SAP-Sapphire 2026: Joule wird zum Dirigenten

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
SAP-Sapphire 2026: Joule wird zum Dirigenten
Taktstock mit Aufschrift „Joule“ und Papierzetteln „Finanzen“, „Einkauf“, „Lieferkette“ auf Weiß
SAP präsentiert auf der Sapphire 2026 autonomes Unternehmen mit über 50 Joule-Assistenten für Finanzen, Einkauf, Lieferkette, Personal und Kundenbindung

SAP hat auf der Sapphire in Orlando am 12. Mai 2026 das autonome Unternehmen vorgestellt. Statt einzelner KI-Demos verspricht der Walldorfer Konzern eine durchgängige Plattform, auf der über fünfzig Joule-Assistenten die Kernprozesse Finanzen, Einkauf, Lieferkette, Personal und Kundenbindung eigenständig steuern sollen.

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Sind Sie SAP Kunde? Jahrelang versprach SAP KI in jedem Modul, geliefert wurden Chatbots mit Hilfetext-Charakter. Mit der neuen SAP Business AI Platform und der Autonomous Suite soll Joule jetzt vom Assistenten zum agentischen Dirigenten der Geschäftsprozesse werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • SAP bündelt über 50 Joule-Assistenten zu fünf autonomen Bereichen rund um Finanzen, Lieferkette, Einkauf, HR und Kundenbindung
  • Bidirektionale Agent-to-Agent-Funktionen werden im vierten Quartal 2026 allgemein verfügbar
  • RISE-Kunden bekommen vertraglich drei aktivierte Joule-Assistenten im ersten Jahr
  • Anthropic-Modelle landen in HR, Einkauf und Lieferkette, daneben kooperiert SAP mit Mistral, Cohere, NVIDIA und n8n

Warum SAP jetzt von der Assistenz zur Autonomie wechselt

Langes, chirurgisches Greifinstrument mit silbernem Griff, weißem Schaft und kupferfarbenem Ende
Christian Klein stellt SAP-Vision vor: KI-Agenten sollen in drei Schichten Aufträge selbstständig prüfen, validieren und freigeben

Die Vision hat Christian Klein, Vorstandsvorsitzender der SAP SE, persönlich auf der Bühne vertreten. Bei geschäftskritischen Prozessen sei „annähernd richtig“ nicht gut genug, betonte Klein. Die Antwort der Walldorfer: KI-Agenten so tief in Daten und Steuerung verankern, dass sie Aufträge selbstständig prüfen, validieren und freigeben können.

Die Architektur kommt in drei Schichten. Die SAP Business AI Platform stellt Entwicklung, Kontext und Steuerung der Agenten bereit. Die Autonomous Suite bündelt vorgefertigte Agenten zu Rollen wie „Produktionsplanung“ oder „Lieferantenfreigabe“. Joule Work wiederum bringt diese Logik auf das Smartphone der Mitarbeitenden und ist als mobile App bereits allgemein verfügbar.

Spannend ist die Offenheit der Plattform. Joule-Agenten unterstützen nativ das Agent-to-Agent-Protokoll. Damit können Drittanbieter-Frameworks von Google und Microsoft mit SAP-Prozessen interagieren. n8n übernimmt die visuelle Orchestrierung im Joule Studio, NVIDIA stellt mit OpenShell die Laufzeitumgebung bereit. Selbst Anthropic ist als Modell-Lieferant für HR, Einkauf und Lieferkette an Bord.

SAP gibt zu, dass ein ERP allein keine KI-Story mehr trägt. Der Konzern öffnet sein Joule-Ökosystem für Anthropic, Mistral und n8n und macht damit etwas, das die Walldorfer in den letzten zehn Jahren am liebsten vermieden hätten. Für deutsche Mittelständler heißt das: Die Wahl des KI-Modells gehört in den nächsten SAP-Vertrag.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was deutsche Mittelständler jetzt prüfen sollten

Holzgriffwerkzeug mit Gravur und kleinem orangefarbenem Bauhelm an der Spitze auf weißem Grund
Autonome Funktionen mit Joule-Assistenten erfordern S/4HANA Cloud mit Clean-Core-Ansatz. ECC und angepasste On-Premise-Systeme sind ausgeschlossen. ERP-Migration wird zwingend notwendig

Die Voraussetzung ist hart und unverändert. Autonome Funktionen laufen ausschließlich auf S/4HANA Cloud mit einem Clean-Core-Ansatz. Wer noch auf ECC oder einer stark angepassten On-Premise-Installation sitzt, bekommt die Joule-Assistenten nicht. Die ERP-Migration rückt damit erneut in den Vordergrund, obwohl die 2027er-Wartungsfrist ohnehin drückt.

Die Mitbestimmung wird in Deutschland zur eigenen Baustelle. Agenten, die Aufträge freigeben oder Personalentscheidungen unterstützen, fallen unter das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats. Klare Betriebsvereinbarungen zu Datenverarbeitung, Leistungskontrolle und Eskalations-Pfaden sind Pflicht, bevor der erste Joule-Assistent live geht. Wie die Praxis der Mitbestimmung bei KI-Tools aussieht, lesen Sie im LLMs-Ratgeber.

Die Roll-out-Logik ist klar getaktet. Erste Joule-Assistenten und Agenten laufen seit dem ersten Halbjahr 2026 in einem schrittweisen Modell aus. Die Agent-to-Agent-Interoperabilität wird im vierten Quartal allgemein verfügbar. Für RISE-Kunden sind drei Assistenten vertraglich im ersten Jahr enthalten. Den vollen Umfang gibt es nur über den Max Success Plan oder direkt im Premium-Vertrag.

Die Handlungsempfehlung ist nüchtern. Klären Sie intern, welche Prozesse den höchsten Automatisierungs-Hebel haben, prüfen Sie die Migration auf eine Clean-Core-S/4HANA-Cloud und holen Sie den Betriebsrat von Anfang an an einen Tisch. Wer das verschläft, zahlt 2027 die SAP-Lizenz und bekommt trotzdem keine autonomen Bereiche.

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Michael Dobler
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Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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