Joule-Funktionen, beim operativen Einsatz wird der Kunde zum Betreiber.
  • Verstöße gegen Artikel 50 kosten bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes.

Warum verschiebt der Digital Omnibus die Joule-Frist nicht?

Schwarzer Aktenordner auf weißem Grund mit Notizzettel „Hallo, ich bin eine KI“ und Aufkleber
Digital Omnibus ändert KI-Verordnung: Änderungen nur bei Hochrisiko-Systemen in Kapitel III, Artikel 50 bleibt unverändert. Parlament 16. Juni, Rat 29. Juni 2026

Kapitelgrenze. Der Digital Omnibus greift in Kapitel III der KI-Verordnung ein, also bei den Hochrisiko-Systemen. Artikel 50 steht in Kapitel IV und blieb unangetastet. Das Parlament nahm den Text am 16. Juni 2026 an, der Rat am 29. Juni, und die Transparenzpflichten behielten ihr ursprüngliches Datum.

Eine Ausnahme betrifft die maschinenlesbare Kennzeichnung synthetischer Inhalte nach Artikel 50 Absatz 2. Für generative Systeme, die vor dem 2. August auf dem Markt waren, läuft die Umsetzungsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Diese Erleichterung geht an den Hersteller, nicht an den Anwender. Den übrigen Fahrplan haben wir in der Übersicht zu den verschobenen KI-Fristen aufgeschlüsselt.

Wer ist Anbieter, wer ist Betreiber?

Rollenteilung. Artikel 3 der Verordnung trennt den Anbieter, der ein KI-System entwickelt und in Verkehr bringt, vom Betreiber, der dieses System unter eigener Verantwortung einsetzt. SAP liefert Joule und schuldet die Hinweise aus Absatz 1 und 2. Beim Kunden liegt die Offenlegung von Deepfakes und von KI-Texten, die der Information der Öffentlichkeit dienen.

Teuer wird der Rollenwechsel. Nach Artikel 3 Nummer 3 kann ein Kunde selbst zum Anbieter werden, sobald er einen im Joule Studio gebauten Agenten unter eigenem Namen in Betrieb nimmt. Dann greift zusätzlich die Hinweispflicht aus Absatz 1. Wie holprig Kennzeichnung in der Praxis läuft, zeigt der Streit um Metas Abkehr vom Industriestandard. Am Bußgeldrahmen ändert der Omnibus nichts, das haben wir bei der verschobenen Hochrisiko-Regulierung bereits eingeordnet.

KI-Verordnung: Fristen und Rollen beim Joule-Einsatz
Was der Digital Omnibus verschiebt und was am 2. August 2026 greift
02.08.2026
Transparenzpflichten
Artikel 50 gilt. Der Digital Omnibus verschiebt diese Frist nicht.
02.12.2027
Hochrisiko nach Anhang III
Eigenständige Hochrisiko-Systeme bekommen 16 Monate mehr Zeit.
02.08.2028
Hochrisiko im Produkt
KI in regulierten Produkten nach Anhang I folgt zuletzt.
15 Mio. €
Bußgeldrahmen
Oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes, je nachdem, was höher ausfällt.

Anbieter oder Betreiber: Wer schuldet was?

Anbieter
SAP als Hersteller von Joule
  • Hinweis, dass Nutzer mit einem KI-System sprechen (Artikel 50 Absatz 1)
  • Maschinenlesbare Kennzeichnung synthetischer Inhalte (Absatz 2)
  • Übergangsfrist bis 2. Dezember 2026 für Bestandssysteme
Betreiber
Das Unternehmen, das Joule einsetzt
  • Hinweis bei Emotionserkennung und biometrischer Kategorisierung (Absatz 3)
  • Offenlegung von Deepfakes und KI-Texten für die Öffentlichkeit (Absatz 4)
  • KI-Kompetenz der Belegschaft nach Artikel 4, in Kraft seit 2. Februar 2025
  • Anbieterrolle, sobald ein eigener Agent unter eigenem Namen läuft
Prüfen Sie zuerst, welche Joule-Szenarien in Ihrem Haus Kontakt zu Menschen außerhalb des Unternehmens haben. Genau dort greifen die Transparenzpflichten zuerst.

In vielen SAP-Projekten gilt die Verschiebung der Hochrisiko-Regeln als Generalpause für die ganze KI-Verordnung. Der Hinweis, dass am anderen Ende gerade kein Mensch antwortet, kostet zwei Zeilen Text und ist ab Sonntag Pflicht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was sollten SAP-Kunden bis Sonntag klären?

Vier Schritte reichen für den Start: alle Joule-Szenarien inventarisieren, je Anwendungsfall die Rolle festhalten, Hinweistexte an den Kontaktpunkten ergänzen und die Belegschaft schulen. Der SAP AI Agent Hub erkennt angebundene Agenten, Sprachmodelle und MCP-Server. Die Suche reicht bis in die Umgebungen von Microsoft, Google, AWS und ServiceNow.[2]

Der Aufwand lohnt sich über die Frist hinaus, weil viele KI-Agenten nach kurzer Zeit wieder aus dem Betrieb verschwinden und ein sauberes Inventar solche Ausfälle sichtbar macht. Die Bauformen sortiert unser Ratgeber zu KI-Agenten, die laufende Regulierung begleiten wir in der KI-Rubrik. Prüfen Sie gerne zuerst, welche Joule-Szenarien überhaupt Kontakt zu Menschen außerhalb des Unternehmens haben.

Quellen

[1] Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union: „Verordnung (EU) 2024/1689 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz“, Artikel 4, 50 und 99

[2] SAP: „SAP Business AI: Release Highlights Q2 2026“ (Juli 2026)

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